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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 09:54 Uhr

Reinfeld : Komm in die gute Stube, Puppe!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Renate Blunk zeigt im Heimatmuseum ihre große Sammlung an Puppenstuben und Kaufmannsläden aus über 100 Jahren.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2015 | 18:30 Uhr

„Da ist doch ganz viel Leben drin“, sagt Renate Blunk und deutet auf das liebevoll dekorierte Wohnzimmer einer Puppenstube. Die in Reinfeld geborene und lebende Sammlerin hat ihr Herz schon vor 25 Jahren an das Sammeln von Puppenstuben verloren und möchte jetzt auch Interessierten ihre große Sammlung präsentieren. „ Wir geben gern Reinfeldern die Gelegenheit, ihre Schätze bei uns im Heimatmuseum zu zeigen“, freut sich Museumsleiterin Anja Rademacher über die neue Ausstellung.

Seit September bauen die beiden Frauen die Puppenstuben auf. Gar nicht so einfach bei all den filigranen Einrichtungsgegenständen und teilweise auch sperrigen Puppenhäusern. Renate Blunk brachte sogar einen Vitrinenschrank samt Einrichtung mit. Doch jetzt hat jede Puppenstube ihren festen Platz gefunden. Die Älteste stammt aus dem Jahre 1910 und beherbergt die damals üblichen Porzellanpuppen. Die Herren tragen Uniform und haben auf dem Biedermeiersofa Platz genommen. Natürlich serviert die Hausherrin Kaffee und Kuchen in echtem Puppenporzellan. Gleich daneben steht eine Puppenstube aus den 70er Jahren mit funktionsfähiger Bade- und Duschwanne. „Der Wassertank befindet sich an der Außenwand“, erklärt Blunk. Sogar die Klorollen fehlen hier nicht.Auch für die Elektrizität ist mit kleinen Lämpchen gesorgt.

Die Puppenstube aus den 70er Jahre scheint nicht selbst gebastelt, die meisten anderen dagegen schon. „Damals - bis in die 70er Jahre hinein - bauten die Väter die Puppenhäuser samt Inventar alle selbst, von den Müttern wurden sie hübsch dekoriert“, erklärt die passionierte Sammlerin. Nur reiche Familien konnten sich die Anschaffung Anfang des 20. Jahrhunderts überhaupt leisten. „Da wurde das Puppenhaus dann oft gar nicht zum Spielen, sondern zur Repräsentation des Reichtums genutzt“, so die Museumsleiterin.

Die Puppenstube von Anja Rademacher, die ihr Onkel als gelernter Tischler selbstverständlich selbst zimmerte, hat leider keine Möbel mehr. „Die sind im Laufe der letzten 40 Jahre leider abhanden gekommen“, bedauert sie., „Aber vielleicht haben ja Kinder Lust, es wieder mit Möbeln aus ihrem Spielzeug zu schmücken?“ Die Leihgaben werden natürlich zurückgegeben.

Mit dem ausgestellten Kaufmannsladen spielte Renate Blunk als Kind, auch wenn dieser ja eher für die Jungen gedacht war- wie Kriegsspielzeug, Ritterburgen und Bauernhof. „Früher hatte man ja nicht viel. Da war jedes Spielzeug ein kleines Heiligtum“, sagt sie. All ihre Spielzeuge hat sie aufgehoben: „Was fehlt, habe ich kaputtgespielt.“

„Die Puppenstube sollte die Mädchen auf ihre Rolle als spätere Hausfrau und Mutter vorbereiten“, so Blunk. Da wurde auch an den Details nicht gespart: Mini-Römertöpfe, Bügeleisen, Porzellangeschirr mit filigranem Dekor, elektrische Kochherde, Besteckkästen, Tortenplatten, sogar Handtücher und Nähmaschinen. Renate Blunk hat viele Einzelstücke auf dem Flohmarkt ergattert und bewies bei Vervollständigung der kleinen Puppenräume viel Fantasie. So nutzte sie eine alte Brokatdecke als Teppich, verwendete Margarine-Figuren als Dekoration. Einen Tuchladen aus den 40er Jahren bestückte sie mit Stoffballen, Nadelkissen, Maßbändern, Schneiderpuppe und Nähmaschinen täuschend echt. Die gelernte Schneiderin nähte die Gardinen selbst. „In der Berufsschule habe ich damals eine Lupe zum Fadenzählen geschenkt bekommen, die steht dort mit drin“, so Blunk. Ein echtes Unikat.

Nicht zu vergessen die vielen liebevoll gestalteten Küchen. „Die Küche war das Herzstück der Wohnung. Hier spielte sich das Leben ab“, so die Sammlerin. Ein bisschen „getrickst“ habe sie schon mal bei der Einrichtung. So funktionierte sie einen Anspitzer als Ofen um. Der habe einfach so gut zur Wohnzimmereinrichtung gepasst. Neben den wunderschönen Puppenhäusern gibt es in einer Vitrine außerdem Kindergeschirr, alte Puppen und das eine oder andere Kleinod wie das Emaille-Kochgschirr von 1910 oder die mitgrünen Melitta-Tassen zu bewundern. Renate Blunks Lieblingsstück - ein Geschenk ihrer Oma - ist eine winzige Babypuppe im Schaukelbettchen. Sie hofft, dass viele Besucher sich durch die Ausstellungsstücke an ihre Kindheit erinnern werden und das eine oder andere Stück entdecken, mit dem sie damals gespielt haben.

 

 

 

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