Drogenprozess : Kokain „auf ein Käffchen“

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Ein 52-jähriger Trittauer sitzt in Ahrensburg auf der Anklagebank. Nach umfangreicher Observation war er festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, in größerem Stil mit Kokain gehandelt zu haben.

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17. Juli 2014, 10:38 Uhr

Hat Alwin T. in größerem Stil mit Kokain gehandelt? Das versucht das Schöffengericht in Ahrensburg jetzt zu klären. Das ist nicht einfach. Der muskulöse 52-Jährige mit den schütteren und raspelkurzen Haaren verweigert jede Aussage. Nach umfangreicher Observation und Telefonüberwachung hatte die Polizei ihn am 10. September vergangenen Jahres festgenommen. Versteckt in seinem Sprinter fanden die Beamten 40 Portionspackungen mit der Droge, in einem in einer Tiefgarage geparkten Quad weiteres Kokain.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Trittauers fanden sie zudem Marihuana, vorbereitete Papierbriefchen für das Kokain, eine Feinwaage und 3000 Euro Bargeld, das beschlagnahmt wurde. Sein Anwalt erklärte, das seien Einnahmen aus dem „Traumhaus“, einem Hamburger Swinger-Club in Tonndorf. Dort kostet der Eintritt 50 Euro, T. war als Kassenwart tätig.

Zwei seiner mutmaßlichen Kunden hatte die Polizei gestoppt. Man fand bei ihnen Konsummengen Marihuana und Kokain. Ein 41-jähriger Handwerker sagte gestern aus. Er gab zu, von Alwin T. bis zu drei Portionen Kokain gekauft zu haben, jeweils 0,8 Gramm für 50 Euro. „Auf Partys hat es sich herumgesprochen, dass man bei ihm etwas bekommen kann“, sagt er aus. Kurz nach dem Deal stand die Polizei vor seiner Tür und beschlagnahmte das Rauschgift. Auf dem Päckchen fand sich DNA-Material des Angeklagten. Später wurde dem Monteur auch der Führerschein entzogen.

„Warum haben sie vor der Polizei von vier bis sechs Drogenkäufen gesprochen“, will der Vorsitzende Richter Ulf Thiele wissen. „Das macht für mich keinen Unterschied“, so der Zeuge. Es sei ihm vom vernehmenden Beamten so in den Mund gelegt worden. „Für den Angeklagten ist es schon ein Unterschied“, entgegnet der Richter, „nämlich ob er zu einem oder fünf Monaten verknackt wird.“

Zwölf Tage lang observierte die Polizei den Trittauer, seine drei Handys wurden über Monate abgehört. „Bei den Telefongesprächen gab es keine direkten Hinweise auf Betäubungsmittel“, sagt der Kripobeamte aus. Verdächtig seien allerdings die Kurzkontakte, bei denen man sich verabredet hatte.

„Es ging um ein Treffen auf ein Käffchen oder um Werkzeug auszuleihen“, sagte er. Für ihn stehe fest, dass es dabei um Drogen ging. Andere Gründe für die Treffen könne er nicht nachvollziehen. „Gut 30 Abnehmer haben angerufen, 20 davon wurden identifiziert und sind der Polizei als Drogenkonsumenten bekannt.“ Am deutlichsten sei noch eine SMS gewesen: „Hast du vier Mint auf Kredit für mich.“ Solche Anspielungen habe sich der Angeklagte danach strikt verbeten.

Auf die Spur von T. ist die Polizei durch einen anonymen Hinweis gekommen. „Das Kokain soll aus den Niederlanden eingeführt worden sein“, so die Leiterin der Ermittlungsgruppe Rauschgift. Die Observation habe Kontakte des Angeklagten zu verschiedenen Personen bestätigt, die er mit seinem damaligen Auto besuchte.

Die Lebensgefährtin von T. will von alldem nichts mitbekommen haben. Begeistert sei sie nicht über seine Arbeit für den Swinger-Club gewesen: „Toll finde ich das nicht, aber ich habe es akzeptiert.“ Seinen Drogenkonsum will sie nicht bemerkt haben. Sie wisse zwar von früheren Vorwürfen gegen ihren Partner, aber „über Drogen haben wir nicht geredet.“

Das sei erstaunlich bei einer so langen Lebenspartnerschaft, merkt der Richter an: „Aber nach der Durchsuchung haben sie doch darüber gesprochen?“ Sie habe nicht richtig nachgefragt, antwortet die Frau mit der Kurzhaarfrisur. „Ich habe ihm gesagt, dass ich das definitiv nicht möchte.“

Der Prozess wird am Donnerstag nächster Woche fortgesetzt.

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