Körperverletzung? Im Zweifel für den Angeklagten

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28. Januar 2015, 16:38 Uhr

Simon K. (Name geändert) soll seine ehemalige Freundin gewürgt, geschlagen und mit einem Messer bedroht haben. Gewaltsam habe sich der 30-jährige Hamburger an zwei Wochenend-Tagen im vergangenen Juli Zutritt zur Wohnung verschafft, in der sich die 24-Jährige aufhielt. Zuvor hätten sie noch gemeinsam Wodka gezecht. Doch das Amtsgericht Ahrensburg sprach ihn jetzt frei.

Ohne Anwalt verteidigte sich der wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Angeklagte gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Er sei an den fraglichen Tagen nicht in der Wohnung am Bornkampsweg gewesen. Am zweiten Verhandlungstag bestätigte jetzt ein Zeuge sein Alibi: „Wir haben in Hamburg einen Kiez-Bummel gemacht. Simon K. war bis zum Abend des folgenden Tages bei mir.“

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hielt ihn für unglaubwürdig. Sie folgte den Aussagen der 24-Jährigen am ersten Verhandlungstag. Wegen Körperverletzung und Nötigung forderte sie vier Monate Haft, die für drei Jahre zur Bewährung auszusetzen seien: „Wegen der erheblichen Vorstrafen reicht eine Geldbuße nicht aus.“ Außerdem solle K. 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Doch die Aussagen der jungen Frau hatten den Richter Paul Holtkamp nicht überzeugt. Sie wichen wesentlich vom Protokoll der ermittelnden Polizei ab. Vor Gericht sagte sie aus, es habe nur einen Vorfall gegeben. Auch sei sie nicht gewürgt worden (wir berichteten). Trotz eindringlicher Belehrung über die Folgen einer Falschaussage blieb sie bei ihren Beschuldigungen gegen ihren Ex-Freund.

Der Richter wollte das Verfahren schon am ersten Verhandlungstag einstellen, doch die Staatsanwaltschaft widersprach. So kam es jetzt zum zweiten Verhandlungstag, zu dem auch noch zwei weitere Zeugen geladen waren. Nach der Bestätigung des Alibis von K. verzichtete der Richter auf die Befragung der beiden Polizisten, die den Vorfall aufgenommen hatten. Denn sie hatten den Angeklagten gar nicht angetroffen.
„Ich bin nicht zu der Überzeugung gelangt, die für ein Urteil erforderlich ist“, sagte der Richter. Einziges Beweismittel seien die Aussagen der Geschädigten, und die reichten mit ihren Unstimmigkeiten dafür nicht hin. Vor der Polizei habe sie detailliert noch von mehreren Tatbeteiligten gesprochen, vor Gericht nicht. Noch merkwürdiger sei, dass nach ihrer Aussage alles an einem Tag geschehen sei. „Diese Aussage ist zu wackelig“, so der Richter. Hier gelte der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten.

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