Können sich CDU und SPD noch Volksparteien nennen?

Reinhard Mendel (SPD)
Reinhard Mendel (SPD)

Die Grünen mausern sich zur zweiten Kraft / 69,6 Prozent für Grüne und Linke am „Haus der Natur“

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07. Mai 2018, 10:52 Uhr

Zersplitterung, Verluste der nur noch scheinbar „großen“ Parteien und aufgeblähte Kommunalparlamente sind das Ergebnis der Kommunalwahl 2018. Mit wenigen Ausnahmen verloren CDU und SPD Stimmen, die Sozialdemokraten aber deutlich mehr. In einigen Orten wurde die SPD von den Grünen überholt, nicht mehr nur in kleinen Dörfern wurden Wählergemeinschaften die stärkste Kraft.

So gilt im Kreis, was auch landes- und bundesweit festzustellen war: Die Bindungswirkung, die die Volksparteien früher entfalteten, ist kaum noch vorhanden. Wäre die AfD auch in den Kommunen angetreten, wäre das noch deutlicher geworden. Im Kreistag wird die AfD vier Abgeordnete stellen. Ebenso wie FDP und Linke erhält die AfD ein Ausgleichsmandat, bei SPD und Grünen sind es sogar je drei. Weil die CDU fünf Mandate direkt mehr holte, als ihr mit 35,9 Prozent zustehen, wächst der Kreistag auf 63 Abgeordnete. Durch die Nachwahl in Bargteheide Süd-Ost kann sich das im Juni noch verschieben. Klar ist jedoch: Mehr Abgeordnete, Fraktionen und Einzelkämpfer werden das „Regieren“ nicht leichter machen.

„Bei 20 Prozent ist Volkspartei kein angemessener Begriff mehr, aber man kann die Zahlen aus kleineren Gemeinden mit ihren Wählergemeinschaften nicht einfach in einen Topf werden. Allerdings sind auch 22 Prozent ein trauriges“ Ergebnis, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Reinhard Mendel.

In Reinbek und Ahrensburg liegen die Grünen vor der SPD, in Reinbek mit 22,1 Prozent um 1,4 Punkte, in Ahrensburg mit 21,6 Prozent um 0,6 Punkte. In Bargteheide kehrten sich die Verhältnisse um: Die SPD fiel von 23,4 auf 19,2 Prozent, die Grünen steigerten sich von 15,2 auf 23,6 Prozent. Die SPD schaffte nicht ein Direktmandat, die Grünen derer zwei. Die CDU stürzte zwar von 41,4 auf 30,4 Prozent ab, sicherte sich aber zehn der 14 Direktmandate. Eines ging an die WfB, eines an den Einzelkandidaten Klaus Mairhöfer.

Ob sich die Trends in Ahrensburg nur milder darstellen oder ob die Schlossstadt dem Trend schon 2013 voraus war, ist Ansichtssache. Die CDU war dort mit 34,5 Prozent relativ schwach und verlor jetzt noch drei Punkte. Die SPD büßte mehr als doppelt so viel ein (6,8) und fiel auf 21 Prozent. Leichte Verluste verzeichnet die WAB (10,7 Prozent, minus 1,3). Gewinner sind die Grünen (plus 2,3), die FDP (8,5 Prozent, plus 2,1) und vor allem die Linken, die aus dem Stand auf 6,6 Prozent kamen.

13 CDUler wurden direkt gewählt, die SPD gewann zwei Wahlbezirke, die Grünen erneut beim Haus der Natur, wo Susanna Hansen 51 Prozent holte. Auch die Linken holten dort mit 18,6 Prozent ihr bestes Ergebnis. Die SPD kam dort auf 8,2 Prozent, die FDP auf zwei.

In Ammersbek, wo ein Wahlbezirk im Juni nachgeholt wird, sind die Grünen mit 25,1 Prozent (plus 7,9) ebenfalls zweitstärkste Kraft, verweisen dort aber die CDU auf Rang drei (23,4, minus 5,2). Größte Fraktion bleibt zwar mit 27 Prozent die SPD, ist mit einem Rückgang um 10,5 Prozentpunkte aber klarer Verlierer. Die FDP holt 15 (plus 6,4), die UWA 9,4 Prozent (plus 1,4).

Noch stärker sind die Grünen in Großhansdorf, wo sie sich von 23,7 auf 27,9 Prozent verbessern. Die CDU bleibt bei Verlusten von 5,7 Punkten aber mit 39,3 Prozent stärkste Fraktion. Die SPD sinkt von 23,4 auf 19,2 Prozent, die FDP steigt von 7,9 auf 13,6 Prozent. In Glinde zieht die FPD erstmals nach 2008 wieder ins Stadtparlament ein, und das gleich mit 11,1 Prozent. Die CDU bleibt bei leichten Verlusten stärkste Kraft (38), die SPD verliert 8,1 Punkte und kommt auf 32,8 Prozent.

Kleinere Parteien und Gruppierungen sind auch in Barsbüttel, Oststeinbek und Trittau die Gewinner. In Trittau kann die BGT ihr Ergebnis mit 21,7 Prozent verdoppeln. In Barsbüttel wird die BfB mit 33,4 Prozent (plus 15,5) stärkste Kraft . Zu Lasten der CDU, die 12,7 Punkte einbüßt und mit 24,1 Prozent noch hinter der SPD (26,4, minus 5,7) landet. In Oststeinbek bleiben die Christdemokraten dagegen vorn (37,8, minus 3,9). Die SPD verliert 7,6 Punkte und kommt auf 29,6 Prozent. OWG (20,8, plus 7,5) und FDP (11,7, plus 3,9) verbessern sich.

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