Koch überfallen – Angeklagte müssen Jahre sitzen

Avatar_shz von
19. Dezember 2017, 11:20 Uhr

Sie hätten ihr Opfer nur zur Rede stellen wollen, behaupteten die beiden Angeklagten vor dem Ahrensburger Schöffengericht. Doch das glaubte den 41 und 42 Jahre alten Männern nicht. Es verurteilte sie gestern wegen gemeinsam versuchtem Raub und Körperverletzung zu zwei Jahren und sechs Monaten sowie zwei Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe.

Tatort war in der Nacht zum 9. Februar die Große Straße in Ahrensburg. Die beiden Männer trafen den 56-jährigen Koch in einer nahegelegenen Spielothek. Er habe ihn angegrinst, deshalb wollte er ihn zur Rede stellen, behauptete ein Angeklagter. Beide verließen dann die Spielhalle. Die Aufsicht hatte ein mulmiges Gefühl und verschloss die Tür hinter ihnen, sie warteten vor der Tür.

Als der Koch die Spielhalle wenig später verließ, verfolgten ihn die Angeklagten. Vor einer Pizzeria holten sie ihn ein und brachten ihn vermutlich zu Fall oder er stolperte. Dann setzte sich ein Mann auf seinen Körper und schlug ihn, der andere sprühte ihm Pfefferspray ins Gesicht. Dann tastete er ihn ab, fand dabei aber keine Beute. Inzwischen waren Anwohner und der Koch der Pizzeria auf das Geschehen aufmerksam geworden und riefen die Polizei. „Ich hatte auch Blickkontakt zu ihnen, bevor sie weggingen“, sagte der Koch aus. Die Täter hätten auch gesehen, dass er telefonierte.

Die Polizei ging zunächst von Körperverletzung aus, weil das Opfer geflohen war. Es hatte sich in seine Wohnung zurückgezogen und meldete sich erst später. Polizeibeamte trafen das Duo wenig später in der Nähe an. Einer hatte eine Gartenschere und einen dolchartigen Brieföffner bei sich, der andere das Pfefferspray. Der Koch wurde leicht verletzt, schlimmer war wohl der Schock. „Ich habe seitdem Angst im Dunkeln und versuche das Geschehen zu vergessen“, hatte er am ersten Verhandlungstag ausgesagt.
Vergeblich argumentierten die Verteidigerinnen, dass die Raubabsicht nicht erwiesen sei. „Beide waren alkoholisiert und so enthemmt“, sagte eine von ihnen, „sie wollten in ihrem Brausebrand nur etwas klären.“ Sie forderte eine kurze Freiheitsstrafe. Der Staatsanwalt ging von einem gemeinsamen Tatplan aus. „Die Verfolgung des Kochs wurde überzeugend von Zeugen geschildert, sie haben ihn von zwei Seiten abgepasst und dann in die Enge getrieben.“

Die Aussagen der Angeklagten ergaben keinen Sinn: „Es ging ihnen nur darum, seinen Widerstand zu brechen und ihn nach Wertsachen zu durchsuchen.“ Für das Opfer sei das ein albtraumhaftes Szenario geworden. Der Staatsanwalt forderte drei Jahre und sechs bzw. acht Monate Haft.

„Die ganze Sache ist aus dem Ruder gelaufen, das tut mir leid“, sagte ein Angeklagter in seinem Schlusswort. „Es tut mir leid, was der Mann durchmachen musste“, entschuldigte sich der Mitangeklagte.
Das Gericht verhängte schließlich ein Jahr weniger. „Sie hatten die Intention, den Koch zu überfallen“, so der Vorsitzende Richter. „Es ist ein Zeichen des Gerichts, dass man für solche Taten mit Haft rechnen muss“, betonte der Richter.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen