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Bad Oldesloe : Kleiner Waffenschein groß in Mode

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Zahl der Anträge hat sich in jüngster Zeit gegenüber dem Schnitt der Vorjahre verdreizehnfacht. Die Verkaufszahlen von Waffen sind allerdings wieder rückläufig.

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erstellt am 03.Apr.2017 | 06:00 Uhr

Die Anträge auf den kleinen Waffenschein sind in Stormarn förmlich explodiert. Während in früheren Jahren zwischen 27 und 42 Anträge eingingen, verdoppelte sich die Zahl bereits 2015 auf 70. Im vergangenen Jahr wollten dann 451 Stormarner eine kleinen Waffenschein haben. – 13 mal so viele wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Und der Trend scheint ungebrochen. In diesem Jahr wurden schon 120 kleine Waffenscheine erteilt.

Ein Entwicklung die dem CDU Kreistagsabgeordneten Lukas Kilian Sorgen macht. Er hatte sich die Zahlen von der Kreisverwaltung geben lassen. „Wenn die Bevölkerung zur Waffe greift, ist dies ein klares Indiz dafür, dass das Sicherheitsgefühl abnimmt“, sagt Kilian.

Die Einschätzung kann Ingo Lange, Fachdienstleiter öffentliche Sicherheit beim Kreis bestätigen: „Wie die Kollegen, die ja auch beraten, regelmäßig berichten, wollen sich die Leute schützen.“ Ob es in einer bedrohlichen Situation hilft, ist fraglich. „Wenn man eine Waffe zieht, weiß man nie, was das Gegenüber macht“, sagt Ingo Lange. Auch Kilian bezweifelt, dass sich durch mehr Waffen die objektive Sicherheitslage verbessert. „Auch jede weitere Waffe in Privathaushalten stellt eine Gefahr dar“, so der 30-Jährige, der den Rückzug der Polizei aus der Fläche durch Schließung von Wachen als einen Grund für die Bewaffnung ansieht. „Der Staat muss den Bürgern wieder Sicherheit gewährleisten. Wir brauchen dafür mehr Polizeipräsenz und eine wirkungsvolle Rechtsanwendung“, sagt Kilian.

Die Zahl der Anträge ist nur ein Indiz für eine zunehmende Bewaffnung der Bevölkerung. SRS-Waffen – die Abkürzung steht für Schreckschuss-, Reizstoff und Signalwaffe – sind ab 18 Jahren frei verkäuflich. Den kleinen Waffenschein braucht nur der, der die Waffe außerhalb von Wohnung, Büro oder Grundstück mitnehmen möchte.

Voraussetzungen für die behördliche Erlaubnis sind Volljährigkeit, Zuverlässigkeit und Persönliche Eignung. In Stormarn kostet die Erlaubnis 60 Euro. Zu öffentlichen Veranstaltungen oder Versammlungen darf man die Waffe aber trotzdem nicht nehmen. Und Schießen ist ebenfalls nicht erlaubt. Selbst wenn die Waffe zur Abwehr eingesetzt wird, ermittelt die Staatsanwaltschaft. Nur wenn die auf Notwehr entscheidet, ist das straffrei. Das gilt analog für Sprays, die für die Tierabwehr gedacht sind.

Eines der wenigen Geschäfte mit Waffenhandelserlaubnis ist der Baumarkt Holländer in Trittau. Dort waren vor allem Abwehrsprays gefragt. Kunden sind junge Frauen oder Menschen, die abends mit dem Hund spazieren gehen. Während die Anträge auf den Kleinen Waffenschein weiter hoch bleiben, ist der Verkauf vor allem von Abwehrsprays eingebrochen: „Das ist nicht mehr mit dem vergangenen Jahr zu vergleichen“, sagt Verkäufer Christian Olhöft.

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