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Stormarner Tageblatt

24. November 2017 | 14:20 Uhr

Kleiner Lichtblick am Horizont

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Teil 5: Noch immer kein Platz im Deutschkursus in Sicht, dafür aber zwei Ausstellungstermine in Hamburg und Berlin

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2016 | 18:13 Uhr

Viele Flüchtlinge aus Syrien sind geflohen, um den Wirren des Krieges in ihrem Heimatland zu entkommen. Sie haben oft gefährliche Fluchtwege in Kauf genommen, um hier Asyl zu beantragen und in Frieden zu leben. Dazu gehört in Stormarn das Ehepaar Hala Ismaiel (27) und Ziead Zankello (28) aus Aleppo. Beide sind vor wenigen Monaten hier angekommen und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Das Stormarner Tageblatt hat die jungen Syrer – beide studierten an der University of Fine Arts in Aleppo – nach den Beweggründen für ihre Flucht, ihrem Alltag in fremder Umgebung und ihren Zukunftsplänen befragt und wird ihren Werdegang in den kommenden Monaten weiter begleiten. Im 5. Teil erzählen Hala und Ziead von zwei geplanten Ausstellungen, einer anonymen Spenderin, vom nicht enden wollenden Warten auf den Deutsch- und Integrationskursus, ihrer Dankbarkeit für die Unterstützung und ihren bangen Gedanken an ihre Familien in Syrien und der Türkei.

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„Die Frühlingssonne tut uns wirklich gut“, freut sich die Syrierin Hala über das strahlend schöne Wetter. Auch ihr Mann Ziead blüht sichtlich auf: „Wir haben schon viele Radtouren in der Umgebung gemacht.“ Gemeinsam mit Halas Bruder drehten sie ihre Runden mit dem Rad und stießen dabei am Himmelfahrtstag ganz zufällig auf das idyllische Örtchen Barnitz, wo Hunderte das beliebte Kunsthandfest besuchten.

 Das syrische Ehepaar, das inzwischen seit sechs Monaten in Stubbendorf unter dem Dach von Jan Kühl lebt, war erstaunt, so viele Menschen in einem so kleinen Dorf zu sehen. Begeistert schlossen sie sich an, kamen mit ein paar Künstlern ins Gespräch, bewunderten die Plastiken, Gemälde und das Kunsthandwerk. „Ein Mann, der Hosenträger selbst näht – so etwas habe ich zuvor noch nie gesehen“, staunte Hala nicht schlecht. Beide saßen unter den alten Obstbäumen im Garten an der Trave, kamen noch zwei Mal wieder. „Barnitz ist bis jetzt mein absoluter Lieblingsort“, schwärmt die junge, syrische Künstlerin.
 In Hamburg sind beide auch schon gewesen, ebenso mit dem Rad in Lübeck, besuchten das neue Hofcafé in Heilshoop und probierten dort die selbst gemachten Torten. Inzwischen haben sie die Gegend schon recht gut kennengelernt, fühlen sich sehr wohl hier und knüpfen vor allem Kontakt zu den Deutschen, denn, so Hala: „Wir wollen ihre Kultur, ihre Regeln noch besser kennenlernen, denn schließlich wollen wir hier leben und uns integrieren.“ Das klappe auch schon sehr gut, nur an der Sprache hapere es doch sehr.

  Immer noch warten Hala und Ziead auf einen Platz im Deutsch- und Integrationskursus. „Frühestens im August ist an der VHS Bad Oldesloe ein Platz frei – wenn überhaupt“, bedauert Jan Kühl, der den Syrern einen PC-Deutschkursus in syrischer Sprache geschenkt hat. „Das ist immerhin etwas, aber so ganz ohne Lehrer ist es doch schwierig“, sagt der sympathische Stubbendorfer. Eifrig üben Hala und Ziead am Computer. Ein paar Brocken haben sie bereits bei einem Deutschkursus in Büdelsdorf, wo sie nach ihrer Flucht ankamen, gelernt. „Das ist meine Frau“, sagt Ziead auf Deutsch und deutet auf Hala. „Sie ist Comiczeichnerin.“ Jan Kühl freut sich über die Fortschritte von Ziead und lädt ihn ein, täglich ein wenig mit ihm zu üben. Überhaupt versucht er alles, um den Beiden das Leben in einem fremden Land zu erleichtern. Ein wenig kann auch Halas Bruder helfen, der in einem Nebengebäude des Hauses wohnt und bereits zwei Deutschkurse – einen durch ein Stipendium in Hamburg – absolviert und sich jetzt für einen Studienplatz beworben hat. Davon träumen Hala und Ziead allerdings noch.

  Gern würden sie nach ihrem Studium an der University of Fine Arts in Aleppo in Deutschland abschließend ihren Master machen. Große Unterstützung erhielt das Ehepaar aus Aleppo von einer anonymen Spenderin, die das Geld für eine Ausstellung in der Hamburger Galerie „Marziart“ spendete, so dass die syrischen Künstler im Januar des nächsten Jahres dort ausstellen können. Die Spenderin hatte die Serie über Hala und Ziead irgendwie im Stormarner Tageblatt gelesen und wollte spontan helfen.

  „Wir sind so dankbar, dass wir es kaum ausdrücken können“, sagt Hala. Und Jan Kühl ergänzt: „Gern würden wir unsere Dankbarkeit mit einer Einladung zeigen.“ Eine weitere Ausstellung ihrer Werke ist durch die Vermittlung einer Freundin in der Galerie Spotty in Berlin für Oktober geplant. Dort stellen die Beiden ihr „Fashal Magazine“ vor. „Das ist eine große Chance für uns“, so Ziead.

 Bis dahin zeichnen Hala und Ziead fleißig und lassen sich dabei auch vom deutschen Frühling und der blühenden Natur inspirieren. Ob in Aquarell oder Acryl, ob Erinnerungen an ihr Heimatland oder ihre Flucht, ob ihre neuen Erfahrungen in Deutschland – Themen gibt es genug. Ihre Gedanken wandern täglich zu ihren Familien. Halas Vater lebt in Gettorf, aber ihre Mutter ist immer noch in Aleppo. „Die Familienzusammenführung hat noch nicht geklappt“, bedauert sie. Die Familie von Ziead lebt in der Türkei. „Dort wird die Lage immer schwieriger, denn mein Bruder ist Journalist. Für ihn ist es dort gefährlich“, so Ziead.

 Das Ehepaar lässt sich auch durch für sie völlig unverständliche Schreiben vom Bundesamt für Migration nicht entmutigen. Beide haben eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre, die Kosten für den Integrationskursus übernimmt das Jobcenter in Bad Oldesloe. „Wenn es doch erst einmal soweit wäre und wir endlich einen Platz in diesem Kursus bekommen“, sagt Hala. Das Warten zermürbe doch, deshalb hieße es, selbst die Initiative zu ergreifen und persönlich bei allen in Frage kommenden Schulen in Lübeck vorstellig zu werden. Ziead: „Wir hoffen, dass unsere Eigeninitiative Erfolg hat.“

  Erfolg hat auf jeden Fall die offene, herzliche und sympathische Art der beiden Syrer. Das trägt auch dazu bei, dass Hala und Ziead schon „einige Freunde“ in Deutschland gefunden haben, die sie gern unterstützen.





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