Grabau : Klartext vom Oberstaatsanwalt: „Aus dem rechten Bereich“

Mit Wärmebildkamera wird von der Drehleiter aus die Grabauer Umgebung abgesucht.
Mit Wärmebildkamera wird von der Drehleiter aus die Grabauer Umgebung abgesucht.

Nach der Rauchbombe in Grabau laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren.

Andreas Olbertz. von
06. Januar 2015, 11:42 Uhr

Im Grabauer Flüchtlingsheim explodiert eine Rauchbombe. Die Bewohner müssen in Sicherheit gebracht werden, zwei kommen wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus, der Staatsschutz ermittelt. „Wenn das die Bevölkerung nicht eint und aufscheucht, dann weiß ich es auch nicht“, sagt Walter Albrecht vom Bündnis gegen Rechts. Die überparteiliche Gruppe organisiert spontan eine Solidaritäts-Kundgebung für Flüchtlinge und gegen Fremdenfeindlichkeit: Sonnabend ab 11 Uhr auf der Hude. Die Organisatoren rechnen mit 150 bis 300 Teilnehmern. Walter Albrecht und Volker Hagge werden zur Begrüßung sprechen, Grußworte gibt es von Grabaus Bürgermeister Hans-Joachim Wendt sowie von Javus Bilgic vom Migrations-Forum. Firas Fayad Agha, Flüchtling aus Syrien, der im Grabauer Heim wohnt, wird sich über einen Dolmetscher ebenfalls an die Zuhörer wenden. „Wenn einem der Hut hoch geht, darf er da gerne auch noch sprechen“, macht Albrecht deutlich, dass es keinen festgesteckten Ablaufplan gibt.

Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren, konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht. „Nach der Art und Weise des angegriffenen Objekts und der angegriffenen Menschen muss man eher davon ausgehen, dass der Anschlag aus dem rechten Bereich kommt. Das drängt sich gewissermaßen auf“, sagt der Lübecker Oberstaatsanwalt Günter Möller. Gleichwohl werde selbstverständlich in alle Richtungen ermittelt. „Ich habe ein mulmiges Gefühl“, so Möller auf Nachfrage. „Ich habe Rostock, Gudow und Mölln mitgemacht. Das ist anfangs verharmlost worden – das macht mir große Sorge, das ist gefährlich“, warnt er.

Auch der Zuwanderungsbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Stefan Schmidt, spricht deutliche Worte: „Es wird schon seit einiger Zeit in Schleswig-Holstein gegen Asylsuchende gehetzt und versucht, Stimmung gegen Schutzsuchende zu machen.“ Nicht nur in Kiel und Neumünster tauchten Flugblätter der NPD auf, „sondern auch in anderen Orten, in denen Flüchtlinge leben“, sagt Schmidt. Schutzsuchende seien im zurückliegenden Jahr vermehrt zur Zielscheibe rechtsextremer Propaganda geworden. „Meist knüpfen die Rechtsradikalen an weit verbreitete Ressentiments an, erzeugen Ängste und verbinden diese mit Drohgebärden“, so der Zuwanderungsbeauftragte. Unter vermeintlich bürgerlichem Deckmantel würden „einfache Lösungen“ suggeriert, die zum Beispiel die Ausweisung von Flüchtlingen durch deren Diffamierung beispielsweise als Wirtschaftsasylanten berechtigt erscheinen lassen.

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