Bad Oldesloe : Kita länger zu – mehr Personal gefordert

Die Arbeit in den Krippen und Kitas wird immer mehr. Aber es gibt nicht mehr Personal.
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Die Arbeit in den Krippen und Kitas wird immer mehr. Aber es gibt nicht mehr Personal.

Die Träger wollen den Druck in der Debatte um Verfügungszeit erhöhen. Sie fordern mehr Personal.

Andreas Olbertz. von
14. Juli 2015, 06:00 Uhr

Ist das jetzt eine Form von Mini-Streik? Auf jeden Fall wird der Ton etwas schärfer. Daran lässt auch Pastorin Eva Rincke als Sprecherin der Oldesloer Kita-Träger keinen Zweifel: „Wir wollen nicht noch mal 14 Monate bis zur nächsten Einladung warten. Deshalb haben wir jetzt mal eine Schippe drauf gepackt.“ Im nächsten Kindergartenjahr wollen die evangelischen und der katholische Kindergarten, Stoppelhopser, Spatzennest, Oase, Luftballon und Lebenshilfe (Krippenbereich) sechs Wochen schließen. „Die zusätzlichen Schließzeiten dienen dazu, gesetzlich geforderte Arbeiten ‚nicht am Kind‘ und Fortbildungen durchzuführen. Betroffen sind insgesamt 605 Kinder mit ihren Eltern“, so die Kitaträger. Mehr Schließzeit hätte geringere Zuschüsse zur Folge – die Stadt müsste das Defizit tragen.

Es geht um die Verfügungszeiten. Erzieherinnen, die im Gruppendienst arbeiten, brauchen zusätzliche Stunden beispielsweise zur Vorbereitung. Der Gesetzgeber spricht davon, dass das „angemessen“ sein muss. Der Kreis Stormarn hat 20 Prozent bewilligt. Das ist den
Kitaträgern zu wenig. Sie bemängeln, dass die Anforderungen an Erzieher immer weiter steigen. Eva Rincke: „Das Personal hat viel zu schreiben. Das geht nur mit Konzentration und ist nicht nebenher im Gruppendienst zu leisten.“ Die ohnehin nur geringe Personalausstattung sei seit 1991 nicht erhöht worden. Ausfallzeiten wie Krankheit oder Urlaub sind dabei überhaupt nicht berücksichtigt. „Wir müssen den Urlaub zuteilen, um über die Runden zu kommen“, erläutert Eva Rincke für die evangelische Kirche: „Deswegen hat jetzt die erste Mitarbeiterin gekündigt, weil sie das nicht mit der Familie vereinbaren konnte.“

Im Oktober 2013 hatten die Kitaträger bei der Stadt eine Erhöhung der Verfügungszeit beantragt. So wirklich ist bislang nichts passiert. Vergangenen Dezember war herausgekommen, dass DRK und evangelische Kirche bereits seit Jahren zusätzliches Personal für „integrativen Mehrbedarf“ bewilligt bekommen haben. Diese Stunden wurden mittlerweile anteilig auf alle Kitas verteilt – die Summe bleibt gleich, dadurch entstehen der Stadt keine Mehrkosten.

In einer Arbeitsgruppe beraten Kitas, Verwaltung und Politik das Thema. Es lag ein Vorschlag auf dem Tisch, die Ausfall- und Verfügungszeit auf 29 Prozent zu erhöhen. Allerdings sollen die Integrations-Stunden damit verrechnet werden. Das Angebot lehnten die Träger ab.

Eva Rincke skizziert die drei Positionen: „Die Stadt sagt, sie hat kein Geld. Die Eltern sagen, sie wollen nicht noch höhere Beiträge zahlen und die Träger wollen unter den Bedingungen nicht weiter arbeiten. Ein Kompromiss kommt nicht dadurch zustande, dass das Thema ausgesessen wird. Es wird nötig sein, dass jede Seite ein paar Federn lässt.“ Auf den Dörfern werde zwar über die finanzielle Belastung gestöhnt, die Forderung aber anerkannt

Im August beginnt das neue Kindergartenjahr. Die Träger werden die Eltern dann informieren, wie sie die sechs Wochen Schließzeit umsetzen wollen. „Wir haben bewusst darauf verzichtet, gleich eine Woche in die Herbstferien zu legen“, erklärt Pastorin Rincke.

Die jeweiligen Kitabeiräte, in denen Eltern- und Stadtvertreter sitzen, müssen bei den Schließzeiten beteiligt werden.

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