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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 21:54 Uhr

Kirchen wenig gefragt

vom

Kraft und Liebe in die Familie investieren

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

"Kirchen wenig gefragt" lautete die Überschrift eines Artikels, der kürzlich in einer Hamburger Zeitung das Ergebnis einer repräsentativen "Wertestudie 2013" vorstellte. Bei der Vermittlung von Werten liegen die Eltern weit vor allen andern (80 %), gefolgt von Lehrern und Erziehern mit 40 %. Die Kirchen rangieren mit gerade einmal 13 % hinter Politikern, Freunden und Vereinen.

Den Deutschen sind vor allem konkrete Qualitäten des Zusammenlebens wichtig. Das lässt sich aus den hohen Prozentzahlen für Werte wie "Respekt" (44 %), "Gerechtigkeit"(43 %), Ehrlichkeit (41 %) sowie "Familie" (39 %) ableiten. Nimmt man ein weiteres Ergebnis zu Hilfe, dass nämlich nur dann Werte glaubwürdig vermittelt werden, wenn dies durch direkte und unmittelbare Kommunikation geschieht, dann wundert es nicht, dass die Kirche fast keine Rolle mehr bei der Mitgestaltung eines modernen, heute nachgefragten Wertekanons spielt.

Die einen sagen "na und?", die anderen vielleicht "schade!", manche wohl auch "das kommt davon". Nimmt man die Werte Respekt und Gerechtigkeit, dann fällt es nicht schwer, die unklaren Positionen vieler Kirchen zu benennen: Zur Rolle der Frau, zur Homosexualität, zur Anerkennung der konkreten Einheit der Kirche, zur Trennung von Kirche und Staat im Arbeitsrecht.

Wem hilft es schon, wenn von Synoden oder Konferenzen berichtet wird: man habe um ein wegweisendes Urteil "gerungen"? Es braucht den Seelsorger, der den Arm um die Schulter legt und schweigen kann und Zeit hat und nicht auf alles eine Antwort hat. Es braucht die unmittelbare, persönliche Zugewandtheit, nicht die Weihen der geistlichen Vollmacht, um heute respektiert zu werden. Wer so denkt, sagt vielleicht "Schade". Schade, weil die Anerkennung des anderen als ein von Gott in seiner Einzigartigkeit geliebtes Wesen die Kernbotschaft der Bibel ist. Schade auch, weil die in der Bibel bezeugte Gerechtigkeit Gottes nicht der Gleichmacherei das Wort redet, sondern der individuellen Bedürfnislage des einzelnen. Was für ein Sozialprogramm im Zeitalter des Individualismus!

"Das kommt davon": Wer so kommentiert, hat möglicherweise schmerzhafte persönliche Erfahrungen gemacht, die nur Ablehnung und Schadenfreude zulassen. Aber auch andere, die unter dem sogenannten Werteverfall der vergangenen Jahrzehnte gelitten und auf die Kirchen gehofft haben, wenden sich enttäuscht anderen Instanzen zu.

Verblüffend finde ich, dass Mütter und Väter mit weitem Abstand die wichtigste Rolle zugeschrieben bekommen: Von ihnen wird erwartet, dass sie als Vorbilder die Werte leben und kommunizieren - und natürlich damit Erfolg haben! Oder ist dieser Schluss unzulässig? Haben die befragten Bürger (immerhin 2075 Personen) nur ihren sehnlichen Wunsch benannt, gerade weil die Vorbilder in den Familien so blass geworden sind? Meinen sie vielleicht sogar sich selbst, weil sie in der Rolle der Mutter oder des Vaters stecken?

Und: wie passt das Ergebnis der jüngsten Umfrage zum Thema "Kinderwunsch" in die Wertedebatte? Wenn Kinder zu teuer und für die Karriere hinderlich sind - es deshalb immer weniger Mütter und Väter gibt - wer kommuniziert dann direkt und als Vorbild die lebenswichtigen Werte?

Ich möchte Sie einladen, Vorbild zu sein. Respekt leben, so gerecht wie möglich handeln, ehrlich und wahrhaftig und aufrichtig sein und Kraft und Liebe in die Familie investieren. Das alles und noch viel mehr empfiehlt die Bibel für ein gelingendes Leben. Und meine Kirche auch. Und 13 % sind doch gar nicht so wenig wenn man bedenkt, dass vielerorts weniger als 2 % direkt und unmittelbar mit Kirchenleuten kommunizieren…

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