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Stormarner Tageblatt

23. November 2017 | 21:44 Uhr

Kirchen-Kur auf die lange Bank geschoben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wegen diverser Vorgaben ist die Sanierung des Gotteshauses in Klein Wesenberg gehörig ins Stocken geraten. Dabei ist Eile geboten. Eine Bestandsaufnahme mit Pastor Erhard Graf zum Ist-Zustand.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2017 | 06:00 Uhr

Die schrittweise Sanierung der 1885 erbauten Klein Wesenberger Kirche hatte so schön begonnen. Im Laufe der vergangenen Jahre wurden das Dach neu eingedeckt, das Umfeld rund um die Kirche verschönert, die Buntglasfenster aufwändig restauriert. „Wir haben Baurücklagen für die nächsten acht Jahre, um die Sanierung voranzutreiben“, sagt Pastor Erhard Graf. Er rechnet mit einer Gesamtsumme von mindestens 500  000 Euro. Der vor fünf Jahren eigens für die Sanierung gegründete Bauverein mit seinen über 40 Mitgliedern setzt sich unermüdlich dafür ein, Spenden einzuwerben – und das mit Erfolg. Gut 5000 Euro flossen bereits aus Mitgliedsbeiträgen ins historische Gebäude.

Vor wenigen Wochen konnte der Opferstock mit Spendengeldern restauriert werden. Pastor Graf schätzt das historische Kleinod auf über 400 Jahre. In der bereits 1186 erbauten Kirche, die nach einem Brand 1885 neu aufgebaut wurde, war er in den Boden eingelassen und fristete später ein trauriges Dasein auf dem Turmboden. Auch die neue Vergitterung an den beiden Treppen zum Turm wurde vom Bauverein finanziert. Die Anregung dazu hat sich Pastor Graf aus der Schweiz geholt. Denn, so wünscht er es sich, die Klein Wesenberger Kirche soll bald zur „offenen Kirche“ werden. Dafür muss noch im Altarbereich eine Tür eingesetzt werden, um die Technik dort sicher unterzubringen. Graf: „Dann können wir endlich die Kirche öffnen.“ Das Interesse sei groß. Schließlich liege das Gotteshaus direkt an der Via Baltica, dem norddeutschen Jakobsweg, der jährlich von weit über 1000 Pilgern begangen werde, wovon 100 bis 150 auch im Klein Wesenberger Gemeindehaus übernachteten.

Doch die Realisierung der Kirchenöffnung für jedermann ist durchaus nur das kleinere Übel. Denn die weitere Sanierung schreitet nicht voran. Dabei ist Eile geboten, denn die über 40 Jahre alte Gasheizung, die in einem Kellerraum unterhalb des Kirchberges untergebracht ist, ist mehr als marode. „Wenn sie ausfällt, haben wir ein großes Problem“, mahnt der Seelsorger. Schon jetzt laufe sie im Dauerbetrieb und könne nicht mehr reguliert werden. Da nütze auch das bereits installierte neue Belüftungssystem an den Fenstern nichts, das dazu dienen soll, automatisch die Temperatur in der Kirche zu regulieren. „Eine Heizung ist nicht dazu da, es den Kirchenbesuchern so kuschelig wie möglich zu machen, sondern die Temperatur nach Vorgaben des Denkmalschutzes konstant zu halten und die Feuchtigkeit zum Schutz der Räume und des Inventars herauszulassen“, erklärt er. Doch ohne neue Heizung und neuer Elektrik sei dies nicht möglich. „In Hamberge hat man so die Orgel kaputtgeheizt. Das soll uns hier nicht passieren“, sagt Graf.

Gesetzliche Vorgaben, Leitlinien des Denkmalschutzes sowie fehlende Fachfirmen haben die Sanierungspläne ins Stocken gebracht. „Es ist schwer, Fachfirmen zu finden, die Erfahrung mit Kirchensanierungen haben und zudem ein Auftragsvolumen von 100  000 Euro für Heizung und Elektrik überhaupt akzeptieren“, meint Graf. Für viele Handwerker seien die Vorgaben der Denkmalspflege außerdem eine Nummer zu groß. Es gibt nur wenige Firmen in Deutschland, die sich mit Kirchenheizungen auskennen. Der engagierte Architekt habe es daher schwer, das Projekt voranzutreiben. Bereits vor zwei Jahren habe eine Ausschreibung stattgefunden, auf die sich nur eine Firma mit Sitz in Aachen gemeldet habe. Graf rechnet damit, dass die Kosten daher inzwischen höher liegen als geplant und die in den Haushalt eingestellten Baurücklagen nicht ausreichen. Fördermittel könne man aber auch nicht beantragen, weil diese zeitlich begrenzt ausgegeben würden und man nicht wisse, wann das Projekt endlich in Angriff genommen werden könnte. Man warte jetzt auf die Genehmigung des Landeskirchenamtes, das jedoch mangels weiterer Bewerber nicht entscheiden darf. Zudem sei bei speziellen Arbeiten eine unabhängige Fachaufsicht vorgeschrieben. Ein Kreislauf, der nur schwer durchbrochen werden kann.

Graf: „ Niemand hat an dieser Situation Schuld.“ Die Vorgaben seien sicherlich notwendig, damit bei der Sanierung keine fatalen Fehler passierten. Doch hier müsse über kurz oder lang eine unkonventionelle Lösung her. Die Konjunktur verlange neue Wege. Graf: „Wir geben die Hoffnung nicht auf, für das Heizungsproblem eine Lösung zu finden.“ Von der Sanierung der veralteten Elektroanlage, für die sich ebenfalls keine Fachfirma finden lasse, will er noch gar nicht sprechen. Da seien die gesetzlichen Vorgaben mit Recht noch höher. „Sonst passiert es uns wie im Jahre 1884, als die Klein Wesenberger Kirche ein Meer der Flammen wurde“, so der Seelsorger.


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