Nordstormarn : Kirche organisiert sich neu

Die Pastoren Nils Wolffson (Zarpen), Gabriela Glombik und Dr. Christina Duncker ( Reinfeld), Isabelle Wolffson (Zarpen) und Pastor Erhard Graf (Klein Wesenberg und Hamberge, v.l.) arbeiten gemeinsam an der Organisation der zukünftigen kirchlichen Arbeit in Nordstormarn.
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Die Pastoren Nils Wolffson (Zarpen), Gabriela Glombik und Dr. Christina Duncker ( Reinfeld), Isabelle Wolffson (Zarpen) und Pastor Erhard Graf (Klein Wesenberg und Hamberge, v.l.) arbeiten gemeinsam an der Organisation der zukünftigen kirchlichen Arbeit in Nordstormarn.

Nordstormarns Pastoren reagieren auf „Prozess Kirchspiel 2030“ und stellen seelsorgerische Arbeit sicher.

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09. Dezember 2018, 14:53 Uhr

Klein Wesenberg | In Nordstormarn macht man sich – wie berichtet – Sorgen um die Pfarrstelle in Klein Wesenberg und Hamberge. Pastor Erhard Graf, der die beiden Kirchengemeinden seit acht Jahren betreut, geht zum 1. Januar 2020 in den Ruhestand. Und seine Stelle wird nicht mehr neu besetzt. Trotzdem entbehrt diese Sorge jeglicher Grundlage. So sehen es die vier Pastoren der Region. Denn um die seelsorgerische Versorgung in den beiden Gemeinden auch weiterhin lückenlos zu gewährleisten, arbeiten sie Hand in Hand und trafen sich jetzt im Klein Wesenberger Gemeindehaus zu einer von zahlreichen Besprechungen.

Wie soll die Zukunft der Kirchengemeinden in Nordstormarn aussehen? Wie kann sie gemeinsam gestaltet werden? Wie organisiert man kirchliches Leben, Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen, Feste, Gottesdienste in der Region? Diese Themen beschäftigen das Pastorenehepaar Isabelle und Nils Wolffson aus Zarpen und die Pastorinnen Dr. Christina Duncker und Gabriela Glombik aus Reinfeld.

„Wir befinden uns jetzt erst an der Startlinie“, sagt Pastorin Duncker. Auftakt für den soeben von der Synode des Kirchenkreises Plön-Segeberg beschlossenen „Prozess Kirchspiel 2030“, durch den die bestehenden Gemeinden in Kirchspiele umgewandelt werden sollen. Es gibt immer weniger Mitglieder und damit auch schwindende Einnahmen und zu wenig Nachwuchs bei den Pastoren. Ein Drittel der Pfarrstellen können langfristig nicht mehr besetzt werden – so auch die von Pastor Graf.

Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden 900 Seelsorger in der Nordkirche in Ruhestand gehen. „Jetzt ist der Mangel deutlich spürbar, dabei hat dieser Prozess schon viel früher begonnen“, so Graf. Vor 30 Jahren habe man den drohenden Mangel nicht im Blick gehabt. Das sei kein kirchliches, sondern ein gesellschaftliches Problem, denn auch Wirtschaft, Handwerk, Bildung und Verwaltung litten unter Fachkräftemangel. Zudem sei der Beruf des Pastors für viele junge Menschen nicht mehr attraktiv, er habe sein hohes Ansehen leider verloren.

Schon immer habe es Veränderungen in der Kirche gegeben. In 25 Jahren werde es wieder ganz andere Fragen geben. „Vor 1945 war die enge Zusammenarbeit der drei Kirchengemeinden Reinfeld, Zarpen, Klein Wesenberg und ihrer damals nur drei Pastoren selbstverständlich“, sagt Graf. Nach dem Krieg stieg die Anzahl der Gemeindemitglieder durch die Flüchtlinge aus dem Osten wieder drastisch an, womit man mit einer neuen Pfarrstelle reagierte. Eine Entwicklung in Wellen. Nichts anderes geschehe jetzt in Nordstormarn, betont der Pastor. Ziel der engen Zusammenarbeit der Pastoren ist es, langfristig das kirchliche Leben aufrechtzuerhalten und mit Leben zu erfüllen. „Kirche muss auf reale Verhältnisse reagieren, nicht auf Wünsche“, betont Graf.



„Wir können uns natürlich nicht duplizieren“, sagt Pastorin Duncker. Aber man werde schon im Laufe des nächsten Jahres, wenn Pastor Graf bereits durch Urlaub ausfalle, seine Aufgaben mit übernehmen. Dann werde es Regional-Gottesdienste geben. Ganz wichtig sei die Zusammenarbeit mit den vier gewählten Kirchengemeinderäten. Sie hätten in Zukunft die „anstrengende, aber auch tolle, produktive und konstruktive Aufgabe“, die kirchliche Zukunft ihrer Region maßgeblich mitzugestalten. „Sie entscheiden, wie die Kirchspiele später aussehen werden und darüber, dass sie lebendig und präsent bleiben“, so Duncker. Nur gemeinsam könne ein Weg gefunden werden, denn die Pastoren hätten nur eine Stimme im Kirchengemeinderat. Pastorin Duncker: „Wir Pastoren sind ansprechbar, die Menschen werden auf keinen Fall allein gelassen. Es wird bei der Kirchspiel-Lösung immer einen Pastor in Klein Wesenberg und Hamberge geben.“

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