Ahrensburg : Kino nur mit Supermarkt

Der heutige Edeka-Markt zwischen Holz-Wulf und Parkhaus.
Foto:
Der heutige Edeka-Markt zwischen Holz-Wulf und Parkhaus.

Neue Standortvariante mit „Grundstückstausch“ zwischen Bahnhofstraße und Reitbahn heute im Ausschuss.

von
14. Juli 2015, 15:19 Uhr

Wird endlich gut, was lange währt? Im Bau- und Planungsausschuss geht es heute – wieder mal – um ein Kino für Ahrensburg. Seit dem Abriss des alten Lichtspielhauses für das CCA steht ein Kino in jeder öffentlichen Wunschliste an erster Stelle. Obwohl sich die Politiker grundsätzlich einig sind, dass Ahrensburg wieder ein Kino haben soll, scheiterten alle Vorschläge bislang an städtebaulichen, verkehrlichen oder sonstigen Bedenken. Und für politische Ideen wie das alte Rohrbogenwerk fanden sich keine Investoren.

Für das Projekt von P  &  B Bau Consulting für ein Kino mit 900 Plätzen in fünf Sälen, Elektronikmarkt, Lebensmittel-Einzelhandel sowie etwa 30 Wohneinheiten und einer zweigeschossigen Tiefgarage an der Alten Reitbahn gab es nicht nur Investoren und einen Kinobetreiber, sondern vor gut einem Jahr auch den Beschluss des Bauausschusses, einen vorhabenbezogenen B-Plan aufzustellen.

Weil sich nichts tat, legte die Hamburger Unternehmensgruppe P  &  O, deren Konzept für gehobenen Wohnbebauung auf der Alten Reitbahn im Ausschuss durchgefallen war, im Mai eine Offerte über zwei Millionen Euro für das 6000 Quadratmeter große Grundstück vor. Im Juni zog P  &  B mit einem Angebot in gleicher Höhe nach.

In der Zeit verhandelte die Stadt aber schon lange mit einem anderen Investor. Der dortige Edeka-Markt Woldmann Bahnhofstraße ist für heutige Ansprüche zu klein und sanierungsbedürftig. Weil das Gebäude in absehbarer Zeit sowieso abgerissen werden müsste, legte der Eigentümer der Immobilie die Idee im Rathaus vor, das 4400 Quadratmeter große Grundstück in Bahnhofsnähe für ein Kino zu nutzen. Der Edeka-Markt sowie weitere Geschäfte und Wohnungen sowie 150 Stellplätze könnten auf der Alten Reitbahn gebaut werden.

In der Verwaltung stieß er damit auf offene Ohren. Als Kinobetreiber wäre wiederum die Hamburger K-Motion GmbH & Co. KG, mit im Boot. Die Zahl der Plätze wäre mit über 900 ähnlich wie bei der Reitbahn. In der Sitzungsvorlage empfiehlt Bürgermeister Michael Sarach, die Planung für ein Kino in der Bahnhofstraße und ein Wohn- und Geschäftshaus der Alten Reitbahn weiter zu verfolgen.

Eine Vorfestlegung, die Susanne Philipp, Geschäftsführerin von P  &  B Bau Consulting und als CDU-Stadtverordnete langjährige stellvertretende Bürgermeisterin von Ahrensburg, absolut nicht gefällt. Sie war schon skeptisch geworden, weil sich nach dem Ausschuss-Beschluss nichts mehr tat und misstrauisch wurde sie, als ihre wichtigsten Mieter für das Projekt – Edeka und K-Motion – plötzlich nicht mehr an konkreten Zusagen interessiert schienen. Mit Rewe, Expert und Moviestar hat P  &  B neue Mietinteressenten gefunden. Susanne Philipp will den Ausschuss heute bitten, eine fachliche Stellungnahme zum Tagesordnungspunkt abgeben zu dürfen.

Einen endgültigen Beschluss dürfte es heute allerdings noch nicht geben. Carola Behr (CDU) verweist auf den geltenden Beschluss für die Alte Reitbahn. Sie hält den Standort wegen der Innenstadtnähe auch weiter als am besten geeignet für eine Mischnutzung. Der Vorschlag mit einem Kino am Bahnhof sei „eine weitere Variante, für die uns die Verwaltung heute ja erstmals Details vorlegen wird.“ Ohne Öffentlichkeit war das bereits im April kurz im Ausschuss vorgestellt worden.

Bei den Grünen sieht man die neue Variante „grundsätzlich positiv“, so Jörg Hansen: „Es scheint etwas mehr Hand und Fuß zu haben, es muss aber noch einiges geprüft und geklärt werden“, so Hansen, der die Idee charmant findet, die Parkplätze für das Kino nicht nur ebenerdig, sondern auch durch eine Aufstockung des benachbarten Parkhauses Alter Lokschuppen zu schaffen.

„Wir haben nichts gegen ein Kino am Bahnhof“, sagt Ausschuss- und SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Möller, „wir sind aber nicht dabei, wenn dafür das städtische Grundstück Alte Reitbahn geopfert werden soll.“ Während SPD-Bürgermeister Michael Sarach die „Entwicklung eines attraktiven Standorts mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten“ ermöglichen möchte, halten die Sozialdemokraten an ihrem Grundsatzbeschluss fest, dort nur Wohnbebaung zuzulassen. Möller: „Wir wollen keine künstliche Ausdehnung der Innenstadt und sehen auch verkehrliche Probleme.“ Bei den Grünen sieht man das nicht so eng, und für die CDU ist das Reitbahn geradezu prädestiniert für eine Mischnutzung – mit oder ohne Kino. Damit ist klar, dass es auf keinen Falle eine einstimmige Empfehlung geben wird. Carola Behr: „Wir sollten für alle Vorschläge offen sein und alles genau prüfen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen