Kurzer Prozess : Kinderporno: Bewährung für Ahrensburger

Justitia hat entschieden: Der Angeklagte wurde nach nur einer Stunde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Justitia hat entschieden: Der Angeklagte wurde nach nur einer Stunde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ein 33-Jähriger hat eine Film mit kinderpornografischem Inhalt ins Netz gestellt. Spezialermittler kamen ihm auf die Schliche. Anhand seiner IP-Adresse konnten sie seine Wohnaddresse ermitteln

shz.de von
29. März 2017, 06:00 Uhr

Mit einem blauen Auge ist ein 33-jähriger aus Ahrensburg davongekommen. Vor dem dortigen Amtsgericht musste er sich gestern wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie verantworten. Dafür erhielt er eine Strafe von drei Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Zwar erschien der Diplomingenieur nicht selbst vor dem Richter, dafür kam aber sein Anwalt. Der bat darum, die lange Verfahrenszeit zugunsten seines Mandanten zu berücksichtigen. Statt der sechs Monate Haft, wie von der Staatsanwältin beantragt, plädierte er auf drei Monate: Damit erscheint die Strafe nicht im einfachen Führungszeugnis. Damit war die Staatsanwältin schließlich einverstanden: „Mir kommt es vor allem auf die Weisung des Gerichts an.“

Und die Weisung wurde auch verhängt. Der Angeklagte hatte früher als Betreuer von Kinder- und Jugendgruppen gearbeitet. Das wird ihm jetzt untersagt. „Er arbeitet ohnehin nicht mehr in diesem Bereich“, so sein Anwalt. Auf die Schliche kam ihm die Polizei durch eine spezielle Ermittlungsgruppe aus Baden-Württemberg. Die hatte mit einer operativen Software die IP-Adresse des Angeklagten herausgefunden und damit seine Adresse. Auf einer externen Festplatte hatte er ein 48 Minuten langes Video ins Netz gestellt, auf dem ein Kleinkind in den After penetriert wird. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei im Dezember 2013 das Video auf der verschlüsselten Festplatte. Weiteres kinderpornografisches Material tauchte dabei aber nicht auf.

Gleichwohl wurden diverse Geräte zur Auswertung beschlagnahmt. Die wurde erschwert, weil sich der Angeklagte weigerte, sein Passwort bekannt zu geben. Doch die Ermittler knackten die Verschlüsselung. Ein PC, Laptop, Netbook, zwei Thinkpads, CDs und eine weitere Festplatte sind bis heute in der Obhut der Staatsanwaltschaft. Bis auf die Festplatte mit dem Kinderporno erhält der Angeklagte jetzt alles andere zurück. „Er hatte deshalb schon erheblichen Ärger wegen seiner Steuererklärung“, so sein Anwalt weiter.

Weil der 33 Jahre alte Angeklagte die Tat eingeräumt hatte, konnte das Gericht auf die teure Vernehmung einer Kommissarin aus Stuttgart verzichten. Das Urteil fiel so bereits nach einer Stunde. Der Angeklagte muss die Kosten des Verfahrens tragen und eine Geldbuße von 600 Euro an den Kinderschutzbund Stormarn bezahlen. Und er darf keine Jugendgruppen mehr betreuen.



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