Gräber verwüstet : Kinder randalieren auf Friedhof

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06. Januar 2011, 07:24 Uhr

Krempe | Zwei Zipfelmützen ragen aus dem Schnee auf dem Grab. Neben den kleinen Tonfiguren legt Gese Timm aus Siethwende Blumen vor dem Holzkreuz nieder, zündet eine Kerze an. Auf dem Friedhof können Hinterbliebene Abschied nehmen, Erinnerungen aufleben lassen, mit Liebe und Fürsorge die letzte Ruhestätte pflegen. Ein Ort der Emotionen - auf denen am Nikolaustag im wahrsten Sinne herumgetrampelt wurde. Zwei Kinder verwüsteten rund 20 Gräber auf dem Friedhof. "Der materielle Schaden ist nicht schlimm, aber der seelische", sagt eine der Betroffenen, Gese Timm. Die Schäden sind beseitigt, nur ein zerbrochener Engel auf dem Grab ihrer Tochter erinnert an die Zerstörungswut der Täter. Aber der Schock sitzt auch einen Monat nach dem Vandalismus tief bei allen Betroffenen. "Sich vorzustellen, dass jemand auf dem Grab herumgetramelt, ist unerträglich", erklärt auch Sigrid Piening aus Krempermoor.

Am Nikolaustag fiel wegen des Schneechaos die Schule aus. Die freie Zeit vertrieben sich ein elf- und ein zwölfjähriger Schüler mit einer Verwüstungstour über den Kremper Friedhof: Kaputte Gestecke, demolierte Vasen und Figuren, große Löcher und aufgewühlter Boden waren das Ergebnis. Ein Polizist in zivil erwischte die Beiden auf frischer Tat. Hinter der Kapelle stellte er die Täter zur Rede. Strafrechtliche Konsequenzen hat ihre Verwüstungstour nicht, weil sie noch minderjährig sind. Der Gesamtschaden beläuft sich laut Polizei auf rund 500 Euro.

"Die müssen mit unglaublicher Gewalt vorgegangen sein", vermutet eine weitere Betroffene, Monika Maeding aus Glückstadt. Selbst Metalkreuze und große Figuren seien zu Bruch gegangen. "Das schafft man nicht durch einen einfachen Tritt." Für sie ist es nicht die erste Erfahrung mit Vandalismus auf Friedhöfen. Auch in Glückstadt sei das schon vorgekommen. Die Täter: ebenfalls Schüler. Deshalb fordert sie, das Thema im Religionsunterricht aufzugreifen, um Schüler zu sensibilisieren. "Das hat funktioniert, vielleicht lässt sich das ja auch in Krempe umsetzen."

Auch kurz vor dem Jahreswechsel war der Kremper Friedhof wieder Ziel von Vandalisten. Die Tür der Kapelle wurde beschmiert und Knallkörper hinter der Beleuchtung gezündet.

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