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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 10:56 Uhr

Kinder leben in Armut

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kinderschutzbund in Stormarn sieht deutliche Zunahme, das Jobcenter beurteilt die Lage weniger kritisch

von
erstellt am 27.Mai.2014 | 17:02 Uhr

„Als Besorgnis erregend“ bezeichnet Ingo Loeding, Geschäftsführer des Kinderschutzbunds in Stormarn (DKSB), die Entwicklung der Kinderarmut in den an Hamburg grenzenden Teilen des Kreises. In Ahrensburg, Barsbüttel Glinde sowie insbesondere Reinbek und Großhansdorf lebten jetzt deutlich mehr Kinder von Hartz IV als vor einem Jahr.

Die Werte, die aus dem Dezember stammten, seien nur Stichtagszahlen, hält Doris Ziethen-Rennholz, Leiterin des Jobcenters (Arge) Stormarn entgegen: „Wir hatten viele Singles im Bezug, jetzt haben wir viel Familien – das ändert sich immer wieder.“ Trotz sprudelnder Steuereinnahmen und niedrigen Arbeitslosenzahlen gebe es „immer mehr arme Kinder, obwohl immer weniger Kinder geboren werden“, sagt Loeding und schlussfolgert: „Der Anteil der Bevölkerung, der arm geboren wird, steigt.“ Das kann die Arge-Chefin nicht bestätigen: „Es trifft nicht zu, dass Leistungsbezieher vermehrt Kinder bekommen.“ Für Loeding sind zudem mehr als die fast 3300 Kinder arm, die in Bedarfsgemeinschaften leben. Rechne man die Familien hinzu, wo die Eltern so wenig verdienten , dass sie Kinderzuschlag oder Wohngeld beantragen müssten, seien in Stormarn 6500 Kindern „von dauerhafter Armut betroffen“.

Auch das kann man anders sehen: Erst mit Hartz IV kam der Anspruch auf ein Mindesteinkommen, Kinderzuschlag und andere Sozialleistungen gab es früher nicht: Sie wurden eingeführt, um zu verhindern, dass Familien in Hartz IV fallen. 2004 startete die Arge, die heute Jobcenter heißt. „Bis 2008 stiegen die Zahlen, weil es erstmal bekannt werden musste. Seitdem liegen wir eigentlich im gleichen Bereich“ sagt Ziethen-Rennholz. Wobei die Zahlen, nicht aber die Menschen gleich sind. Gut 10 000 Personen leben in Bedarfsgemeinschaften, 3419 meldeten sich im vergangenen Jahr neu, 3587 meldeten sich ab.

Beim Kinderschutzbund, der einen Familienhilfe-Notfonds hat, würden sich aber Familien in arger Finanznot melden und um Hilfe bitten, „um ihren Kindern Kleidung, Schulmaterial oder eine Geburtstagsfeier zu ermöglichen oder Familien, deren Waschmaschine kaputt ist“, so Ingo Loeding. „Das sind alles Leistungen, die eigentlich durch die staatlichen Sicherung unmittelbar gedeckt sein müssten“, sagt der DKSB-Geschäftsführer.

Doris Ziethen-Rennholz: „Herr Loeding sollte wissen, dass es einmalige Bedarfe gibt, die wir durchaus anerkennen. Aber jeder andere, der wenig Geld hat, muss auch gucken, dass er eine möglichst günstige Waschmaschine findet.“ Kritik übt der Kinderschutzbund am „unwürdigen, so genannten Bildungs- und Teilhabepaket“, das den individuellen Lebenssituationen der meisten Kinder und Familien nicht gerecht werde. Ziethen-Rennholz: „Ich habe gerade mit einem Sportverein gesprochen, in dem 130 Kinder sind, für die wir die Beiträge übernehmen. Das ist doch eine tolle Sache.“

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