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Stormarner Tageblatt

22. August 2017 | 13:21 Uhr

Kind und Karriere unter einem Hut

vom

Vier Bundestagskandidaten diskutieren mit Bürgern und Soroptimisten über Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Kreis Steinburg | Brötchen-Verdienerin oder Vollzeit-Mama? Irgendwann steht fast jede Frau vor dieser Entscheidung. Inzwischen wagen jedoch auch immer mehr von ihnen den Spagat zwischen Familie und Beruf - trotz vieler Risiken. Über dieses Thema diskutierten die vier Bundestagskandidaten Mark Helfrich (CDU), Dr. Karin Thissen (SPD), Eka von Kalben (Bündnis 90/Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) zusammen mit den Soroptimisten Steinburg im Itzehoer Hotel Adler.

Der Service-Club berufstätiger Frauen hatte zu der Diskussionsrunde eingeladen, um mit Politikern und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Im Fokus standen dabei die Chancen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die wirtschaftliche Entwicklung der Region haben könnte. Denn der Kreis Steinburg sei laut der Vorsitzenden Petra Brommer von der Problematik besonders betroffen. Demnach würde nicht einmal jede zweite Frau sozialversicherungspflichtig arbeiten, etwa jede fünfte gehe einem Mini-Job nach. "Damit ist Steinburg eine unterprivilegierte Region für Familien", so Brommer.

Doch woran liegt das? Fehlende Kinderbetreuung, demografischer Wandel, Fachkräftemangel? In einem waren sich alle Politiker einig: An einem Problem allein lässt sich das Dilemma nicht festmachen. In Sachen Lösungsansatz gingen die Meinungen jedoch auseinander. Wenn es nach Dr. Karin Thissen ginge, wäre die Einführung einer 30-Stunden-Woche denkbar. Beide Elternteile würden sich dabei die Betreuung des Nachwuchses teilen, ebenso wie die Arbeitszeit mit je 30 Stunden pro Woche. Damit das funktioniere, müsse sich jedoch auch das Stereotyp in der Kindererziehung ändern. "Das muss auch in den Köpfen stattfinden, das kann die Politik nicht alleine schaffen."

Ähnlich empfand das auch Eka von Kalben, die im Zusammenspiel von Betreuung und Schulwesen ein Defizit sah. "Unser Lebensalltag ist nicht auf gleichberechtigtes Arbeiten ausgerichtet. Das Thema Teilzeit muss deshalb flexibler gemacht werden", forderte die Grünen-Politikerin. Fehlende Kita-Plätze seien in ihren Augen ein großes Problem. Zwar seien dafür in den letzten Jahren etliche Mittel bereitgestellt worden, doch die dadurch entstandenen Arbeitsplätze in den Kitas könnten nicht nachbesetzt werden. Fehle jedoch das Betreuungsangebot, zögen Frauen auch nicht in die Region. "Ein Teufelskreis."

Fachkräftemangel bei gleichzeitigem Bedürfnis nach mehr Zeit für Kinderbetreuung - Mark Helfrich sah darin einen klaren Zielkonflikt. Lösen ließe sich das Problem nur durch die Verbesserung der Infrastruktur, um die Region wirtschaftliche zu stärken und attraktiver zu machen. Dazu gehöre nicht nur der Ausbau der A20. "Wir müssen die Potenziale, die wir haben, stärker nutzen. Ich habe gute Hoffnungen, dass wir durch die Energiewende zur Gewinner-Region werden."

Verbesserung der Infrastruktur, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, sah auch Wolfgang Kubicki als den richtigen Weg an. "Wir müssen Menschen durch Infrastruktur und Arbeitsplätze dazu bringen, sich hier anzusiedeln." Ein Faktor sei neben Elbquerung auch die Ausrichtung auf die Metropolregion Hamburg. Wie das funktionieren könne, zeige sich am Beispiel der Stadt Neumünster, die so gut wie tot gewesen sei und durch die Orientierung nach Hamburg jetzt "eine wirtschaftliche Renaissance" erlebe. Eine 30-Stunden-Woche hielt er allerdings für nicht umsetzbar. Garantiere der Arbeitgeber nach der Teilzeit eine Rückkehrmöglichkeit, habe der Arbeitgeber hat in dieser Zeit Schwierigkeiten, die fehlende Arbeitskraft zu ersetzen, so seine Begründung. "Alles, was wir uns vorstellen, muss auch praktikabel sein."

Ob umsetzbar oder nicht - am Ende der Diskussion gab Soroptimistin Petra Brommer den Gästen noch etwas mit auf den Weg: "Die Utopien von gestern sind die Realität von morgen."

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erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

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