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Stormarner Tageblatt

19. August 2017 | 05:36 Uhr

Bad Oldesloe : Keine Parallelstrukturen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der erster Runder Tisch in Oldesloe will Angebote und Nachfragen in der Flüchtlingshilfe koordinieren.

Hilfsangebote für Flüchtlinge – da läuft es noch nicht rund in Bad Oldesloe. Diakonie und Q8 hatten deshalb zum ersten Runden Tisch eingeladen, und der Saal im Bürgerhaus war mit 50 Leuten gut gefüllt. „Das System legt sich selber lahm, wenn hundert Mal die gleiche Frage beantwortet werden muss“, schildert Maria Herrmann (Q8) das Problem und Kirstin Schwarz-Klatt (Diakonie) machte es konkret: „Es kommen immer mehr Menschen zu uns, die Kleidung spenden wollen. Dafür haben wir als Beratungsstelle überhaupt keine Möglichkeiten.“ Schlimmer noch, wenn Kolleginnen die Frage der Kleiderspende beantworten, ist die Telefonleitung blockiert und es geht Arbeitszeit verloren. „Wir müssen unsere Kernaufgabe – die Erstberatung von Flüchtlingen – machen“, bedauert Schwarz-Klatt.

„Wie kriegen wir die Flüchtlinge zu den Angeboten? Was haben wir schon alles? Wo fehlt etwas?“, formulierte Maria Herrmann die zentralen Fragen des Abends. Angebot und Nachfrage sollen zukünftig über eine Liste oder Datenbank schnell abrufbar sein. Vereine und Organisationen konnten dazu im Vorwege mit ihrer Anmeldung bereits Angaben machen. Das war natürlich längst nicht alles. Immer mehr Kärtchen wurden an die Wände gepinnt: Sprachpaten werden gesucht, Fußballtrainer, Räume und vieles mehr. Kirstin Schwarz-Klatt ist zuversichtlich: „Bad Oldesloe muss sich nicht verstecken. Es gibt viele tolle Angebote.“ Daraus folgte auch eine klare Warnung von Maria Herrmann: „Wir dürfen keine Parallelstrukturen aufbauen.“ Also keine Kleiderspenden nur für Flüchtlinge. Mit Kleiderkiste und Brawo-Kaufhaus gebe es bereits etablierte eingespielte Einrichtungen auf diesem Gebiet. Mit anderen Angeboten sei es ähnlich. Ulrike Tyrell erläuterte für die Tafel beispielsweise, dass der Verein inzwischen an sieben Tagen in der Woche Lebensmittel „für Menschen in Not“ verteile.

Und wie kommen Angebot und Nachfrage nun zusammen? „Eine 1:1-Vermittlung können weder Q8 noch die Diakonie leisten“, stellte Maria Herrmann klar. Die Stelle für einen hauptamtlichen Koordinator bei der Stadtverwaltung sei zwar von der Politik bewilligt, könne aber voraussichtlich nicht vor März kommenden Jahres besetzt werden. So lange, da waren sich alle einig, darf nicht gewartet werden.

Eine Alternative sehen die Organisatorinnen des Runden Tischs in so genannten „Hotspots“ – Treffpunkte, die möglichst flächendeckend überall in der Stadt eingerichtet werden müssten. Der „Kaktus“ von Karin Hoffmann in der Hagenstraße sei eine erste solche Anlaufstelle, die SchanZe mit ihrem „Kiek mol in“ dienstags eine weitere. Maria Herrmann berichtet von ihren Erfahrungen: „Man konnte erst nicht miteinander reden, aber zusammen Schach spielen.“ Daraus ergeben sich dann Anknüpfungspunkte, Vorurteile würden „en passant abgebaut“. „Von Ihnen als Initiativen wird abverlangt, mal zu solchen Treffs zu gehen“, machte Herrmann klar. So könnten beispielsweise Sportverein und sportliches Kind oder zukünftiger Trainer am einfachsten zueinander finden. Selbstverständlich müssten in den Hotspots auch aktuelle Versionen der Liste ausliegen.

Ilse Siebel von der Kleiderkiste machte deutlich: „Es ist ganz wichtig, dass wir voneinander wissen.“ Thomas Sobczak, Fachbereichsleiter im Rathaus, war am Ende der Runde zufrieden: „Flächendeckende Hotspots – das ist eine greifbare Idee für mich.“

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 01.Okt.2015 | 06:00 Uhr

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