Bad Oldesloe : „Keine Fehler gemacht“

Jörg Lembke lobte die hauptamtliche Flüchtlingsarbeit der Verwaltung.
Jörg Lembke lobte die hauptamtliche Flüchtlingsarbeit der Verwaltung.

Vorwürfe nach der tödlichen Attacke auf einen Flüchtling – Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke wehrt sich.

shz.de von
01. März 2017, 06:00 Uhr

Nach der Tötung eines irakischen Flüchtlings in Bad Oldesloe durch einen jungen Afghanen vor einer Oldesloer Obdachlosenunterkunft sah sich die Stadtverwaltung Bad Oldesloe öffentlich Vorwürfen ausgesetzt. Tenor: Warum leben Flüchtlinge überhaupt in einer Obdachlosenunterkunft, und warum müssen zwei Menschen, die aus den entsprechenden Wohneinrichtungen der Stadt wegen angeblichen Fehlverhaltens herausgeworfen worden waren, zwangsweise unter einem Dach wohnen? Im Raum stand unter anderem der Vorwurf, dass es kein Konzept und keine professionelle Koordination der Flüchtlingshilfe gebe und sich offenbar um die Probleme dieser beiden Flüchtlinge nicht ausreichend gekümmert wurde.

In der Stadtverordnetenversammlung holte Bürgermeister Jörg Lembke nun zum verbalen Gegenschlag aus und wies jegliche Schuld von sich und seinen Mitarbeitern. Es sei viel mehr „die Presse“, die Fehler gemacht habe. „Wir haben eine gute Flüchtlingshilfekoordination die sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich durchgeführt wird. Von Seiten der Verwaltung sind keine Fehler gemacht worden“, so Lembke.

Es sei in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt worden, dass man schon nach kleinsten Verstößen Geflüchtete aus den Einrichtungen verweise. Das sei mitnichten so. „Nur wenn permanente Regelverstöße vorliegen, Straftaten begangen wurden oder die anderen Bewohner gefährdet sind, wird zu dieser Maßnahme gegriffen“, behauptete Lembke.

Von Verwaltungsseite sei man keinesfalls leichtfertig mit der Situation umgegangen. Die Tat sei selbstverständlich nicht vorhersehbar gewesen. Die Stadt könne sich aber nicht aus ihrer Unterbringungspflicht herausziehen. Lembke betonte, dass er aus seiner Sicht ungerechtfertigte Kritik an einzelnen Teilen der Verwaltung oder Verwaltungsmitarbeitern nicht zulassen werde. „Ich erwarte eine professionellere Recherche der Medien“, betonte er. Auf Nachfrage des Stormarner Tageblatts blieb der Bürgermeister gestern allerdings Fakten schuldig. Eine konkrete Auflistung, wann sich die beiden Flüchtlinge welcher „Regelverstöße“ schuldig gemacht haben sollen, konnte oder wollte die Verwaltung nicht vorlegen.

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