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Bargfeld-Stegen : Keine Angst vor häuslicher Pflege

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus bietet Angehörigen kostenloses-Training und nimmt damit wichtige Schlüsselstellung ein.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Als erste Klinik im Kreis Stormarn beteiligt sich das Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus (HSK) am landesweiten Modellprogramm „Familiale Pflege“ der Uni Bielefeld und AOK Nordwest. „Wir erleben häufig überforderte Angehörige, die sich alleingelassen fühlen, sich aber gerne um ihren erkrankten Partner zu Hause kümmern möchten“, erklärt Bärbel Dabelstein, Stationsleiterin der Gerontopsychiatrie. „Familiale Pflege“ macht dies jetzt für Betroffene möglich. Durch speziell ausgebildete Pflegekräfte des HSK werden Angehörige geschult – es geht um den Umgang mit Krankheiten wie Demenz oder Depressionen.

Die Angehörigen lernen, ihren eigenen Rücken zu schonen, die richtige Lagerung des Patienten, spezielle Pflegetechniken und praktische Hilfestellungen beim An- und Ausziehen, beim Essen und Trinken. Kontakte zu Hilfsangeboten in der näheren Umgebung werden hergestellt, Kurse angeboten.

„Wir wollen den erreichten Behandlungserfolg sichern und die Stabilität des Patienten im häuslichen Umfeld unterstützen“, so Dabelstein.

Bei regelmäßigen Teamsitzungen mit Ärzten, Psychologen, Pflege und Sozialdient wird besprochen, welcher Patient für die „Familiale Pflege“ geeignet ist und welche Behandlungsmethoden nach dem Stationsaufenthalt möglich sind. „Wer sich zu Hause der Pflege eines Angehörigen gegenüber sieht, braucht nicht mehr zu verzweifeln. Wir wollen mit praktischen Hilfen den Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege erleichtern“, ergänzt AOK-Regionaldirektor Alf Jark.

Das geschieht in drei Schritten: Auf der Station mit Übungen, nachstationär zu Hause und in Spezialkursen. Auch der leitende Oberarzt Dr. Tibor Simonsen sieht die „Familiale Pflege“ als eine Bereicherung: „ Wir beraten die Angehörigen, wie man mit Verhaltensauffälligkeiten umgeht und nehmen ihnen auch durch den nahtlosen Übergang die Furcht und Hilflosigkeit.“ Diese „Laienhilfe“ zu Hause sei wichtig, damit nicht „alle Patienten ins Heim“ müssten.

Seit Juli bietet das HSK dieses kostenlose Pflegetraining an und nimmt damit eine wichtige Schlüsselstellung ein. Zehn Familien sind bereits ins Programm aufgenommen worden – mit großem Erfolg. HSK-Geschäftsführer Thomas Liehr sieht darin einen wichtigen Schritt, um Angehörige zu guter Pflege zu befähigen und den „Drehtüreffekt“ von Wiederaufnahmen bereits versorgter Patienten zu vermeiden. Alf Jark erhofft sich zudem, dass häusliche Pflege durch Familie gestärkt wird. Gerade in Schleswig-Holstein liege deren Anteil bei nur knapp 40 Prozent, womit das nördlichste Bundesland Schlusslicht ist. Nicht selten wird der Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Versorgung als Krise erlebt.

Die Durchführung der Pflege ist oft mit Unsicherheiten behaftet, die Pflegetechniken noch nicht erlernt. Die Erkrankung des Angehörigen werde, so Carina Lagedroste von der Uni Bielefeld, oft unterschätzt: „Ein Krankenhausaufenthalt dauert in vielen Fällen heute nur noch ein paar Tage, da ist schnelle Hilfe erforderlich.“ Bis zu sechs Wochen nach dem Klinikaufenthalt betreuen die Trainerinnen die Familie.

Die speziell geschulten Altenpflegerinnen Susanne Schulze und Rozanna Taylor haben nur positive Erfahrung mit dem Projekt gemacht. „Wir möchten Angehörige zu Experten machen“, sagt Rozanna Taylor. Sicherheit sei bei der häuslichen Pflege besonders wichtig. Auch Angehörige wollten gehört werden, zeigten sich ausgesprochen erleichtert und dankbar für die Unterstützung.

90  000 Pflegebedürftige (Stufen 0 bis 3) gibt es in Schleswig-Holstein – davon sind 60 Prozent in der häuslichen Pflege. Durch das Projekt können 50  000 Angehörige erreicht werden. 2014 nahmen 8000 Angehörige landesweit die „Familiale Pflege“ in Anspruch. 46 Einrichtungen beteiligten sich am Projekt. Die Kosten trägt die AOK im Rahmen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Profitieren können alle pflegenden Angehörigen – egal, ob gesetzlich oder privat versichert.






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