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Problemfall Bahnhof : Kein Platz für Behinderte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Auf dem Oldesloer Bahnhof lassen Erleichterungen für Blinde und Rollstuhlfahrer auf sich warten. Dabei waren eigentlich zugesagt worden, dass sie bis Ende 2011 fertig sein sollen.

„Für Behinderte ist es völlig abwegig, allein in den Oldesloer Bahnhof zu gehen“, kritisiert Peter Bock. Der Tangstedter ist Stormarns erster Behindertenbeauftragter und seit seinem Amtsantritt im Juni 2012 mit den Bahnhof befasst. „Marion Janssen, die damalige Vorsitzenden des Oldesloer Behindertenbeirats, hatte die schriftliche Zusage von der Bahn, dass bis Ende 2011 Leitsysteme für Blinde eingebaut werden. Geschehen ist bis heute nichts“, sagt Bock.

Das Fass zum Überlaufen brachte der Fahrstuhl zu den Gleisen sechs und sieben. Er war mehr als sechs Wochen ausgefallen. Rollstuhlfahrer hatten praktisch keine Chance, zu den Zügen nach Hamburg und Lübeck zu kommen. Und falls sie es doch auf den Bahnsteig schaffen, droht weitere Unbill. Weil die denkmalgeschützte Dachkonstruktion baufällig ist, wurden vor Jahren Stützen montiert. Die stehen teilweise in Holzplatten, deren zwei bis drei Zentimeter hohe Kante ein nur schwierig überwindbares Hindernis darstellt. Und an den Treppenaufgängen engen die Stützen den Platz so ein, dass ein Rollstuhl kaum durchkommt.

Und es eigentlich auch nicht darf. „Verengter Bahnhofsbereich. Durchfahrt für Rollstuhlfahrer nicht geeignet“, stand auf mehreren gelben Schildern mit durchgestrichenem Rollstuhl. Die Schilder hängen noch, der letzte Satz wurde aber überklebt, nachdem Peter Bock sich beschwert hatte. An der Situation hat sich damit nichts geändert. Rollstuhlfahrer kommen mit dem Fahrstuhl zwischen den Treppen in Bahnsteigmitte an. Rechts und links befinden sich die verengten Bereiche. Die Rollstuhlfahrer müssen aber immer nach vorne, in den zweiten Waggon.

Dass „weder die Stellflächen noch die Sitzplätze für Rollstuhlfahrer ausreichend“ sind, ärgert Peter Bock zwar, spielt aber nur eine untergeordnete Rolle. Ihm war gesagt worden, dass die Reparatur des Fahrstuhls so lange dauere, weil ein Ersatzteil aus Spanien beschafft werden müsse. Ein so lange Ausfallzeit findet auch Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis nicht normal, aber aufgrund eines Vandalismusschaden an Tür und Innenleben hätte ein umfangreiche Instandsetzung vorgelegen. Am Donnerstag war eine beschädigte seitliche Glasscheibe getauscht worden.

Im April vergangenen Jahres hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann mitgeteilt, dass man knapp 400 000 Euro aus dem Infrastrukturbeschleunigungsprogramm (IBP) für den Austausch der störanfälligen Fahrstühle bewilligt habe. Das reicht allerdings nicht, und weil die Fahrstühle noch nicht so alt sind, darf aus dem IBP nur ein Teil der Kosten finanziert werden. Dem Eisenbahnbundesamt reichte das nicht. „Wir haben intensiv geprüft, wie dennoch eine sinnvolle und wirtschaftlich vertretbare Lösung gefunden werden kann“, sagt Meyer Lovis: Nun soll es eine „grundhafte Instandsetzung“ der Fahrstühle geben.

Ein Datum nennt er nicht, auch nicht für ein Leitsysteme für Behinderte. „Es fehlt schon am Eingang eine Relieftafel, an der Sehbehinderte erkennen können, wo das Ticketcenter ist, wo die Toiletten und die Bahnsteige sind“, klagt Peter Bock. Dann müssten Leitstreifen auf dem Boden zur der Treppe führen. Dort sind nur die oberste, die mittlere und die unterste Stufe gekennzeichnet, „es müsste aber jede Stufe sein, und zwar nicht mit Farbe, die sich ablöst, sondern eingefräst und ausgegossen“, so Peter Bock. Auch die Handläufe könnten längst mit Brailleschrift versehen sein, so dass Blinde erkennen, an welchem Bahnsteig sie sind.

Optimal ist das alles am Lübecker Bahnhof gelöst. Der ist allerdings ein Neubau, bei dem die Barrierefreiheit vorgeschrieben ist. Bei Bestandsgebäuden ist man auf das Entgegenkommen der Bahn angewiesen. Insofern freut sich Bock über die grundsätzliche Zusage einer Sanierung. Dass es so lange dauert und dass ein Fahrstuhl mehrere Wochen ausfallen kann, zeige aber auch, „dass die Bedürfnisse von Behinderten nicht mitgedacht werden.“

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erstellt am 26.Okt.2013 | 09:00 Uhr

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