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Stormarner Tageblatt

13. Dezember 2017 | 18:05 Uhr

Kein Heimweh am anderen Ende der Welt

vom

Skaten und Campen bei Brisbane am Pazifischen Ozean / Zwei Jobs gleichzeitig als Fensterputzer und Packer / Pläne für die Weiterreise nach Nordaustralien

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Brisbane | Nach einigen bewegten Monaten - Ankunft in Sydney, Flug nach Perth, wochenlanger Arbeit auf den Obstplantagen Westaustraliens, Roadtrip mit Totalschaden am Jeep an der Westküste entlang, einem Zwischenstopp in Thailand und der Ankunft an der Ostküste - hat es mich seit einigen Wochen in einen idyllischen Vorort von Brisbane verschlagen. Meine drei Freunde sind inzwischen wieder glücklich zu Hause in Reinfeld und Bad Oldesloe angekommen. Und ich versuche, am anderen Ende der Welt allein zurechtzukommen, was mir gut gelingt.

Ich habe gehört, dass meine drei Freunde mich zu Hause vermissen. Ich vermisse sie auch, aber es gefällt mir auch so gut in Australien, dass ich noch eine ganze Weile down under bleiben möchte. Denn inzwischen kann ich mich richtig gut auf Englisch verständigen und habe den einen oder anderen australischen Freund gefunden. Das ist hier nicht so schwierig, denn die Menschen sind offen und herzlich. Man kommt leicht mit ihnen ins Gespräch. Und sie sind sehr hilfsbereit und interessiert an allem.

In ein paar Tagen kommt mein Freund Franz aus Reinfeld für einige Wochen zu Besuch. Abwechslung habe ich also genug. Noch immer wohne ich in einer Art Villa, dessen Besitzerin Fremdenzimmer vermietet - ein so genanntes "Share House". Mit meinen neuen australischen Freunden habe ich bereits die Gegend erkundet. Das ist lange nicht mehr so schweißtreibend, wie noch vor einigen Monaten, denn inzwischen hat der Winter in Ostaustralien Einzug gehalten. Wir haben angenehme 20 Grad - Zeit zum Durchatmen.

Im Internet habe ich gesehen, dass es in Norddeutschland gerade um einiges heißer ist als am Pazifischen Ozean. Brisbane mit seinen rund zwei Millionen Einwohnern habe ich bereits zur Genüge erkundet - eine Millionenstadt mit vielen schönen Parks, vielen gemütlichen Einfamilienhäusern, aber auch einer Menge beeindruckender Wolkenkratzer. Brisbane ist die Hauptstadt des Bundesstaates Queensland und liegt am Brisbane River. Das höchste Gebäude der Stadt ist der Aurora Tower mit einer Höhe von 207 Metern, auf den ich mit meinen Freunden gestiegen bin.

In meinem Vorort gibt es die eine oder andere sensationelle Skateranlage mit allem, was das Skaterherz sich nur wünschen kann. Skaten ist "in" in Australien. Deshalb habe ich mir auch gleich ein Board zugelegt. Doch viel Zeit zum Skaten oder Baden bleibt mir nicht, denn ich arbeite viel und spare für meine weitere Reise nach Nordaus tralien. Morgens muss ich um 5 Uhr aufstehen, fahre mit dem Fahrrad zu einer Firma, bei der ich schon seit Wochen angestellt bin. Dort verpacke ich stundenlang Bremsscheiben und verdiene im Vergleich zur Obsternte in Westaustralien relativ wenig. Deshalb hatte ich auch gehofft, doch noch einen lukrativeren Job bei der Erdbeerernte zu ergattern, was mir leider nicht gelungen ist. Statt dessen vermittelte mir ein befreundeter Australier eine Arbeit als Fensterputzer und Gebäudereiniger in der Firma, in der er arbeitet.

Zur Zeit bin ich dabei, die Fenster von Bürogebäuden von alten Folien zu befreien und mit neuen zu bekleben. Eine gute Winterarbeit, damit die Angestellten im Frühling und Sommer durch die Hitze und Licht absorbierenden Klebefolien gut gegen die große sommerliche Hitze und Sonneneinstrahlung geschützt sind. Ich hätte auch nicht gedacht, einmal so einen Job auszuüben. Aber er wird gut bezahlt, und ich kann vielleicht schon Ende August weiterreisen.

An einem Wochenende fuhren meine Freunde und ich auf Campingtour nach Byron Bay, ein beliebter Bade- und Surferort an der Nordküste des Bundesstaates New South Wales mit rund 5000 Einwohnern, rund 800 Kilometer von Sydney und 200 Kilometer von Brisbane entfernt. Ein 1901 gebauter Leuchtturm, das Cape Byron Light, ist weithin sichtbar und gilt als eine der Hauptsehenswürdigkeiten. Von der Plattform des Leuchtturms hatten wir einen endlosen Ausblick über den Ozean, die weißen Strände und Wälder ringsherum.

Am Leuchtturm glitten Drachenflieger vorbei. Die Bucht dort ist einfach fantastisch: Viele Kilometer lang mit weißem Sand. Überall trifft man Surfer. Leider haben wir keine Buckelwale gesehen, obwohl diese hier an der Bucht regelmäßig vorbeischwimmen sollen. Statt dessen haben wir Schildkröten, Rochen und harmlose kleine Haie im klaren Wasser beobachten können. Auf dem Campingplatz haben wir gegrillt und den Sonnenuntergang genossen. Abgesehen von einigen Ausflügen an meinen freien Tagen verläuft mein Leben momentan relativ ruhig. Einsam fühle ich mich jedoch überhaupt nicht, denn ich habe jeden Tag genug zu tun und viele neue Kontakte geschlossen.

Trotzdem denke ich schon daran, wie es wohl sein wird, wenn ich mich bald zu neuen Ufern aufmache und den Norden Australiens erkunde. Obwohl mir der Abschied von meinen neu gewonnenen Freunden sicherlich schwer fallen wird, bin ich gespannt, wohin es mich verschlagen wird und ob ich auch dort so viele liebenswürdige Menschen treffen werde.

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