Kein Arbeitslosengeld - weil die alte Firma die Belege nicht schickte

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Klaus-Dieter Schlüter sitzt finanziell auf dem Trockenen. Auch die Arbeitsagentur ist machtlos.

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09. Januar 2009, 09:35 Uhr

Gribbohm/Itzehoe | Im Kreis Steinburg weist die offzielle Arbeitslosenstatistik für Dezember genau 3650 Menschen auf Jobsuche aus. Einer von ihnen ist Klaus-Dieter Schlüter. Sein zusätzliches Problem: Er bekommt kein Arbeitslosengeld, weil er keine Arbeitsbescheinigung von seinem früheren Arbeitgeber vorlegen kann. Der Gribbohmer hatte sich am 18. November vergangenen Jahres ordnungsgemäß bei der Itzehoer Niederlassung der Bundesagentur für Arbeit gemeldet.

Zuvor hatte der 54-Jährige mehr als eineinhalb Jahre für eine Dithmarscher Firma gearbeitet, die technische Dienstleistungen im Angebot hatte. Sein Job: Dekontaminationsarbeiten im Kernkraftwerk Brunsbüttel. Mit anderen Worten: Ein spezieller Reinigungsdienst für Atommeiler.

"Ich kenne in Deutschland alle Kernkraftwerke", sagt Schlüter. Lange Jahre war er auf Montage unterwegs. Er kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Geholfen hat ihm das zunächst nicht. Als seine Firma im vergangenen August den Brunsbütteler Auftrag los wurde, musste auch Schlüter sich schnell nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Damals hatte er zunächst Glück. Die Nachfolgefirma übernahm ihn für die Arbeiten im Kraftwerk, allerdings nur für einige Monate. "Es gab dann nicht mehr genug Arbeit", berichtet Schlüter weiter. Immerhin: Für das kommende Frühjahr habe ihm die neue Firma bereits wieder einen Job in Aussicht gestellt.

Bis dahin allerdings musste sich der Gribbohmer mit Arbeitslosengeld begnügen - wenn er es denn bekäme. Schlüter kalkuliert mit etwa 950 Euro - Geld, das er auch ganz dringend braucht. Um einen Nachweis für die gearbeitete Zeit zu bekommen, vor allem aber, um auch den genauen Anspruch auf die "Stütze" berechnen zu können, wollte die Arbeitsagentur allerdings erst einmal die erforderliche Bescheinigung sehen. Grundsätzlich, sogar per gesetzlicher Regelung, sind Betriebe auch verpflichtet, diese umgehend auszustellen. "Ich habe die Firma angeschrieben, mit Einschreiben und Rückschein, aber keine Antwort bekommen", schildert Schlüter sein Dilemma.

"Für Januar konnten wir jetzt nicht einmal mehr die Miete bezahlen", macht Ehefrau Petra deutlich, wie sehr der finanzielle Schuh drückt. Auch seien zum Jahreswechsel die Versicherungen fällig. Wohngeld bekommt Ehepaar Schlüter ebenfalls nicht, weil ja die keine Bescheinigung über das Arbeitslosengeld vorliegt. Der 54-Jährige steckt in einem Teufelskreis.

Von der Sachbearbeiterin in der Agentur habe er dann die Hinweis bekommen, er könne sich doch zunächst einmal ans Leistungszentrum wenden. "Ich bin doch kein Hartz-IV-Empfänger. Ich möchte doch zur Überbrückung nur das mir zustehende Arbeitslosengeld, bis ich wieder selbst Geld verdiene."

Diesen Wunsch kann Gerold Melson nachvollziehen. Der Sprecher der Arbeitsagentur Elmshorn, zu der auch die Außenstelle Itzehoe gehört, hat sich des Problems umgehend angenommen, nach dem er den Fall von unserer Zeitung geschildert bekam. Den ehemaligen Arbeitgeber von Schlüter konnte Melson allerdings nur noch über einen Privatanschluss ausfindig machen.

Dieser habe sich zwar sehr kooperativ gezeigt, musste in Sachen Arbeitsbescheinigung aber auch passen. Sämtliche dafür notwendigen Unterlagen, so hieß es aus Dithmarschen, lägen bei den Finanzbehörden. Er könne daher lediglich bestätigen, dass Schlüter bei ihm gearbeitet hat, aber nicht im Detail, was er verdient hat.

Genau diese Angaben braucht die Arbeitsagentur aber für die Berechnung des Arbeitslosengeldes. "Es kommt schon mal vor, dass sich Arbeitgeber damit Zeit lassen", weiß Melson. Ganz schwierig wird es, wenn dieser völlig von der Bildfläche verschwunden ist.

Der Agentur-Mitarbeiter verspricht eine unbürokratische Lösung und empfiehlt Schlüter, alle noch vorhandenen Lohnbescheinigungen, notfalls auch Kontoauszüge einzureichen.

Dann solle der Fall kurzfristig entschieden werden. Notfalls könne Schlüter sich von seiner Krankenkasse zumindest die Arbeitszeiten bestätigen lassen. "Das geht schnell und formlos."

Ganz ohne Unterlagen könne die Agentur kein Arbeitslosengeld gewähren. "Irgendetwas brauchen wir von ihm", schließt Melson. Jetzt sucht Schlüter alle Belege zusammen, die er finden kann.

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