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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 06:55 Uhr

Bad Oldesloe : Kaufsucht wurde zum Verhängnis

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wegen Betrügereien und anderer Delikte wurde ein 28-Jähriger aus Bad Oldesloe zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Für Jan C. (Name geändert) war es kein Problem, sich ohne Geld zwei hochwertige Gebrauchtwagen zu verschaffen. Auch eine Reise nach Teneriffa konnte er mit ungedecktem Konto buchen. Wegen dieser und acht weiterer Betrügereien sowie weiterer Delikte musste sich der 28-Jährige aus Bad Oldesloe jetzt vor dem Amtsgericht in Ahrensburg verantworten.

„Es wurde ihm aber auch sehr leicht gemacht“, sagte der Richter. So erwarb er Ende 2011 in Ahrensburg einen VW Golf im Wert von 13 000 Euro. Er habe das Geld bereits überwiesen, sagte er der Verkäuferin beim Abholen und zeigte eine Überweisung mit Stempel der Bank. „Wir hatten damals ein neues EDV-Programm für Geldeingänge bekommen“, sagt sie aus. Darin sei ein Zahlungseingang vermerkt worden, allerdings nur unter einem ähnlichen Namen. So wurde der Golf ausgehändigt. Jan C. war mit einer Begleiterin gekommen, die sich dann ans Steuer setzte. Deshalb fiel es nicht auf, dass er gar keinen Führerschein besaß.

Später aber setzte er sich ans Lenkrad. Mindestens neun Mal fuhr er ohne Führerschein. Der Betrug flog auf, weil er den Golf schon eine Woche später in Bad Oldesloe verkaufen wollte. „Der Händler hatte mir dafür 8000 Euro geboten“, sagt Jan C. Er brauche Geld für einen Urlaub, gab er an. Doch dem Händler kam die Sache sonderbar vor. „Ich vertröstete ihn und meldete das bei der Kripo“, sagt der Autohändler aus: „Als er wiederkam, warteten schon die Kriminalbeamten auf ihn.“ Auch die Verkäuferin hatte inzwischen den Betrug bemerkt.

Mit der gleichen Masche ergaunerte Jan C. im Folgejahr in Bad Oldesloe einen Ford Mondeo für 12  000 Euro, wieder mit der Begleiterin. „Ich kannte sie als Autokundin“, sagt der Händler aus, „sie hat mir bestätigt, dass sie bei der Überweisung zugegen war.“ Doch das bestreitet die Zeugin, mit der Jan C. kurze Zeit ein Verhältnis hatte: „Ich habe nur im Auto vor der Bank auf ihn gewartet.“ Der Händler versuchte mehrfach vergeblich, sein Geld einzutreiben.

Wenige Tage später krachte Jan C. mit dem Mondeo in Hamburg auf ein anderes Auto. „Es regnete, und ich kam ins Rutschen.“ Weil er sich ohne Polizei mit dem Unfallgegner einigte, kam auch das nicht heraus. Den beschädigten Mondeo bot er einem Händler in Hamburg an. Auch der war als Zeuge geladen, erschien aber nicht. Die Quittung vom Gericht dafür: 150 Euro Ordnungsgeld und die anteiligen Prozesskosten. Auch eine Urlaubsreise ergaunerte sich Jan C. Als die Lastschrift des Reisebüros platzte, flog er noch am ersten Tag aus dem Hotel. Seine Eltern zahlten ihm schließlich den Rückflug.

Im vergangenen Jahr fand Jan C. schließlich beim Zigarettenautomaten einer Disko in Bad Oldesloe eine EC-Karte. Damit kaufte er kräftig ein und verursachte einen Schaden im hohen dreistelligen Bereich.

„Warum machen sie diese Taten?“, fragt ihn seine Anwältin. „Ich denke dabei nicht nach und schalte ab, ich bin kaufsüchtig“, sagt Jan C. Er habe inzwischen 40  000 Euro Schulden. Er habe Privatinsolvenz beantragt und wünsche sich einen Betreuer für seine Finanzen.

Autofahren sei für ihn ein Stück Lebensfreude. Damit er das legal tun kann, hat ihm sein Lebenspartner Weihnachten 2014 einen Führerschein spendiert. Dank des Führerscheins hat Jan C. seit drei Monaten eine feste Arbeit. „Er hat keine Kontrolle über sein Kaufverhalten, wenn er etwas sieht, will und muss er es sofort haben“, sagt der Lebenspartner aus, „wie ein kleines Kind.“ Am Zweiten des Monats habe Jan C. schon kein Geld mehr. Er wolle mit seinem Verlobten später zusammenziehen. Auf Frage des Sachverständigen räumt er ein, dass die Besuche bei ihm seltener werden, wenn er kein Geld mehr hat.

Dreimal wurde Jan C. psychiatrisch begutachtet. Acht Anklagen wurden zusammengefasst, zuletzt kam noch der Betrug aus dem Vorjahr hinzu. Auch deshalb hat das Verfahren so lange gedauert. Der Gutachter spricht von problematischem Kaufverhalten, Wunschdenken und Reifeverzögerung beim Angeklagten. Von verminderter Schuldfähigkeit könne aber keine Rede sein. Denn Jan C. sei äußerst überlegt vorgegangen und könne die Folgen seines Handelns überschauen: „Das ist unterhalb der Krankheitsschwelle, er ist geschäftsfähig.“ Dass ihn sein Umfeld stets unterstützt habe, sei eine Katastrophe.

Der Richter folgt dem Antrag des Staatsanwalts und verhängt 18 Monate Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden: „Alle Voraussetzungen des Betrugs sind erfüllt.“ Für Jan C. spreche sein Geständnis, gegen ihn sprechen erhebliche Vorstrafen. Jan C. sei zwar schuldfähig, aber behandlungsbedürftig. „Er muss lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.“



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