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Stormarner Tageblatt

24. August 2017 | 01:13 Uhr

Karpfen „reisten“ mit der Eisenbahn

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jens Löper setzt sich nicht nur für „Pro Park“ ein sondern ist begeisterter Eisenbahn-Fan / Jetzt zeigt er seine Sammlung im Museum

200 000 Negative befinden sich im Archiv von Jens Löper. „Über zwei Drittel davon sind Eisenbahn-Motive“, sagt der Reinfelder. Die Leidenschaft für Schienen, Weichen, Loks und Waggons hat er von seinem Vater „geerbt“. Seit seiner Jugend ist er unterwegs, um die Entwicklung der Eisenbahn mit der Kamera festzuhalten: zuerst mit einer russischen Zenit, dann mit einer Werra aus der ehemaligen DDR, schließlich mit einer Minolta und heute mit einer Canon. Im letzten Jahr brachte er das Buch „Die Bahnstrecke Hamburg - Lübeck“ heraus. Aus diesen Fotos und vielen anderen stellte er jetzt eine Sonderausstellung im Reinfelder Heimatmuseum zusammen. Über zwei Monate hat er in seinem Archiv recherchiert, um die interessantesten Bilder herauszusuchen. Wer sich für die Geschichte des Reinfelder Bahnhofs interessiert oder für all die Dampf- und E-Loks, die im Laufe der letzten 70 Jahre auf den Schienen an der Karpfenstadt vorbei gerattert sind, wird staunen. Denn Jens Löper stellt so einige Kleinode, seltene Fotos und Modelle vor.

Da posieren Reinfelder Bürger im Sonntagsstaat vor dem Reinfelder Bahnhof - ein Foto von 1890. Der Bahnhof wurde in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gebaut. Damals standen noch Bäume am Bahnsteig, der Bahnhof wirkte gepflegt und wurde nicht nur von Reisenden sondern hauptsächlich als Umschlagplatz für Waren genutzt. Wie viele Verlade- und Rangiergleise es damals gab, belegen alte Gleispläne aus den Jahren 1912 und 1975 - ein gut frequentierter Bahnhof mit diversen Gleisverbindungen und 14 Weichen „Heute gibt es nur noch zwei Weichenpärchen und zwei Fahrgleise, das Minimum für die Bezeichnung Bahnhof, sonst wäre es ein Haltepunkt“, erklärt Löper. Bauern und Betriebe ließen sich bis in die 60er Jahre Gleise zur An- und Abfuhr ihrer Produkte legen. Damit es einfacher ging, bot die deutsche Bahn später den Service „Haus zu Haus“ an. Die speziellen Container wurden am Bahnhof auf Mini-Sattelzüge verladen und direkt vor die Haustür gebracht. Die Reinfelder Teichwirtschaft nutzte einen eigenen Waggon für lebende Fische. „Im Waggon befanden sich Wasserbecken für die Karpfen“, so der Experte. Der spezielle Waggon der Deutschen Reichsbahn hatte den Heimatbahnhof Riesa und war in den Jahren 1912 bis 1918 auf den Schienen unterwegs.

Einige Schilder zeugen davon, dass die Strecke Hamburg - Lübeck bis in die 90er Jahre weitaus mehr frequentiert wurde als heute. „Der Güterverkehr wird sich aber durch die feste Fehmarnbeltquerung wieder erhöhen“, ist Löper sich sicher. So fuhr der Interregio der Deutschen Bahn von Lübeck bis nach Obersdorf oder Basel, nach Magdeburg oder Stuttgart „Ein Rückschritt, dass die Bahn den Interregio eingestellt hat“, bedauert der Eisenbahn-Fachmann. Die Ausstellung zeigt vor allem Loks und Waggons sowie Fotos ab den 50er Jahren - mit einigen Abstechern in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als die Lübeck-Büchener-Eisenbahn (LBE) ihre Glanzzeit mit ihren Doppeldecker-Zügen und stromlinienverkleideten Dampfloks hatte. „Man versuchte damals schon, Energie zu sparen“, schmunzelt Löper. Auf 120 Stundenkilometer brachte es die Dampflok - eine für damalige Zeiten sensationelle Geschwindigkeit. Auch in puncto Sicherheit war die LBE Vorreiter. Zwei Waggons fuhren auf nur einem, so genannten Jakobs-Drehgestell, das für mehr Stabilität sorgte und verhinderte, dass sich die Waggons drehten. „Mit so einer Konstruktion hätte sich der ICE beim Unglück in Eschede nicht quer zu den Gleisen gestellt“, ist sich Löper sicher, „Der französische TGV bedient sich noch heute dieser Technik.“ Die LBE „erfand“ damals auch den Wendezug mit einer Lokomotive am einen und einem Steuerwagen am anderen Zugende. Die Nachfolger fahren noch heute zwischen Hamburg und Lübeck.

Die Eisenbahn-Ausstellung von Jens Löper wird am Sonntag, 3. November, um 11 Uhr im Heimatmuseum, Neuer Garten, eröffnet. Zu sehen ist sie bis März 2014 zu den Öffnungszeiten immer sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung. Informationen unter (04533) 46 02 bei Anja Rademacher.

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erstellt am 31.Okt.2013 | 00:34 Uhr

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