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Stormarner Tageblatt

25. September 2017 | 22:34 Uhr

Reinfeld : Karpfen, Kescher und Quote

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Besuch beim Reinfelder Teichwirt: Erst wurden die Mönche aufgemacht, dann abgefischt. „Schwere Verluste“ im Frühjahr bleiben rätselhaft.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 06:00 Uhr

„Nimm noch ein Brett raus und lass das Wasser schneller abfließen“, ruft Teichwirt Alfred Wenskus Carsten Rieck zu, der sich am Gitter des Wehrs zu schaffen macht. Gegen den anhaltenden Regen dick eingepackt in Fischerhosen und Gummistiefeln inklusive Regenmütze und Regenjacke steigt Carsten Rieck hinunter zum Mönch am Hälterteich in der Heimstättenstraße. Dort wird das Wasser des Karpfenteichs gestaut und reguliert.

Um 10 Uhr morgens haben die Männer rund um Ali, wie ihn seine Freunde nur nennen, die Mönche aufgemacht, damit das Wasser langsam ablaufen kann. Zwei Stunden weiter beginnt das Abfischen. Ein wenig besorgt schaut Ali zum Mönch hinunter. Noch sammeln sich keine Karpfen vor dem Gitter, das immer wieder zwischendurch gesäubert werden muss. Da müssen Stephan Wenskus und Max Tamms zur nächsten Öffnung am anderen Ende des Teiches laufen. Dort werden sie fündig. Einige Karpfen sind nicht mit der Strömung geschwommen, sondern haben sich am Mönchsgitter verkeilt. Mit sicherer Hand fischen die beiden jungen Männer sie aus dem Wasser.

Jetzt, wo das Wasser schneller abfließt, versammeln sich dann doch einige Karpfen vor dem Mönch. Mit Keschern holen die Männer sie heraus. Gar nicht so einfach, denn manche wehren sich mit allen Kräften. „Die haben dann Panik“, erklärt Stephan Wenskus. Er ist seit Kindertagen mit seinem Vater an den Karpfenteichen unterwegs, unterstützt ihn mit Begeisterung. „Mein Sohn kennt sich schon wie ein Alter aus“, lobt ihn der Teichwirt. Egal ob Dauerregen oder Sonnenschein – die Männer arbeiten bei jedem Wetter. Denn, so drückt es der erfahrene Teichwirt aus: „Wir wollen jetzt den Karpfen haben.“ Die ersten weißen Eimer sind schon voll und werden in den Wasserbehälter im Lastwagen gehievt. Dort passen 500 Kilogramm frischer Fisch hinein, das Wasser wird mit Sauerstoff versetzt, damit die Karpfen „atmen“ und sicher in das Fischhaus transportiert werden können, wo sie sich zehn Tage lang „freischwimmen“. Dadurch verlieren sie ihren moderigen Geruch und Geschmack und entwickeln sich zu der begehrten prachtvollen Reinfelder Delikatesse.

Nach gut einer Stunde ist kaum noch Wasser im Hälterteich, und die Karpfen sind alle abgefischt. Doch halt: Da ist noch einer! Stephan Wenskus erwischt ihn, bevor er durch das Gitter entweichen kann. Ali ist nicht ganz zufrieden. Ja, es seien schon ein paar schöne, große Exemplare dabei gewesen, aber insgesamt sei es eher eine magere Ausbeute. „Das haben wir schon besser erlebt“, resümiert er. Die Quote könnte besser sein. Aber so sei es halt mit der Natur. Er habe aber bereits vorher gewusst, dass in diesem Hälterteich nicht so viel zu holen sei. „Im Frühjahr hatten wir schwere Verluste und wissen bis heute nicht warum“, sagt der Teichwirt. Aber die Saison hat ja erst begonnen. 22. Oktober ab 10 Uhr wird der Herrenteich abgefischt. Und da bestehe sicher noch Hoffnung auf einen guten Fang.

Geschafft! Triefendnass versammeln sich die Männer vor dem Teich und entledigen sich der schweren Stiefel und Gummihosen, denn endlich bahnen sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Wolken.


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