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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 11:49 Uhr

Bad Oldesloe : Kapitulation vor den Krähen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Oldesloer Umweltausschuss sieht keine Erfolgsaussichten für weitere Vergrämungsaktionen in der Stadt.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Krähen und Raben gelten gemeinhin als intelligent. Das scheint sich auch in Bad Oldesloe zu bewahrheiten. Denn die Lokalpolitik musste sich nun eingestehen, dass alle Vergrämungsversuche nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben – oder die Probleme nur verlagerten.

Am massivsten wurde in der Vergangenheit im Bereich Kurpark daran gearbeitet, die Krähen zu vertreiben. „Ein Falkner mit Greifvogel, Schreckschusspistolen, Flatterbänder, die Aufzucht von Uhus, das Ausstoßen von Nestern und Baumfällungen“, zählte Dr. Kurt Soeffing aus der Umweltabteilung der Stadtverwaltung den Mitgliedern des Umweltausschusses auf.

Durch einzelne Maßnahmen kam es durchaus zu Rückgängen der Population in einzelnen Bereichen, allerdings bildeten sich seit den ersten Vergrämungsaktionen im Jahr 2009 neben den Hauptbrutplätzen im Kurpark und im Bürgerpark am Exer diverse kleine neue Kolonien: In der Schützenstraße, der Olivetallee, bei der Ida Ehre Schule, am Moordamm, am Schanzenbarg, in der Robert-Koch-Straße, am Ehrenfriedhof, im Lindenkamp und am Wendum. Kurzum: Die Krähen merken sich, wo sie im Vorjahr gestört wurden und nisteten im Folgejahr einfach an anderen Stellen in der Stadt. Das Problem wurde also nicht gelöst, sondern nur verlagert.

Die CDU hatte die Verwaltung darum gebeten, sich mit der Stadt Lahr in Nordrhein-Westfalen auszutauschen, die ähnliche Probleme hatte und identische Vergrämungsmaßnahmen durchführte. Das Ergebnis fiel für Krähen-Gegner deprimierend aus. Nach anfänglichen Rückgängen stieg die Population der Vögel in Lahr sogar wieder an. Eine letzte Idee, die in Oldesloe noch nicht ausprobiert wurde, sind außerhalb der Stadt angebrachte Nester, um die Krähen quasi direkt zum Nisten einzuladen. Die Vögel in Lahr durchschauten den „Trick“ allerdings, ignorierten die künstlich angelegte Kolonie und rüsteten am alten Standort einfach die ausgestoßenen Nester wieder auf.

Den Versuch mit einer künstlich verlagerten Kolonie soll es deshalb in Bad Oldesloe gar nicht erst geben. Die Mitglieder des Umweltausschusses stimmten dafür, dass es – wie auch in Lahr – nur noch in Ausnahmesituationen wie einer riesigen Krähenansammlung in der Nähe von Schulen und Krankenhaus zu vereinzelten Vergrämungsaktionen kommen soll, die dann von der Politik angeschoben werden müssten. Ziel ist es, dass die Kolonien sich in Zukunft wieder ausschließlich auf den Bürgerpark und den Kurpark konzentrieren und die übrigen Wohngebiete weniger oder gar nicht mehr betroffen sind. Auch die Gründung weiterer Nestburgen an weiteren Standorten im Stadtgebiet soll damit verhindert werden.

Anstatt die gefiederten Gäste zu vertreiben, soll jetzt über sie informiert werden. Dafür sollen zwei Infotafeln am Bürgerpark und im Kurpark aufgestellt werden, die über die schwarzen Vögel Auskunft geben. Neben zoologischen Daten und Fakten sollen sie aber auch Hinweise dazu enthalten, wie man die Ansiedlung verhindern kann. So zum Beispiel dadurch, dass man bei der Entsorgung von Essensresten sorgsam vorgeht.

Michaela Dämmrich (Grüne) brachte sogar noch eine Art „Krähenerlebnispfad“ ins Gespräch, der sich am „Fledermauspfad“ in Bad Segeberg orientieren könnte. Doch bei den übrigen Ausschussmitgliedern und der Verwaltung stieß sie damit auf wenig Gegenliebe. „Man sollte da dann auch mal nicht übertreiben, finde ich“, so Soeffing. Außerdem wurden überparteilich Stimmen laut, dass man irgendwann den Kurpark mit Infotafeln und Schaupfaden überlaste.

Carsten Wirth (FBO) bat darum, dass ein Schreiben an die Haushalte in den betroffenen Gebieten geschickt werde, in dem ebenfalls darüber aufgeklärt wird, dass Essensreste die Krähen anlocken und ernähren. „Das ist eine gute Idee, das können wir aufgreifen. Ich bitte Sie aber zu bedenken, dass weder die Schautafeln noch eine Infopost dafür sorgen werden, dass die Krähenpopulation in Bad Oldesloe zurückgehen wird. Davon ist nicht auszugehen“, mahnte Kurt Soeffing. Für das zu erstellende Infomaterial sollen 4000 Euro im Haushalt 2016 eingeplant werden. Der Ausschuss stimmte diesem Vorschlag einstimmig zu.

 

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