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Stormarner Wochenschau : Kandidieren, kungeln & kassieren

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine Woche, die - politisch betrachtet - wieder umfangreichen Lehrstoff zu bieten hat.

Auf die miese Art

: Einen Kandidaten hat Bad Oldesloe also schon. Eine Kandidatin, um genau zu sein. Die SPD geht mit Maria Herrmann ins Rennen. Das Rennen ist eröffnet. War das jetzt ein Frühstart oder kann sie sich dadurch einen Vorsprung herausarbeiten? Ist es ein Vorteil, die Fraktionsvorsitzende zu nominieren, oder hat sich so jemand durch seine politische Tätigkeit schon zu viele Feinde gemacht?

Der Versuch, diese Fragen zu beantworten dürfte auf nicht viel mehr als Kaffeesatz-Leserei herauslaufen. Eines hat die Kandidatur allerdings deutlich gezeigt: Die Nörgler scheinen nur darauf gewartet zu haben, ihre Kommentare in sozialen Netzwerken über sie absondern zu können. Das mag andere, die vielleicht noch überlegen, ob sie sich diesen Job wirklich antuen wollen, bestimmt motivieren.

Keine Frage, über Maria Herrmann kann man trefflich diskutieren. Aber dann doch bitte sachlich und fundiert. Und vor allem sollte man mit einer abschließenden Einschätzung warten, bis die anderen Kandidaten sich auch aus der Deckung wagen. Wie hat es Anita Klahn (FDP) leider trefflich formuliert: „Oldesloe wählt oftmals nicht für jemanden, sondern gegen jemanden.“ Dann wollen wir mal hoffen, dass am Ende nicht die größten Nein-Sager jubeln werden.

Auf Kreisebene

: Der Berg kreißte und gebar – einen Tusch bitte – Henning Görtz. Alles hinter verschlossenen Türen ausgekungelt. Ohne, dass der geneigte Stormarner etwas über irgendeinen der Gegenkandidaten wüsste. Die Direktwahl der Landräte hat ja gezeigt, dass das Interesse der Bevölkerung gelinde gesagt überschaubar ist. Zurecht wurde sie deshalb abgeschafft. Von daher mag das Vorgehen der Fraktionsspitzen in dem Fall noch tolerabel sein, aber dass bei dem Abwasch auch gleich die Kreisumlage und der Verkauf der Asklepios-Pflegeheime klar gemacht wurden … Wundert sich ernsthaft noch jemand über Politikverdrossenheit, wenn sowas mal eben im stillen Kämmerlein beschlossen wird und nachher alle freudestrahlend vor die Presse treten? Wofür brauchen wir den Kreistag denn noch, wenn Entscheidungen im kleinen Kreis geräuschlos gefällt werden?

Auf das System

! Der Punk ist tot, es lebe der Mainstream. Jetzt ist Klangstadt den Verlockungen der dunklen Seite der Macht erlegen und hat sich sein Stück vom Kuchen der Kulturförderung abgeholt – 1655 Euro für das 9  1/2-Minuten-Kurzfilmfestival. Keine Frage, dass die Musikerinitiative für ihr Festival am Poggensee einen Zuschuss braucht, ist unumstritten. Der Bühnenbau muss schon professionell gemacht werden, sonst ist das Risiko viel zu groß. Aber das Filmfestival im Inihaus? Also ehrlich. Die Gefahr ist groß, dass das jetzt der Anfang vom Ende ist. „Warum kriegt der eigentlich Geld, aber ich soll hier ehrenamtlich arbeiten?“ „Warum soll ich zukünftig noch was kostenlos zur Verfügung stellen?“ Und der Witz an der Sache: Alle wissen, dass sie gewissermaßen veräppelt werden. Klangstadt beherrscht die Klaviatur und schlägt die richtigen Saiten an: „schönster Preis“, „internationale Teilnehmer“, „keine rassistischen Inhalte“, „Gala“ ... wer will da noch nein sagen. Alle Voraussetzungen erfüllt – also raus mit der Kohle. Das System will halt so behandelt werden.

Auf den Landrat!

Der Kater ist aus dem Sack und die alles entscheidende Frage lautet: Packt er das oder packt er das nicht?Henning Görtz kann viel – unbestritten. Aber, kann er auch Landrat? Kann er die Fußstapfen ausfüllen, die Klaus Plöger hinterlässt? Die Fußabdrücke sind groß. Zu groß? In den 18 Jahren seiner Regentschaft hat Klaus I. in seiner unnachahmlichen Art und Weise markigen Worten Taten folgen lassen und von Ahrensburg bis Zarpen, von Reinfeld bis Rausdorf so einige Duftmarken gesetzt.

Das hat – bei aller Bescheidenheit – ebenso Werner Mitsch in seinen zwölf Jahren als Bargteheider Bürgermeister getan und nach seinem Rückzug 2008 ein ansehnliches Erbe hinterlassen. Damals hat der eine oder die andere sicherlich gedacht: Bürgermeister? Das kann der nicht. Doch Görtz kann und füllt die Fußspuren bestens aus. Der 49-Jährige ist fraktionsübergreifend angesehen und beim Volk sowieso. Das wählte ihn 2014 als alleinigen Kandidaten mit 80,7 Prozent in die 2. Amtszeit – ein Traumergebnis! Bargteheides Verwaltungschef hat Potenzial. Als promovierter Betriebswirt sowie Verwaltungs- und Stormarn-Kenner bringt er beste Voraussetzungen mit, ein würdiger Plöger-Nachfolger zu werden. Der Amtsinhaber selbst hält seinen Erben für geeignet, für eine gute Wahl: Der kann auch Landrat! Ob Henning Görtz das wirklich kann, wird sich zeigen.

Wiederum muss sich in Bargteheide zeigen, ob jemand in die Görtz’schen Fußspuren passt, die er zweifelsohne hinterlässt. Allen gemein ist: Es sind halt Posten mit besonderer Fußnote. Darauf ein Glas Sechs-Ämter-Tropfen. Prost!

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