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Stormarner Tageblatt

21. August 2017 | 04:48 Uhr

Viva Wald : Kahlschlag oder doch Holzernte?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Annäherungsversuche zwischen der Bürgerinitiative und Vertretern der Landesforsten bei einem Waldspaziergang. Forstdirektor Bernd Friedrichsdorf erklärte die drei Säulen der Forstwirtschaft: Ökologie, Ökonomie und soziale Ziele.

Drei Stunden dauerte der Spaziergang durch Reinfelds Waldgebiet Voßkaten. Nachdem die Bürgerinitiative Viva Wald katastrophale Zustände der Waldwege, diverse Verwüstungen durch den radikalen Einschlag und den rigorosen Einsatz großer Maschinen beklagt und mehr Kontrollen und eine nachhaltigere Holzwirtschaft in dem 20000 Hektar großen Gebiet gefordert hatte, demonstrierten Forstdirektor Bernd Friedrichsdorf von der Zentrale der Landesforsten in Neumünster sowie Revierförster Matthias Wruck an praktischen Beispielen die Forstwirtschaft im Waldstück Voßkaten. Man habe das Anliegen der Bürgerinitiative sehr ernst genommen und sei für Anregungen dankbar, betonte Friedrichsdorf.

Er erklärte die drei Säulen der Forstwirtschaft: Ökologie, Ökonomie und soziale Ziele. Der Wald müsse sich zumindest selbst tragen, daher sei eine effektive Holzwirtschaft nicht zu vermeiden – ökologische Aspekte und Naherholung würden dabei aber nicht außer Acht gelassen. Viele Waldwege seien im Zuge des Einschlages verdichtet und in einem miserablen Zustand, beklagte eine Viva-Wald-Anhängerin. Förster Wruck betonte, dass diese Wege zwar etwas spät, aber inzwischen wieder instand gesetzt seien. Es dauere noch bis zum nächsten Frühjahr, bis auch wieder Grün an den Rändern wachsen werde. Natürlich habe man die Wege „multifunktional“ angelegt, dass auch Erntemaschinen wie der Harvester auf ihnen fahren könnten, er sei aber auch für Erholungssuchende ebenso gut begehbar. Und was sei mit den breiten Schneisen, die für die Abholzung in den Wald geschlagen wurden, wollte Viva Wald wissen. Solche Schneisen seien notwendig, um die Stämme schonend aus dem Wald zu ziehen. Beim Rundgang durch Voßkaten fielen nur wenige breitere „Rückegassen“ auf, die jedoch, gab Friedrichsdorf zu, wegen der Bodenverdichtung für die Waldwirtschaft verloren seien. Die Menschen bräuchten Holz, daher müsste auch in regelmäßigen Abständen geschlagen werden, so Wruck. Und warum seien viele Buchen so konzentriert geschlagen worden? Es werde immer nur so viel Holz geschlagen wie auch geordert werde, so der Förster. Außerdem müsse man den Wald in einem Fünfjahres-Rhythmus auslichten, damit die Bäume sich nicht gegenseitig behinderten und sich einzelne Exemplare zu großen Kronen entwickeln könnten. Nur so sei es überhaupt möglich, Bäume mit dicken Stämmen heranzuzüchten. Thora Lohmann von Viva Wald konnte dieses Argument nicht nachvollziehen.Schön sei dieser Wald für sie nicht, aus ihrer Kindheit kenne sie große, dicke Bäume. Und es sei ja auch kein Wunder, dass jetzt im Spätsommer, wo alles grün sei, der Wald besser aussehe als ohne Blätter.

Förster Wruck: „Kommen Sie im nächste Frühjahr wieder, dann werden Sie von den Einschlägen kaum noch etwas sehen.“ Man werde, so sein Kollege von den Landesforsten, auch noch reflektieren, wie man im Winter weiter vorgehen werde. Man habe in diesem Jahr eine ganze Menge geschlagen. „Wir sind in der oberen Hälfte der Möglichkeiten der Bewirtschaftung“, so Friedrichsdorf. Viva Wald forderte eine vorsichtigere Vorgehensweise beim Einschlag. Die Harvester hätten, so Wruck, weniger Bodenverdichtung verursacht als die älteren Maschinen. Viva Wald und die Landesforsten wollen im Gespräch bleiben und ein neues Treffen vereinbaren.

 

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erstellt am 26.Sep.2013 | 13:00 Uhr

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