zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

19. Oktober 2017 | 11:51 Uhr

Bad Oldesloe : Kältetod im Storchennest

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Für den Storchennachwuchs sind es die schlechtesten Zahlen seit 25 Jahren. Viele Jungtiere seien nach Starkregenfällen verendet.

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 31.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Das Jahr hatte für Strochenfreunde eigentlich sehr vielversprechend begonnen: Insgesamt 29 Storchenpaare (Vorjahr 30) sind aus ihren Winterquartieren zurück gekehrt und haben die Stormarner Nester bezogen. „Das ist das zweitbeste Rückkehrerergebnis seit 45 Jahren. Dabei ist auch eine Neuansiedlung in Stellau zu vermelden“, freuen sich Kerstin Kommer und Andreas Hack, die Storchenbeauftragten des Nabu für die Region.

Der Rückkehrzeitraum zog sich erneut über mehrere Wochen. Während die Störche in Todendorf, Lasbek und Tremsbüttel bereits mit dem ersten Rückkehrertrupp aus Spanien am 21.Februar ankamen, trafen die letzten Störche erst Ende Mai ein.

Die ersten Nachwuchsergebnisse waren zunächst auch sehr gut, so gab es mehrere Bruten mit drei oder vier Jungen. Kerstin Kommer und Andreas Hack: „Dann nahm das Drama allerdings wie schon im Vorjahr seinen Lauf. Allein bei den Starkregenereignissen Ende Mai und Ende Juni ist ein Großteil der Jungen eingegangen. Dabei traf es nicht nur die Kleinsten, sondern auch die bereits größeren Jungen, die schon ein halbwegs dichtes Federkleid besaßen.“ Wenn allerdings in 36 Stunden 100 Liter Regen auf den Quadratmeter fallen und die Temperaturen nur knapp über 10 Grad sind, dann hätten die Storchenküken kaum eine Chance. „Die jungen Störche ertrinken dabei nicht wie vielfach behauptet, sondern sie durchfeuchten komplett, kühlen dadurch stark aus und sterben dann“, stellen die Experten klar. Insbesondere etwa zwischen der vierten und sechsten Lebenswoche gebe es eine kritische Phase. Die Jungen haben dann noch kein dichtes Gefieder, sondern teils noch ihr Daunenkleid, die Federn entwickeln sich erst. Sie sind aber schon so groß, dass die Altstörche sie nicht mehr komplett „hudern“, also mit den Flügeln abdecken, können. Am Ende führte das dazu, dass von 29 Storchenpaaren überhaupt nur 15 (Vorjahr 20) erfolgreich Junge aufzogen.

Die Gesamtzahl der Jungen, die in den nächsten Wochen ihre Reise in die Winterquartiere antreten, beträgt 33 (Vorjahr 40). „Somit kommen wir in diesem Jahr auf durchschnittlich nur 1,1 Junge pro Storchenpaar und damit auf den schlechtesten Wert seit 25 Jahren“, sagen die Storchenbetreuer. Im Vergangenen Jahr lag der Wert noch bei 1,3. 1992 wurden nur 1,1 Junge ermittelt.

„Das zweite Jahr hintereinander derart schlechte Nachwuchsergebnisse lassen vermuten, dass sich dies in den nächsten Jahren negativ auf den Bestand auswirken wird“, sind die Storchenbeauftragten überzeugt. „Zum Bestandserhalt brauchen wir einen Durchschnitt von 1,7 Jungen pro Horstpaar.“

Die Nachwuchszahlen im Detail: Bad Oldesloe Kneeden 0, Bargfeld-Stegen Tonnenteich 1, Bargfeld-Stegen Mittelweg 3 und 0, Bargfeld-Stegen Wilhelmshöhe 3. Bargfeld-Stegen Elmenhorster Str. 0, Grönwohld 2, Groß Barnitz 0, Heilshoop 3, Jersbek 0, Klein Wesenberg 0, Klein Schenkenberg 0, Langelohe 4, Lasbek-Dorf 2, Meddewade 0, Mollhagen 1, Papendorf 2, Rethwischfeld 0, Rümpel 0, Seefeld 2, Sprenge 2, Stemwarde 2, Sühlen 2, Tangstedt 0, Todendorf 2, Tremsbüttel 2, Trittau 0, Westerau 0.

Die im Oktober durch die Nabu-Betreuer durchgeführte jährliche Kontroll- und Instandhaltungstour der Nester habe sich in den vergangenen Jahren bewährt und werde weiterhin so erfolgen. Bei der mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung durchgeführten Tour werden wieder etwa 10 bis 15 Storchennester kontrolliert und gereinigt beziehungsweise saniert. Dabei wird im Abstand von zwei bis drei Jahren das stark verdichtete Nistmaterial von den Horsten abgetragen und mit Holzhackschnitzeln befüllt, wodurch die Nässe in den Nestern besser abgeleitet wird. Außerdem werde die Unterkonstruktion auf Tragfähigkeit überprüft und es eingeschleppte Fremdkörper wie Plastikfolie und Schnüre entfernt. Diese Materialien stellen eine Gefahr für die Störche dar.

Weitere Informationen zu den Störchen findet man auch im Internet unter www.nabu-badoldesloe.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen