Ahrensburg : Jugend trifft Unternehmen

Werben für den Schnuppertag (v.l.): Amira Abdalla, Lehrer Jannik Gasde, Anna Juling, Lilli Woitars (alle SLG), Manfred Benszus (Barmer), Anja Gust (Wirtschaftsförderung), Inga Reiling (SLG), Bettina Suttka (Elternvertretung), Sigrid Mayer-Jendrek (SLG) und Bürgermeister Michael Sarach.
Werben für den Schnuppertag (v.l.): Amira Abdalla, Lehrer Jannik Gasde, Anna Juling, Lilli Woitars (alle SLG), Manfred Benszus (Barmer), Anja Gust (Wirtschaftsförderung), Inga Reiling (SLG), Bettina Suttka (Elternvertretung), Sigrid Mayer-Jendrek (SLG) und Bürgermeister Michael Sarach.

In der Schlossstadt findet der 4. Ausbildungs-Schnuppertag statt. Praktika werden wie auf dem Silbertablett präsentiert.

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06. Mai 2019, 17:15 Uhr

Ahrensburg | Bereits seit den 1990er Jahren sind bundesweit verschiedene Berufspraktika für jede schulische Ausbildung verpflichtend. Die Idee dahinter ist sinnvoll: Die Praktika sollen als Orientierungshilfe für die spätere Berufswahl dienen oder praktische Einblicke in die Wirtschaft bieten.

Für Schüler ist das wichtig, denn sie müssen lernen, dass das Schulleben keineswegs das „wirkliche Leben“ spiegelt.

Schulabgänger meist ahnungslos

Allerdings: Pflicht ist eben Pflicht, und entsprechend wenig motiviert sind viele Schüler, sich einen individuell für sie passenden Praktikumsplatz zu wählen. Sie suchen sich am Ende dann irgendetwas, um die Zeit abzusitzen und möglichst wenig Arbeit zu haben.

Folge: Obwohl sie ihre vorgeschriebenen Praktika erfüllt haben, sind sie am Ende ihrer Schulzeit weiterhin völlig ahnungslos, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. So berichtet Sigrid Mayer-Jendrek, Mittelstufenleiterin an der Ahrensburger Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule (SLG):

„40 Prozent aller Studenten brechen ihr Studium ab.“ Mittelstufenleiterin Sigrid Mayer-Jendrek
 

„Außerdem nehmen viele Abiturienten eine Berufsausbildung häufig gar nicht als Alternative zum Studium wahr. Völlig zu unrecht“, so Mayer-Jendrek weiter.

Teilnehmer kommen freiwillig

Unter dem Motto „Go for it“ richtet deshalb die SLG in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Ahrensburg, der Barmer Ersatzkasse, der Sparkasse Holstein und der Agentur für Arbeit am 25. und 26. Juni zum vierten Mal einen „Ausbildungs-Schnuppertag“ für Schüler der achten bis zwölften Jahrgangsstufe aus. Das Angebot ist Teil einer Projektwoche vor den Sommerferien.

Deshalb entscheiden sich dann auch alle Teilnehmer komplett freiwillig dafür, beim Schnuppertag dabei zu sein. „Das ist eine völlig andere Motivation“, bestätigt Sigrid Mayer-Jendrek. „Am Ende bekommen alle Teilnehmer auch ein Zertifikat als Ergänzung zu ihren Bewerbungsunterlagen. Sowas kommt immer gut an.“

Schnuppertag ist auch Chance für Unternehmen

Das freiwillige Engagement der Projektteilnehmer wissen auch die Ahrensburger Unternehmen zu schätzen. Denn nicht nur die Schüler bekommen einen Tag lang einen intensiven Einblick in ein bestimmtes Arbeitsfeld, auch die Unternehmen haben die Chance, mögliche neue Auszubildende kennenzulernen.

Bürgermeister Michael Sarach erklärt:

„Fachkräftemangel ist auch in Ahrensburg in aller Munde.“ Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach
 

Sarach führt fort: „Anders als bei klassischen Ausbildungsmessen wollen wir mit dem Ausbildungs-Schnuppertag dazu beitragen, dass es zu einem intensiven Kontakten zwischen den Unternehmen und den jungen Menschen kommt.“

Entsprechend hat die Stadt nicht nur die Finanzierung der Flyer übernommen, sondern hilft auch bei der Akquise der beteiligten Firmen. Und die war in diesem Jahr äußerst erfolgreich:

Insgesamt 32 Ahrensburger Unternehmen öffnen im Juni ihre Büros, Labors oder Werkstätten für die Schnupper-Ausbildung. „So können die Jugendlichen auch in Berufe reinschnuppern, die sie vielleicht nicht auf ihrem Radar hatten“, so Sarach.

Andere Schulen noch nicht dabei

Die Organisation des Projektes ist echte Teamarbeit. Hauptakteure dabei sind jeweils die Schüler des Wirtschaftsprofils der elften Klasse, die das Konzept in den Klassen vorstellen, die Bewerbungszettel erstellen, austeilen und auswerten.

So können sich alle interessierten Schüler für zwei Unternehmen bewerben, das sie im Juni für jeweils einen Tag besuchen.

Der Ausbildungsmarkt im Norden bietet für Jugendliche momentan beste Bedingungen. Auch der erneute Schnuppertag in Ahrensburg kann zur beruflichen Orientierung sehr hilfreich sein.
dpa
Der Ausbildungsmarkt im Norden bietet für Jugendliche momentan beste Bedingungen. Auch der erneute Schnuppertag in Ahrensburg kann zur beruflichen Orientierung sehr hilfreich sein.
 

Eine wesentliche Rolle in der Gesamtorganisation der Schnupperausbildung hat außerdem Bettina Suttka vom Schulelternrat inne, die nicht nur bei der Auszählung hilft, sondern auch die Gesamtkoordination sicherstellt.

„Das kostet enorm viel Zeit“, bestätigt Sigrid Mayer-Jendrek. Und weil das so ist, fruchtete bislang auch der Versuch der SLG nicht, andere Ahrensburger Schulen mit an Bord zu holen.

„Ich kann das sogar verstehen“, sagt die SLG-Stufenleiterin. „So ein Projekt zu organisieren ist viel Arbeit. Und wenn uns Bettina Suttka irgendwann nicht mehr unterstützen kann, dann haben wir ein echtes Problem.“

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