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Stormarner Tageblatt

21. August 2017 | 10:32 Uhr

jpm - getriebebau nord/kgb

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Schulterschluss

Fachübergreifender Unterricht ist eine Spezialität des Bargteheider Kopernikus Gymnasiums. Im Physikunterricht werden hier Geräte konstruiert, die auch praktischen Nutzen haben. Zurzeit werden drei Projekte verwirklicht, zwei davon sind für die Partnerschule in Tansania bestimmt. „Wir konstruieren eine Wasserentkeimungsanlage“, sagt Schüler Sebastian. Am Nebentisch beschäftigen sich die Schüler mit einer Beleuchtungsanlage für das Jungen-Wohnheim der Schule in Tansania.

Der 10. Jahrgang beschäftigt sich schon seit Schuljahresbeginn mit den Projekten. Jetzt nähert sich die letzte Phase, die Konstruktion. Dabei können die Schüler auf kompetente Unterstützung rechnen. Denn als Partner sind zwei Ingenieure von Getriebebau Nord mit im Boot. Sie geben praktische Tipps für die Umsetzung der Pläne und stellen die technischen Ressourcen des Großbetriebs zur Verfügung.

„Die Hardware entsteht bei uns im Werk“, sagt Diplom-Ingenieur Frank Wiedemann, „angefangen vom Schweißen der Gehäuse in der Schlosserei bis zur Beschaffung der Komponenten.“ Akkus, Laderegler, Wassertechnik und Elektronik stellt der Betrieb zur Verfügung. Sebastian und seine Gruppe arbeiten an der Entkeimungsanlage, die mit einer keimtötenden Leuchte arbeitet. „Das ultraviolette Licht sorgt dafür“, sagt er, „es wirkt aber nur kurzfristig, also unmittelbar vor dem Verbrauch des Wassers.“

Eingebaut wird die Leuchte in ein Edelstahlrohr, die Energie liefern Solarzellen. Denn die tansanische Schule mit dem schwer auszusprechenden Namen Ngarenanyuki High School ist nicht ans Stromnetz oder eine Wasserversorgung angeschlossen. Nur Regen- oder Flusswasser stehen zur Verfügung.

Eine ähnliche Anlage ist bereits vor einigen Jahren in Bargteheide gebaut worden, sie deckt aber nicht den Bedarf dort. „Unsere Konstruktion basiert auf diesem Projekt, mit dem die Leute dort gut klar kommen“, sagt Schüler Lennart. Sie müsse so einfach wie möglich zu bedienen sein. Sauberes Wasser sei eine Grundvoraussetzung, um Krankheiten einzudämmen. „Wir möchten damit den Lebensstandard dort heben“, sagt er.

In Stormarn wird das dritte Projekt angesiedelt. „Diese Gruppe konstruiert eine Beobachtungsanlage für Fledermäuse, die im Naturerlebnispark Grabau installiert werden soll“, erklärt Physiklehrer Stefan Hagendorf. Die Sparkassenstiftung unterhält diesen Park, in dem vor allem Kita- und Grundschulkindern die Natur nahegebracht wird. Mit einer hochauflösenden Kamera soll das Leben der Dämmerungsflieger in einer künstlichen Höhle beobachtet werden.

Gesteuert wird die Kamera über einen speziellen Sensor. „Ein Ultraschallsensor scheidet natürlich aus“, sagt Lars, „er würde stören, weil sich die Tiere über Ultraschall orientieren.“ Deshalb hat sich seine Gruppe für einen Infrarotsensor entschieden, der die Körperwärme der Fledermäuse beim Einflug registriert. Mit diesen Anforderungen wachsen die Fächer Physik, Biologie und Chemie zusammen. Die Initiative bleibt ganz bei den Schülern. „Die Lehrer und wir verstehen uns eher als Begleiter“, sagt Frank Wiedemann. Ziel sei es, junge Menschen für die Naturwissenschaften zu begeistern und die Eigeninitiative zu fördern. Und das scheint gelungen. „Dazu lernen die Schüler Teamarbeit und Konfliktlösungen“, sagt er.

Kosten und Zeitaufwand stünden dabei nicht im Vordergrund. „Uns geht es darum, dass die Schüler eigene Ideen entwickeln und etwas realisieren, das anderen Menschen zugute kommt.“ Zugleich hofft das Bargteheider Unternehmen auf qualifizierten Nachwuchs.

Ein früherer Projektschüler hat gerade ein duales Studium bei Getriebebau Nord begonnen. Und auch Lars kann sich das vorstellen: „Ich interessiere mich fürs Ingenieurwesen, für Maschinenbau oder auch etwas anderes, mal gucken was mir gefällt.“ Das Projekt läuft bereits seit einigen Jahren. Mit Getriebebau Nord wurde dafür ein Kooperationsvertrag geschlossen. Früher wurde es mit Landesmitteln unter dem Titel „LüttIng“ gefördert, jetzt läuft es als „KopernIng“ schulintern weiter. Als Unterstützerin ist die Sparkassenstiftung eingestiegen. Eine Zusammenarbeit gibt es auch mit der Technischen Universität Harburg. „Wir haben dort Termine für altersgerechte Vorlesungen bekommen“, sagt Hagendorf, „etwa über Piezoelemente oder über Photovoltaik.“

Die Pläne sind jetzt weitgehend fertig und die Konstruktion beginnt. Sie wird an mehreren Vormittagen im Unternehmen organisiert. „Je nachdem, wie motiviert die Gruppen sind, wird das bis zum Sommer dauern“, sagt Elektroingenieur Joachim Rink.

Zeit bleibt noch genug, denn die Anlagen für Tansania werden voraussichtlich erst im kommenden Jahr ausgeliefert. „Alle zwei Jahre besucht eine Delegation von uns die Schule dort“, sagt Hagendorf.



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