Stormini : Jetzt ist Leben in der Kinderstadt

Aus Ratzbek bei Hamberge sind Sabine Kollmetz und Matthias Borm gekommen, um ihren Sohn Mattis bei Stormini in die Kinderstadt zu bringen.  Er ist bereits zum dritten Mal dabei.
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Aus Ratzbek bei Hamberge sind Sabine Kollmetz und Matthias Borm gekommen, um ihren Sohn Mattis bei Stormini in die Kinderstadt zu bringen. Er ist bereits zum dritten Mal dabei.

Startschuss für Stormini mit 240 Einwohnern. Morgen stattet auch Innenminister Andreas Breitner dem Kids-Camp in Glinde einen Besuch ab.

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14. Juli 2014, 10:23 Uhr

Die große Turnhalle im Glinder Schulzentrum füllt sich allmählich. Gruppenweise treffen die Bewohner der Kinderstadt Stormini ein. Die Eltern bringen ihre Kinder am Sonntag und nehmen für eine ganze Woche Abschied. Solange werden ihre Sprösslinge hier jetzt ohne sie auskommen. Sie sind zwischen neun und 13 Jahre alt und haben sich für das Demokratiespiel Stormini angemeldet. Fast 500 Kinder wollten mitmachen, 240 dürfen es jetzt. „Etwa 100 Kinder kommen aus Glinde und Umgebung, die anderen sind nach ihren Wohnorten in Stormarn kontingentiert worden“, erklärt Uwe Sommer vom Kreisjugendring als Veranstalter.

Das Empfangskomitee besteht aus mehreren Stationen. Die Kinder werden begrüßt und erhalten eine Kappe. Dann gibt es einen Ausweisweis und einen Button, die Kinder werden einem der 26 Zelte zugewiesen, in denen die 240 Bewohner untergebracht sind. Hier heißen sie „mobile Großraumwohnungen“. Auch die Krankenversicherung wird überprüft.

Im Bürger/innen-Ausweis mit Lichtbild und Gesundheitspass ist auch eine Wahlbescheinigung enthalten. Mit der wählen die Kinder morgen ihren Bürgermeister. Am Mittwoch will auch Innenminister Andreas Breitner das Camp besuchen.

Den Bürger/innenpass stellen Kim Picker und Dennis Linde aus. Sie kontrollieren auch Krankenversicherungskarte und Impfpass der Kinder. Kim Picker hat gerade sein Abitur bestanden und arbeitet jetzt für die Kinderstadt. „Weil es Spaß macht, mit Kindern zusammenzuarbeiten“, sagt er, „und ihnen den Spaß zu ermöglichen, den sie hoffentlich haben.“

Seit gestern hat der Alltag Einzug gehalten, und der bedeutet auch fünf Tage Arbeit. 80 Arbeitsplätze stehen zur Verfügung, darunter auch die Robo-Technik. Diese Jobs hat die Technische Uni Harburg eingerichtet. Bis Freitag stehen jeweils zwei Mal zwei Stunden Arbeit täglich auf dem Programm. Dafür gibt es in einer neuen Währung 50 Stormark Stundenlohn. Das mag viel klingen. „Aber wir haben hier einen Steuersatz von 36 Prozent“, erklärt Uwe Sommer. Federführend ist dabei als Projektleiter Ansgar Büter-Menke. Auch die selbst hergestellten Produkte sind nicht ganz billig. „Ein Glas Marmelade kostet etwa 30 Stormark“, sagt Sommer.

Seit 1923 gebe es damit jetzt zum zweiten Mal eine eigene Stormarner Währung, sagt er. Damals gab der Kreis während der Inflation eigenes Notgeld heraus. Die Stormark hat die frühere Stormini-Währung Kauri-Muscheln abgelöst. „Das ist praktischer und erleichtert das Differenzieren“, sagt Sommer. 50 000 Geldscheine wurden dafür auf Spezialpapier gedruckt, es gibt sie in Einheiten von einer, zwei, fünf, zehn, 20 und 50 Stormark. Insgesamt sind Stormarks im Nennwert von 445 000 Einheiten im Umlauf. Die Kinder können einen Teil ihres Lohns auch sparen und bei der Sparkasse einzahlen.

Die Freizeit hat aber den gleichen Stellenwert wie die Arbeit. „Kultur (er-)leben“ lautet das Motto dieses Mal. Auftritte von Künstlern sind geplant, sie arbeiten hier als Schauspieler, Gaukler, Gesangscoach und Musiker und geben darin Unterricht. Die Kinder können ein eigenes Kunst-Repertoire einstudieren – und Bands sind geplant.

Nach Ahrensburg 2013 ist jetzt Glinde im Südkreis der Schauplatz. Für die 240 Kinder arbeiten mit über 200 Personen fast die gleiche Anzahl an Teamern und Betreuern. Das weitläufige Schulgelände (62 000 m²) mit 60 Zelten, zwei Bühnen und zwei weiteren Zirkuszelten ist nahezu hermetisch abgesperrt.

Noch etwas unsicher stehen Linn und Leila am Empfang. Leila ist mit ihrer Mutter Alena Becnel aus Kalifornien zu Besuch im Kreis. Sie wohnen bei deren Freundin Claudia Kähler in Bad Oldesloe. Und jetzt wohnen Linn und Leila eine Woche in Glinde und probieren das Camp-Leben aus. Sie sind in der Pippi-Langstrumpf-Gruppe gelandet. „Der Name passt zu den beiden“, schmunzelt Claudia Kähler. Und zur Sicherheit seien auch die beiden großen Brüder der Mädchen mit von der Partie.

Mit 58 000 Euro hat der Kreis den Löwenanteil zur Finanzierung beigesteuert. 10 000 Euro kommen von den Stiftungen der Sparkasse Holstein. Damit wurde das Demokratie-Spiel gesichert. Die Förderung durch EU-Mittel lief im vergangenen Jahr aus und das Stormini-Schicksal stand damit auf Messers Schneide.

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