Jedes vierte Kind patzt beim Einschulungstest

Mediziner besorgt: Starke Auffälligkeiten bei Sprache, Motorik, Verhalten und Gewicht

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14. Mai 2013, 03:59 Uhr

Lübeck/Kiel | Fast jedes vierte Kind in Schleswig-Holstein zeigt in seinen ersten sechs Lebensjahren schon Auffälligkeiten beim Körpergewicht, der Motorik, Sprache oder im Verhalten. Gut 45 Prozent aller Vorschulkinder sind deshalb in Behandlung beim Logopäden, Physio- oder Ergotheraputen oder erhalten eine Förderung im Bereich der Heilpädagogik. Dennoch stellten die Ärzte bei den Schuleingangsuntersuchungen für das laufende Schuljahr bei 21 Prozent aller Abc-Schützen noch Verhaltensauffälligkeiten fest, bei 13,8 Prozent Sprachauffälligkeiten und 14 Prozent haben motorische Probleme.

Alarmierende Ergebnisse: Dennoch bleibt die Lübecker Uni-Professorin für Kinder- und Jugendmedizin Ute Thyen, die seit Jahren die Statisik bei den Schuleingangstests im Norden analysiert, zuversichtlich. "Die Lage hat sich gegenüber der Untersuchung vor zwei Jahren nicht verschlechtert", sagte sie gestern unserer Zeitung. Es gebe sogar "einen hauchdünnen Hinweis, dass die Präventionsprogramme greifen". So seien bei der Untersuchungen weniger übergewichtige Kinder aufgefallen als zuvor.

Die Zahl der Schulanfänger mit motorischen Auffälligkeiten sei von 16,7 Prozent im Schuljahr 2010/2011 auf 14 Prozent zurückgegangen. Der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen ist gravierend. Beim Hüpfen und Balanciertest fielen 20 Prozent der Jungen, aber nur 7,6 Prozent der Mädchen durch. Bei jedem dritten im letzten Jahr eingeschulten Kind waren die motorischen Probleme so gravierend, dass niedergelassene Kinderärzte eine Therapie beim Ergo- oder Physiotherapeuten verschrieben. Zudem gibt es starke regionale Unterschiede. In Flensburg liegt der Anteil der Jungen, die mit Förderbedarf eingeschult werden, bei 43,6 Prozent. In der Hansestadt Lübeck sind es nur 8,8 Prozent. "Wir haben es mit extrem unterschiedlicher Handhabung des Schulgesetzes zu tun", sagt Ute Thyens. So gehe man in Lübeck davon aus, dass die Schule so gut ausgestattet ist, dass auffälligen Kindern mit Bordmitteln geholfen werden kann. In Flensburg hingegen arbeite man hoch engagiert und habe eine andere Problemlösungskultur. Dort werde jede Auffälligkeit sorgfältig dokumentiert und nicht auf die Kosten geschaut. Wichtig sei es, durch "noch präziseres Hinsehen in Kita und Schule" dafür zu sorgen, dass Präventionsmaßnahmen gezielt den Kindern zugute kommen, die es nötig haben. Und das sind vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien und solchen mit Migrationshintergrund.

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