Jeder vierte Kurzarbeiter in Schleswig-Holstein ist "ein Stormarner"

Der rote Fleck im Norden: Der Agenturbezirk Bad Oldesloe ist am stärksten von Kurzarbeit betroffen. Je heller die Bezirke sind, desto geringer ist der Anteil der Kurzarbeiter an allen Beschäftigten.
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Der rote Fleck im Norden: Der Agenturbezirk Bad Oldesloe ist am stärksten von Kurzarbeit betroffen. Je heller die Bezirke sind, desto geringer ist der Anteil der Kurzarbeiter an allen Beschäftigten.

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03. Juni 2009, 09:47 Uhr

Bad Oldesloe | Klar ist: Stormarn ist die Hochburg der Kurzarbeit im Norden. In einem bundesweiten Vergleich landet nur der Bezirk der Oldesloer Arbeitsagentur im "roten Bereich", in dem mehr als vier Prozent aller Beschäftigten reduziert arbeiten. Und es sind fast nur Stormarner und kaum Lauenburger Betriebe, in denen kurz gearbeitet wird, so dass der Anteil im Kreis vermutlich eher bei acht und mehr Prozent liegen dürfte.

Wie viele es genau sind, kann aber auch die Agentur nicht sagen. Die letzte verlässliche Zahl ist die Quartalsmeldung der Betriebe im Bezirk. Danach waren im März 5 080 Beschäftigte in 124 Unternehmen betroffen. Zum Vergleich: Im März 2008 waren es 29.

Die ersten Unternehmen hatten im Oktober Kurzarbeit angezeigt. Im Januar waren die Zahlen explodiert. Für fast 3000 Beschäftigte meldeten die Firmen Kurzarbeit an. Von Februar bis April kamen jeden Monat zwischen 1500 und 1650 Betroffene hinzu. Allerdings sind das nur die Anzeigen. Wie viele Firmen ihre Leute tatsächlich in Kurzarbeit schicken und ob nur zehn oder 100 Prozent weniger gearbeitet wird, weiß man bei der Agentur nicht. Eine Zahl steht allerdings: "Bis April habe wir 4,55 Millionen Euro Kurzarbeitergeld ausgezahlt", sagt Rainer Muhl, der seit 20 Jahren im Arbeitgeberservice tätig ist und so etwas auch noch nicht erlebt hat: "Zurzeit schlägt das Thema Kurzarbeit alles andere. Alle Branchen und Betriebe jeder Größe sind betroffen."

Besonders allerdings Zulieferer für die Automobilindustrie, Maschinenbau. Metallbearbeitung, Gummi und Kunststoffwaren. Die starke Stellung, die Stormarn als Standort des produzierenden Gewerbes hat, macht den Kreis nun zur Hochburg in der Kurzarbeit. Fast jeder vierte Kurzarbeiter in Schleswig-Holstein ist bei der Oldesloer Agentur gemeldet.

Dr. Heike Grote-Seifert, Chefin der Oldesloer Arbeitsagentur, und Klaus Faust, der Geschäftsführer operativ, sehen die Zahlen aber nicht nur negativ: "Es zeigt ja, dass die Firmen ihre Leute möglichst nicht entlassen, sondern halten wollen. Ein Arbeitgeber hat ja keinen Vorteil von der Kurzarbeit. Sie macht nur Sinn, wenn er davon ausgeht, dass es wieder bergauf geht und er die Mitarbeiter wieder braucht." Und dass die Kurzarbeit nur vorübergehend nötig ist, "muss uns das Unternehmen schon erklären", sagt Rainer Muhl.

Die Daten für den Mai liegen noch nicht endgültig vor, nach einer Hochrechnung ist die Zahl der Neuanzeigen und der betroffenen Arbeitnehmer im vergangenen Monat aber erstmals seit Oktober wieder rückläufig. Ob das einen Trendwende ist oder ob einfach nur in fast allen Betrieben schon kurzgearbeitet wird, lässt sich nicht aus der Statistik herauslesen. Kurzarbeit kann für 18 Monate beantragt werden, abrechnen müssen die Betriebe drei Monate im Nachhinein.

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