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Stormarner Wochenschau : Jeder Neuanfang ist ein Ende

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Personalnot im Rathaus, Stimmung im Kirchenvorstand und Angst vor Zwangsfusionen in den Ämtern ... diese Woche war wieder was los.

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erstellt am 29.Apr.2017 | 08:00 Uhr

Weiterbildung

Mit Millionenaufwand wurde das historische Rathaus saniert. Das Trauzimmer im Obergeschoss ist ein echtes Schmuckstück geworden, dort zu heiraten ist bestimmt schön. Wenn man es denn kann. Längst nicht jeder wird in den Genuss kommen, dieses Ambiente erleben zu dürfen. „Oldesloe first“ hat die Stadtverwaltung jetzt sinngemäß als Motto ausgegeben. Aber nicht, um wie beim amerikanischen Original größer und stärker zu werden, sondern schlicht, um das Scheitern zu verdecken. Der Kreisstadt gehen die Standesbeamten aus, die Lage ist schon so schlimm, dass tageweise geschlossen werden muss. Da ist es logisch, alle Arbeit abzulehnen, die nicht unbedingt sein muss. Dazu zählt offenbar das Trauen von Auswärtigen.

Rettung naht, denn Bürgermeister Jörg Lembke will schnellstmöglich eine Fortbildung belegen, um selber trauen zu können. Da fragt man sich doch zwangsläufig, ob so ein Bürgermeister nichts anderes – wichtigeres – zu tun hat? Aber wenn im Fortbildungsetat noch Geld ist, kann er sich ja auch gleich zum Sozialpädagogen ausbilden lassen, mit der Vorbildung als Polizist sicher ein Klacks, ein Architekturstudium nachschieben und etwas handwerkliches lernen. Das Standesamt ist nämlich längst nicht die einzige Baustelle in der Oldesloer Verwaltung. Es brennt an allen Ecken und Enden. Ob Jugendbereich oder Bauamt – überall fehlt Personal, teils sogar dramatisch viel.

Die Stadt senkt dadurch übrigens ihren Personaletat ungemein. Und vielleicht spart sie in Zukunft ja noch mehr, weil immer mehr Mitarbeiter die Flinte hinwerfen und sich bei anderen Verwaltungen bewerben. Dann hätte sich die Stadt zu Tode gespart.

Fusion

Mit Ermächtigungsgesetzen und Zwangsfusionen haben Deutschland im Allgemeinen und Stormarn im Besonderen negative Erfahrungen gemacht. Solche Vergleiche wollten die Amtsvorsteher nicht ziehen, denn noch geht es nur um Verwaltungsgemeinschaften zwischen Stadt und Amt. Die kann der Innenminister seit 2016 anordnen. Zwar hatte sich der Gemeindetag dagegen ausgesprochen, man ließ sich aber von der Aussage beruhigen, dass man die Amtsordnung ja nur geändert habe, weil es im Koalitionsvertrag vereinbart war, man habe aber nicht die Absicht, es jemals anzuwenden. Das jemals geht gerade zu Ende, denn in einer Woche wird gewählt – und wenn SSW und Grüne als Mehrheitsbeschaffer gebraucht werden – wer könne wissen, was dann im neuen Koalitionsvertrag steht. Den Stormarner Amtsvorstehern geht es nicht um Zusammenarbeit. In Trittau haben Gemeinde und Amts eine gemeinsame Verwaltung. Das war aber freiwillig, und man begegnet sich auf Augenhöhe. Das wäre unter Zwang anders. Die Amtsvorsteher, die alle auch Bürgermeister in ihren Dörfern sind, sehen weder strukturelle noch finanzielle Vorteile. Im Gegenteil: Je größer die Verwaltungseinheit, desto mehr beschäftigt sie sich mit sich selbst, wissen einige von ihnen, denn sie arbeiten selbst in großen Verwaltungen. Vor allem fürchten sie aber um das ehrenamtliche Engagement, das einen wesentlichen Teil des Dorflebens ausmacht. Wenn das zusammenbricht – wie es bei Großgemeinden in anderen Bundesländern der Fall war – sei der Weg zu Gebietsreformen vorgezeichnet. Und warum sollten die Regierenden das wollen? Weil auf den meisten Dörfern Wählergemeinschaften das Sagen haben, die sich nicht um Parteiideologie scheren. In Stadtparlamenten sieht das anders aus, und genau darum würde es vor allem den kleinen Parteien gehen. Zwar hat niemand die Absicht, eine Fusion anzuordnen oder eine Mauer zu bauen, aber die Partei, die hat immer recht.

 

Kreuzweg

Nach Jahren der Krise scheint die Ahrensburger Kirchengemeinde die Kurve gekriegt zu haben. Als wenn die Missbrauchsfälle der 70er und 80er Jahre und deren Aufarbeitung nicht schon gereicht hätten, war auch noch die St. Johanneskirche geschlossen worden. Seit Jahren war das Klima deshalb von Misstrauen und gegenseitigen Vorwürfen geprägt. Seit Januar ist ein neuer, gewählter Kirchengemeinderat im Amt, der das vom Kirchenkreis eingesetzte Beauftragtengremium ersetzt. Aufklärer in den Missbrauchsfällen und Verfechter von St. Johannes sind dort gut vertreten, die Streitigkeiten hätten also nahtlos weitergehen können. Tun sie aber nicht. Das neue Gremium hat sich zusammengefunden und – wie es scheint – die Lasten der Vergangenheit erstmal abgelegt. Nicht um sie hinter sich zu lassen, sondern um vorwärts gehen zu können. Auch das Verhältnis zum Kirchenkreis, der in Ahrensburg durch Probst Buhl vertreten wird, hat sich in kürzester Zeit ziemlich entspannt. Nach 100 Tagen ist es sicherlich zu früh für eine Erfolgsbilanz, aber der Neuanfang ist gelungen und die Kirchengemeinde auf einem guten Weg.

 

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