Stormarner Wochenschau : Jeder leistet so seinen Beitrag

 Karikatur: Megi Balzer
Karikatur: Megi Balzer

Kritische Betrachtungen zum Wochenausklang

shz.de von
03. März 2018, 08:00 Uhr

Pirouetten

 Der Wolf, der jüngst über das Eis des Lütjensees pirschte – und vielleicht sogar dort einige Pirouetten drehte, wie unsere Karikaturistin es darstellt – ist ja eigentlich ein Fuchs. Bei manchen Landwirten und Jägern nicht wohl gelitten, kämpft er immer noch mit dem märchenhaften Image des großmütter-und-geißlein-verschlingenden Monsters. Gut, heute sind es weniger die Großmütter, auf die er es abgesehen hat, aber Geißlein, Lämmchen und wohl auch Rehkitz hat er immer noch auf dem Speisezettel. Was Landwirt und Jäger verständlicherweise gegen ihn einnimmt. So versucht er mit allen Tricks bei uns wieder Fuß zu fassen. Das bringt mich wieder zu meiner Eingangsthese: Auf dem anfangs der Woche noch brüchigen Eis des Lütjensees musste er keinerlei Verfolger fürchten. Schließlich warnen Ordnungsämter und Feuerwehren auch jetzt noch vor dem Betreten der Eisflächen. Wie gesagt, der Wolf ist eben ein schlauer Fuchs.

Grund-Los

An einigen Stellen in Bad Oldesloe können „Bedürftige“ jetzt gratis einen Becher Kaffee bekommen – mit einem Kaffee-Bon, den andere Kunden gekauft und an eine kleine Pinnwand geheftet haben. So weit, so gut. Aber was soll das für eine Begründung sein? „Kaffeetrinken ist in Deutschland ein Teil unserer Gemeinschaft und darum ein Grundrecht.“ Da stellt sich die Frage: Und was ist mit Tee? Aber mal ernsthaft: Grundrechte sind vor allem Abwehrrechte gegenüber dem Staat und gewähren dem Bürger einen gewissen Rechtsschutz gegen Willkür. Kaffee mag man ebenfalls als eine historische und kulturelle Errungenschaft betrachten, aber man kann auchganz gut ohne leben.

Zeit-Frage

Dass Zeit relativ ist, weiß man dank Albert Einstein. Und jeder kennt es aus seinem Alltag, dass sich Zeit unendlich zieht, wenn man auf etwas wartet. Und schnell vorbei geht, wenn man etwas Schönes erlebt. Etwas seltener kommt das unterschiedliche Zeitempfinden bei Gemeindevertretersitzungen zum Tragen. Einige Anwohner kamen kurz in der Einwohnerfragestunde zu Wort, sagte Hoisdorfs Bürgermeister Dieter Schippmann auf Nachfrage. Die Fragestunden sind auf 15 Minuten angelegt. Wenn es kurz war, hätte es nach zehn Minuten vorbei sein müssen. In Hoisdorf zog das sich aber mehr als eine Stunde hin. Und „einige Anwohner“ waren auch mehr als 50 Betroffene, die vom Bürgermeister wissen wollten, warum sie für den Ausbau von Oetjendorfer Kirchenweg, Lunken oder Bornbeck zahlen sollen, wo die Landesregierung die Beitragspflicht für Kommunen doch gerade abgeschafft und Hoisdorf noch nie Beiträge verlangt habe, auch nicht bei der Sanierung des Schwarzen Wegs vor wenigen Jahren. Durfte die Gemeinde darauf verzichten? Und darf sie heute Beiträge einfordern, ohne gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz zu verstoßen? Antworten auf diese und noch mehr Fragen fordern die Anwohner auch schriftlich von der Amtsverwaltung.

Das Thema beschäftigt nicht nur die Hoisdorfer. Auch die Ahrensburger Stadtverordneten diskutierten kontrovers über die Verlängerung der Satzung. Die Mehrheit stimmte dafür, auch wenn die CDU einräumte, im Wahlprogramm selbst die Abschaffung gefordert zu haben. Der WAB, die den Antrag gegen eine Verlängerung gestellt hatte, wurde Populismus vorgeworfen, und dass sie einen realitätsfernen desaströsen Antrag gestellt habe, der zudem nicht zulässig sei, weil er keinen Vorschlag zur Gegenfinanzierung enthalte. Das erklärt sich in doppeltem Sinne mit der anstehenden Wahl. Klar stimmt es, dass man mit einer langfristigen Entscheidung der neuen Stadtverordnetenversammlung nicht vorgreifen sollte. Erst recht nicht, so lange die finanziellen Folgen nicht geklärt sind. Aber: Natürlich hätte man das lange klären können, wenn man gewollt hätte. Erst nachdem die CDU kurzfristig angefragt hatte, lieferte das Rathaus Zahlen. Und die geben der WAB Recht. 130 000 Euro hat Ahrensburg seit 2003 durchschnittlich pro Jahr an Ausbaubeiträgen kassiert. Das ist ungefähr ein Drittel dessen, was die Schlossstadt durch die Senkung der Kreisumlage spart. Zudem erwartet man rund 500 000 Euro zusätzlich für Infrastrukturprojekte. Am Geld kann die Abschaffung der Ausbaubeiträge also kaum scheitern. Also handelte man in Ahrensburg nach dem Motto „Und wenn ich nicht weiter weiß, dann gründe ich einen Arbeitskreis.“ Aber das so schnell wie möglich.

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