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Stormarner Tageblatt

19. August 2017 | 11:51 Uhr

"Jede noch so kleine Chance nutzen"

vom

37-jährige Bargfelderin spendete Stammzellen für US-Kind nach großer Typisierungsaktion in Reinfeld

Reinfeld/Bargfeld | Was für ein Erfolg: Am 15. Dezember vergangenen Jahres hatten sich in Reinfeld 1615 Menschen als potenzielle Stammzellspender in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufnehmen lassen. Sie wollten die Überlebenschancen für Blutkrebs patienten wie Nico verbessern. Auch wenn der es leider nicht geschafft hat, eine Teilnehmerin konnte inzwischen tatsächlich als genetischer Zwilling für eine Patientin gefunden werden: Katja Schwarze aus Bargfeld-Stegen spendete jetzt Stammzellen und ermöglichte dadurch einem kleinen Kind aus den USA die Chance auf Leben.

Das Schicksal von Nico aus Reinfeld bewegte vor einem halben Jahr die Region. "Im Dezember 2012 haben meine Tochter und ich mich bei dem Spendenaufruf für den kleinen Nico registrieren lassen. Durch den Krebstod meines Vaters 2008 wurde uns nochmals bewusster, wie schwer der Kampf gegen Krebs ist und dass jede noch so kleine Chance genutzt werden muss", sagt Katja Schwarze.

Nur wenige Monate nach der Aktion erfuhr sie, dass ihre Gewebemerkmale nahezu hundertprozentig mit denen eines Patienten übereinstimmen und berichtet vom schönen Gefühl, jemandem im schweren Überlebenskampf helfen zu können. Nach Betreuung im Vorfeld und einem Gesundheitscheck in der Entnahmeklinik in Dresden bekam die 37-Jährige ein Medikament, welches sie sich über ein paar Tage unter die Haut spritzte. Dieser hormonähnliche Stoff, der vom Körper zum Beispiel auch bei fieberhaften Infekten produziert wird, stimuliert die Produktion von Stammzellen und bewirkt deren Ausschüttung ins Blut. Mit einem speziellen Verfahren werden sie herausgefiltert.

"Schmerzen hatte ich nicht wirklich. Die Spritzen für die Stammzellmobilisierung waren etwas unangenehm. Ich hatte dadurch etwas Probleme mit meinem Kreislauf aber durch die telefonische ärztliche Betreuung aus der Klinik bekamen wir das schnell in den Griff. Zusätzlich organisierten die Ärzte schnell eine mobile Krankenpflege, die das Spritzen für die restlichen Tage betreute. Das bisschen Rückenschmerzen war auch erträglich", berichtet die Spenderin weiter.

Für wen die Spende ist, erfuhr sie erst danach. Es handelt sich um ein kleines dreijähriges Mädchen in den USA. "Ich würde es auf jeden Fall wieder tun. Wenn die Zeit gekommen ist, würde es mich freuen, die Kleine kennen zu lernen. Ich hoffe sehr, dass sie den Kampf gegen den Krebs gewinnt." Das Kennenlernen muss etwas warten, auch weil es eine Anonymitätsfrist von zwei Jahren gibt.

Die Stormarnerin richtet sich mit einem Denkanstoß an ihre Mitmenschen: "Wovon ich sehr überrascht und

enttäuscht war, dass doch viele Menschen um mich herum sich mehr Gedanken darum machten, warum man dafür kein Geld bekommt und ob da nicht irgendwelche Ärzte groß Kasse machen würden. Sorry, aber ich kann diesen Gedanken nicht folgen. Es macht mich traurig, wie viele Menschen darüber nachdenken und sich deswegen nicht registrieren lassen. Für mich ist es am wichtigsten, wenigsten versucht zu haben, jemanden die letzte Chance im Kampf gegen den Krebs zu ermöglichen. Für das bisschen Aufwand und ein paar schöne Tagen in Dresden mit meiner Tochter muss ich kein Geld bekommen."

"Wir freuen uns, dass aus der Aktion schon eine Spenderin hervorgegangen ist", so Nicos Tante Bente Eggert, die Hauptinitiatorin der Aktion. "Die Hilfsbereitschaft der Menschen hier hat uns damals unglaublich viel Kraft gegeben und ich freue mich, dass nun vielleicht anderen Menschen dadurch geholfen werden kann." Weitere Infos unter: www.dkms.de

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erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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