Jahrbuch: Geschichte neu schreiben

Sie stellten das neue Jahrbuch für den Kreis vor: Joachim Wergin, Verlegerin Hiltrud Tiedemann, Burkhard von Hennigs, Oliver Mesch und Helmuth Peets.  Foto: Blase
Sie stellten das neue Jahrbuch für den Kreis vor: Joachim Wergin, Verlegerin Hiltrud Tiedemann, Burkhard von Hennigs, Oliver Mesch und Helmuth Peets. Foto: Blase

Das 31. Heft der Stormarn-Reihe ist nicht nur das erste in Farbe, es entlarvt auch die Quelle zum Mimes Saxoniae als Fälschung

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15. November 2012, 08:07 Uhr

Bad Oldesloe | Das 31. Jahrbuch für den Kreis Stormarn schickt sich an, die Geschichtsschreibung zum Limes Saxoniae zu revolutionieren. Auf 15 Seiten entlarvt der Großhansdorfer Mittelalter-Experte Günther Bock das Schriftstück als Fälschung, das den Limes als karolingischen Schutzwall vor den slawischen Abodriten beschrieb, der von Hornbek über Nütschau bis an die Kieler Förde reichte.

1075 schrieb Adam von Bremen in seiner Kirchenchronik die angeblich von Karl, dem Großen, vorgenommene Grenzziehung auf. In Wirklichkeit, so Bock, ging es dem Bistum Hamburg-Bremen aber darum, sein Gebiet gegenüber dem Bistum Ratzeburg auszuweiten, aus dem Steuern flossen. Bock, der im Arbeitskreis für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holstein mitarbeitet: "Der Limes Saxoniae hat weder etwas mit den Verhältnissen zu Zeiten Karls des Großen zu tun noch mit denen unter Kaiser Otto dem Großen anderthalb Jahrhunderte später."

"Die über 100 Jahre vertretene Meinung findet sich nicht nur in Ortschroniken wieder, sondern hat auch unreflektiert Eingang in die Landesgeschichte gefunden. Die Professoren müssen sich nun fragen, ob das stimmt, was sie immer geschrieben haben", ist der ehemalige Kreisdenkmalpfleger Burkhard von Hennigs gespannt, ob die Geschichte in diesem Punkt neu geschrieben wird.

Bocks Abhandlung ist einer von 25 längeren und kürzen Texten im neuen Jahrbuch, das im 31. Jahr erstmals in Farbe daherkommt, aber weiter 15 Euro kostet. Ins 9. und 12. Jahrhundert zurück geht auch Dr. Martin Schröder, der die Geschichte des einst bedeutenden Zisterzienserklosters Reinfeld aufgearbeitet hat. Der Aufsatz ist ein Kapitel aus seiner fast 1300 Seiten starken Dissertation.

Den Umbau von Schloss Ahrensburg unter Schimmelmann beschreibt Antonia Neumann, die aktuelle Sanierung Dr. Tatjana Ceynowa, und Thomas Dempwolf stellt die aufwändige Restaurierung des Tafelaufsatzes vor, ein Einzelstück im Louis-Seize-Stil. Die Gartenarchitektin Mareile Ehlers erzählt die Geschichte des Gartens Wulfriede, in dem sich heute die Parkklinik Großhansdorf befindet.

Der gebürtige Oldesloer Jan Anger hat sich in seiner Magisterarbeit dem Oldesloer St. Jürgen Hospital befasst. Marianne Blenkers fand die Geschichte des Oldesloe Ratskellers interessant, und Dr. Axel Lohr zeichnet das Leben von Friedrich Bölck nach, der vom Kleinbürger zum erfolgreichen Industriellen aufstieg, um den sich viele Legenden ranken.

"Er war Erfinder dessen, was man heute Corporate Identity nennt, er hat Rabattmarken zur Kundenbindung eingeführt und seine Mitarbeiter beteiligt", sagt von Hennigs, der selbst mehrere denkmalgeschützte Gebäude im Kreis Stormarn vorstellt.

Joachim Wergin musste bei seiner Recherche über die Erbhöfe in Großhansdorf feststellen, das sich in den Archiven fast nichts aus der nationalsozialistischen Zeit finden lässt. Das ist bei der Stormarnschen Schweiz anders. Sie war Anfang des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsziel. Oliver Mesch beschreibt ihre touristische Bedeutung.

Alle Autoren sind Mitglied im Heimatbund oder schreiben ehrenamtlich, aber "ohne die Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung wäre das trotzdem nicht zu wuppen", sagt Kreisvorsitzender Helmuth Peets. In seinem Jahresbericht schreibt er, warum der Heimatbund Stormarn jetzt offiziell so heißt, wie er meistens genannt wurde.

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