Jäger heißen Wolf willkommen ...

Kreispräsidentin Christa Zeuke erhielt vom Kreisvorsitzenden Hans-Joachim Herrmann ein Abschiedsgeschenk, den 'Jagd-Knigge'. Sie kandiert im Mai nicht wieder. Foto: meier
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Kreispräsidentin Christa Zeuke erhielt vom Kreisvorsitzenden Hans-Joachim Herrmann ein Abschiedsgeschenk, den "Jagd-Knigge". Sie kandiert im Mai nicht wieder. Foto: meier

... sehen Waschbär und Marderhund aber keineswegs gern im Revier / Präsent für Kreispräsidentin bei Jahreshauptversammlung

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22. April 2013, 03:59 Uhr

Tremsbüttel | Die Wölfe kommen zurück und die Jägerschaft sieht darin kein Problem. "Wir haben nichts gegen den Wolf", sagte Kreisjägermeister Klaus Klemm: "Wenn er kommt, ist das in Ordnung." Er sprach auf der gut besuchten Jahreshauptversammlung der Stormarner Jägerschaft in der Kupfermühle Rohlfshagen. Andere Eindringlinge werden hingegen nicht so gern gesehen, die auch ganz im Gegensatz zum Wolf hier bisher nie heimisch waren.

So breitet sich der Waschbär weiter aus. "Im vergangenen Jagd-Jahr wurden sieben Tiere erlegt, im Vorjahr nur drei", sagte der Kreisjägermeister in seinem Streckenbericht. Noch stärker ist der Marderhund in Stormarn vertreten. Hier beläuft sich die Jagdstrecke bereits auf 222 Tiere, 46 mehr als im Vorjahr. Das Jagd-Jahr endet jeweils am 31. März.

Marderhund und Waschbär sind eine Bedrohung für die heimischen Tierarten. Insbesondere Vögel leiden darunter, weil ihre Brut oder Jungtiere gefressen werden. Die Jägerschaft versteht sich zunehmend als Anwalt für den Naturschutz. Auch deshalb herrscht bei ihr Unverständnis, dass die Saatkrähen noch immer unter Schutz stehen. "In Dänemark werden jährlich 100 000 Saatkrähen geschossen", so Kreisvorsitzender Hans-Joachim Herrmann.

Deutlich gestiegen ist Zahl erlegter Füchse. "Die Bodenbrüter werden uns das danken", sagte Klemm. Schalen und Rehwild kämen mit den veränderten Umweltbedingungen gut zurecht. "Die Trophäen zeigen, dass viel heranwächst", sagte er. Weniger käme das Niederwild damit zurecht.

Vor einigen Wochen wurde ein Wolf bei Siek auf der Autobahn 1 überfahren. "Es war ein elf Monate alter Rüde", so der Wolfsbeauftragte des Verbands, Ralf Borchers. Bereits 2007 war ein Tier bei Süsel überfahren worden. Im vergangenen August wurde auch im Kreis Segeberg ein Wolf dokumentiert. "Er wurde durch eine Fotofalle und DNA-Spuren konkret nachgewiesen", so Borchers. Auch im Kreis Steinburg mehrten sich Hinweise auf einen Wolf, möglicherweise handele es sich um das gleiche Tier.

Unsicherheit herrscht noch, wie die Jäger mit so einem verletzten Tier umgehen sollen. Die gesetzlichen Grundlagen dafür fehlten noch, so Borchers: "Sollen wir ihn retten oder erlösen, wenn er angefahren wurde?" Er empfahl allen Waidleuten, sich die Erlaubnis schriftlich geben zu lassen und das auch im Unfallbericht vermerken zu lassen. "Wölfe sollten wie die Seeadler ins Jagdrecht übernommen werden, damit sie ausdrücklich geschützt sind", sagte Borchers. Hermann forderte in diesem Zusammenhang endlich die Herstellung einer Passage für das Wild über die A 1: "Dieser Maut-Bringer braucht endlich eine Querung, denn zwischen Hamburg und Lübeck gibt es bisher nichts."

Auch das drakonische Fütterungsverbot verstehen sie nicht. "In diesem März hätte man eine Notzeit ausrufen müssen", so Jäger Hans-Jürgen Wriggers. In seinem Stemwarder Revier habe im März eine 45 Zentimeter hohe Schneedecke gelegen, viel Rehwild sei an Hunger verendet. "Man sollte die Verantwortung dafür den Revierpächtern überlassen", kritisiert er. Auch die Einführung bleifreier Munition im kommenden Jahr beschäftigt das Jäger-Volk. Die Alternative überzeugt viele nicht: "Das Abprall-Verhalten ist anders, wir haben deshalb große Bedenken", so Torsten Seehase. "Die Stopp-Wirkung ist anders, das Wild hat längere Fluchtstrecken", kritisiert Herrmann.

An der Jahreshauptversammlung nahm auch Kreispräsidentin Christa Zeuke teil, die mit einem Geschenk bedacht wurde. Da sie im Mai nicht wieder kandidiert und ausscheidet, erhielt sie den "Jagd-Knigge".

Kreisjagdverband hat einen neuen Web-Auftritt: www.kjs-stormarn.de

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