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Finanzprobleme : Ja zu Inklusion an den Schulen, aber wer bezahlt?

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jedes Kind hat das Recht, die gleiche Bildung zu erhalten wie alle anderen. Daraus folgte die grundsätzliche Abschaffung der Förderzentren und damit das grundsätzliche Recht, die Schule seiner Wahl zu besuchen.

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erstellt am 18.Okt.2013 | 06:30 Uhr

Statt getrennter Schulen ist Inklusion angesagt: Jedes Kind hat das Recht, die gleiche Bildung zu erhalten wie alle anderen, lautet das politische Credo. Gesetzgeberisch folgte daraus die grundsätzliche Abschaffung der Förderzentren – der früheren Sonderschulen – und damit einhergehend das grundsätzliche Recht, die Schule seiner Wahl zu besuchen.

Was an Schulen, in denen das schon länger praktiziert wird, funktionieren mag, sorgt insgesamt für große Probleme. Weder personell noch räumlich oder ausstattungsmäßig sind sie auf Kinder mit sozialen, körperlichen oder geistigen Defiziten eingestellt.

An der Oldesloer Ida-Ehre Schule, ist das anders. In der ehemaligen IGS gibt es seit langem Klassen mit Behinderten, die „zielgleich unterrichtet“ werden. Das läuft auch wegen technischer Hilfsmittel wie Gehilfen oder Mikrofonen „weitgehend gut“, so IES-Rektor Andreas Bielke. Und wenn es funktioniere, gebe es „auf beiden Seiten soziale Lerneffekte“ und einen „großen Gewinn für die anderen Kinder.“

Bielke unterscheidet allerdings zwischen diesen Integrations- und Inklusions-Klassen mit ehemaligen Förderschülern: „Das ist die Herausforderung, sie alle in einer Klasse zu unterrichten.“ Pro Inklusionskind werden pro Woche 1,5 bis zwei Lehrerstunden gewährt. Allerdings ist das nicht zusätzlich: Es handelt sich um Stunden von den Förderzentren, die auf die Schulen umgelegt wurden. Das mag an der Oldesloer Ida-Ehre Schule ausreichen, weil es dort vier Integrationsklassen gibt und die Fachpädagogen im Haus bleiben können. Andernorts müssen die Lehrer zwischen verschiedenen Schulen pendeln.

Die gleiche Lehrerzahl und dezentraler Einsatz: Insider bezeichnen diese Zusatzstunden als „Witz“, das System Schule könne so überhaupt nicht mehr funktionieren. „Es ist nicht zu Ende gedacht“, sagt auch Wilfried Hegermann. Als Leiter der Kreisjugendamts bekommt er die Auswirkungen durch immer mehr Anträge auf Eingliederungshilfe zu spüren: Weil die Schulen überfordert sind, wird ein Schulbegleiter angefordert. Dafür ist die Eingliederungshilfe überhaupt nicht gedacht, trotzdem muss der Kreis reagieren – und bezahlen, „damit überhaupt eine Beschulung einzelner Kinder erfolgen kann.“

So steht es in der Sitzungsvorlage für den Jugendhilfeausschuss, der sich am kommenden Montag, 21. Oktober, um 19 Uhr im Raum D 132 der Mommsenstraße 11 damit befasst, dass die Sozialleistungsträger einspringen müssen, weil es „bei weitem nicht ausreichend“ ist, was die eigentlich Verantwortlichen im Bildungssystem zur Verfügung stellen.

Für pädagogisches Personal ist das Land zuständig, Schulträger wie Gemeinden und Ämter „allenfalls für unterstützendes Personal“, sagt Hegermann. Dass vom Land zu wenig kommt, weiß auch der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat. „Inklusion ist sicher die Herausforderung der nächsten Jahre. Kann das ohne eine Beteiligung des Bundes bewältigt werden?“, fragt der Barsbütteler, der als ehemaliger Lehrer ein Idealbild hat: „Schule soll ein aktiver Lehr- und Begegnungsort sein, mit bester Förderung aller, mit hervorragend qualifizierten Pädagogen, guten Freizeitangeboten und einer attraktiven Vernetzung mit Vereinen, Kulturträgern, Jugendhilfe und Jugendarbeit.“

Die Realität sieht ganz anders aus. Mit der gegenwärtigen Praxis werde man „den guten Schülern nicht gerecht und den anderen auch nicht“, sagt die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Ulrike Stentzler (CDU). Und Stormarns Landrat Klaus Plöger (SPD) sieht es ähnlich: „Mein Eindruck ist, dass es weder für die Behinderten noch für die anderen gut ist – und auch nicht zu bezahlen.“ Der Kreis Stormarn könne aus seinem Sozialetat nicht Aufgaben bezahlen, die Landessache seien. Plöger: „Das ist ein Fass ohne Boden.“

 

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