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Kriminalstatistik : Ist Stormarn ein Paradies für Einbrecher?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bei insgesamt rückläufigen Straftatenzahlen zeigt sich Stormarns Polizei unzufrieden mit Aufklärungsquoten.

shz.de von
erstellt am 07.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Weniger Körperverletzungen, weniger Vergewaltigungen, auf der anderen Seite aber mehr Brandstiftungen und deutlich gestiegene Zahlen im Bereich der Fahrraddiebstähle – das sind einige der Punkte der Kriminalstatistik des Kreises Stormarn für 2014.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 13  419 Straftaten, die der Polizei durch Anzeigen oder eigene Entdeckung bekannt wurden, 0,6 Prozent weniger als im Jahr davor. „Wir sind über den Rückgang vor allem mit Blick auf die langfristige Statistik froh, wenn man bedenkt, dass es 2005 noch 16  847 Taten waren. Auch wenn natürlich jedes Opfer eines zu viel ist – sei es bei einem Einbruch oder einer Gewalttat“, sagte Holger Meinke, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion in Ratzeburg.

Als positiv merkte er an, dass die Verbreitung pornographischer Schriften erneut um fast 60 Prozent zurückgegangen sei. Auch bei den Wohnungseinbrüchen gab es Rückgänge, wenn man den ganzen Kreis betrachtet. Von 1018 Fällen 2013 sank die Zahl auf 873 Wohnungsaufbrüche. Allerdings bleibt das eine „in Relation zu hohe Zahl“, so Meinke. Bei fast der Hälfte (45 Prozent) aller Einbruchstaten blieb es bei dem Versuch. Die Täter zogen eiter. „Das zeigt, dass es hilft, seine Wohnung oder sein Haus anständig zu sichern“, sagt Meinke.

Die jüngste Einbruchsserie aus dem Dezember 2014 konnte noch nicht in die Statistik eingerechnet worden. „Aufgenommen werden allgemein nur Fälle, die von unserer Seite in den Ermittlungen zum Abschluss gebracht werden konnten“, erläutert Hans-Jürgen Köhnke, Leiter der Kripo Stormarn. „Das ist bei der Einbruchsserie seit Dezember noch nicht der Fall.“

Die eingerichtete Präsenz- Ermittlungsgruppe (PEG) im Raum Ahrensburg habe aber schon positive Wirkung gezeigt. Das Projekt mit 13 Beamten, die für die Einbruchsdiebstähle abgestellt wurden, geht bis Ende März. Man wolle es aber auch im Sommer „in irgendeiner Form fortsetzen“, so Köhnke. „Wir passen die PEG der Jahrezeit und dem Einbruchsaufkommen an.“

Stormarns Hauptstadt für Einbrecher ist weiterhin Ahrensburg: 206 Einbrüche (sechs mehr als im Vorjahr) wurden gezählt. In Reinbek verdoppelte sich die Zahl fast von 60 auf 113 . In Bad Oldesloe is sie dagegen von 60 auf 51 gesunken. „Die Nähe zu Hamburg mit der guten Anbindung durch Autobahn und HVV macht es in Ahrensburg für Diebe leichter, schnell wieder in der Großstadt zu verschwinden“, so Meinke.

Stormarns Kripochef vermutet, dass es sich um professionelle Banden von außerhalb handelt. „Es gibt Forschungen dazu, die so ein geballtes Auftreten an Einbrüchen als Indiz dafür ansehen“, so Köhnke: „Ermittlungen sind immer dann leichter, wenn die Täter aus dem Ort stammen und es oft eine klar herstellbare Beziehungen zwischen Opfern und Tätern gibt.“ So im Bereich der Ladendiebstähle, die zu 90,4 Prozent erfolgreich aufgeklärt wurden.

„Stormarn ist einer der reichsten Kreise in Deutschland. Und die Diebe gehen natürlich dorthin, wo es was zu holen gibt, das darf man nicht übersehen, ohne dass wir es damit schönreden wollen“, so Meinke. „Wirklich nicht zufrieden“ sei man mit der Aufklärungsquote im Bereich Diebstähle. Die lag nämlich 2014 über alle Diebstahlsarten bei nur 16,4 Prozent. Von den Wohnungseinbrüchen konnten gerade mal in fünf Prozent der Fälle Täter ermittelt werden. Bei den Fahrraddiebstählen – die von 939 auf 1075 Fälle stiegen – gelang mit 4,7 Prozent nicht mal in jedem 20. Fall eine Aufklärung.

Von den 84 angezeigten Brandstiftungen (zehn mehr als 2013) konnten immerhin 38,1 Prozent aufgeklärt werden. „Da sind aber noch nicht die Taten der Ahrensfelder und Ahrensburger Brandserie enthalten, weil auch da diese Ermittlungen noch laufen und sie daher aus der Statistik fallen“, erläuterte Köhnke.

Sehr gute Quoten gab es im Bereich der 517 Rauschgiftdelikte (91,9 Prozent) und der Morde und Totschlagstaten. Alle acht Tötungsdelikte im Kreis konnten durch die Polizei aufgeklärt werden.  

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