Stormarner Wochenschau : Ist das wichtig oder kann das weg?

 Karikatur: Wiedenroth
Karikatur: Wiedenroth

Der eine will Bäume abholzen, der andere nach Sand schürfen – beides sorgt für reichlich Ärger in der Region.

Andreas Olbertz. von
16. November 2013, 08:00 Uhr

Bäume weg

Die ganze Zeit hatte er still da gesessen und die Debatte um den Bebauungsplan für sein Grundstück verfolgt. Aber am Ende platzte ihm dann doch der Kragen. Bernd Hauschild hat das ehemalige Kreiswehrersatzamt gekauft. Aus den Büros hat er bereits Wohnungen gemacht. Jetzt will er die Investition weiter versilbern und plant auf dem rückwärtigen Grundstücksteil einen Neubau mit 24 Wohnungen. Dafür muss der B-Plan geändert werden, das geht nur mit Zustimmung der Politik. Die Trave ist nicht weit und muss geschützt werden, dicht am Gelände stehen Bäume, die nicht in Mitleidenschaft gezogen werden dürfen, schön soll’s werden und damit am Ende was über bleibt ... naja, eine gewisse Größe muss da schon sein.

Also wurde sich das ganze vor Ort angeguckt, auf Papier die Gebäudeblocks hin und her geschoben bis man glaubte: So passt’s, alle Bäume werden erhalten. Dumm nur, dass da noch eine wichtige Regenleitung im Boden liegt. Die kann außen rum geführt werden, kostet zwar ein paar Tausender, aber egal. Dabei kam dann raus: „Zwei Bäume werden wohl nicht zu halten sein.“ Wenn die Bauleute das freiwillig einräumen, heißt das im Klartext: Wundert euch nicht, wenn am Ende alle Bäume weg sind. Das war dann der Moment, wo sich Hauschild zu Wort meldete: „Für meinen Baukörper darf kein Baum weg, aber für die Regenleitung schon?“ Was soll man sagen, der Mann hat Recht. Mit Logik ist das nur schwer nachzuvollziehen. Entweder sollen die Bäume erhalten werden – dann muss man eben eine entsprechend kleinere Lösung finden. Oder sie sind entbehrlich, was zur Folge hätte, dass wesentlich freier geplant werden könnte. Das Ende der Geschichte ist völlig offen.

Sand weg

Grande kämpft gegen den Kiesabbau vor der Tür. Eine Weile war es ruhig, jetzt kocht das Thema wieder hoch, denn kommende Woche steht der Erörterungstermin an. Mit mehr als 1000 Einwänden müssen sich die Experten auseinandersetzen. Zuständig ist das Bergamt aus Clausthal-Zellerfeld – das liegt im Harz. Bürgermeister Heinz Hoch hat mit denen bereits sehr spezielle Erfahrungen gemacht. Das ganze Procedere spricht eine deutliche Sprache: Transparent und bürgerfreundlich ist das nicht! Und man kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass das auch gar nicht gewollt ist. Mitten in der Woche mal eben drei Tage frei nehmen, weil niemand weiß, wann er dran kommt – da muss man als Widersprecher schon sehr engagiert sein. Obendrein ist fraglich, ob die Presseöffentlichkeit zugelassen wird.
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