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Stormarner Tageblatt

18. Oktober 2017 | 18:54 Uhr

Bad Oldesloe : IRLS: Staatsanwalt ermittelt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Norbert Brackman hat als Lauenburger Landrat Anzeige gegen Leitstelle in Oldesloe erstattet

Bei der Einweihung der Integrierten Rettungsleitstelle (IRLS) für die Kreise Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein im Februar 2013 waren die Landräte Klaus Plöger und Reinhard Sager (Ostholstein) sowie Norbert Brackmann als Vertreter von Landrat Gerd Krämer (Lauenburg) noch froh und zuversichtlich.

Zwei Jahre später sagt Plöger: „Das war mein härtestes Thema in 17 Jahren.“ Und der CDU-Bundestagsabgeordnete Brackmann hat als amtierender Landrat Strafanzeige gegen die Leitstelle erstattet. Obwohl er sagt, dass die IRLS, die pro Jahr mehr als 50  000 Rettungsfahrten koordiniert, eine „ordentliche Arbeit macht“, aber dieser Fall hebe sich „deutlich von anderen ab.“

Aus dem südöstlichen Teil des Herzogtums war die Leitstelle wegen eifile:///C:/Users/ol/Downloads/imago64113183h.jpgnes vermuteten Herzinfarkts einer Patientin alarmiert worden. Der Rettungswagen kam allerdings nicht nach zwölf Minuten, der gesetzlichen vorgesehenen Hilfsfrist , an, sondern erst nach einer knappen Dreiviertelstunde – aus Bad Oldesloe.

Es gebe „Ungereimtheiten“, man habe nicht klären können, warum ein Wagen aus Stormarn eingesetzt wurde, obwohl es Wachen in der Nähe gebe, sagt Karsten Steffen, Sprecher des Nachbarkreises. In einer internen Runde war der Fall angesprochen worden, und Anja Kühl, in Stormarn zuständig für die Leitstelle, sagte eine Prüfung und gegebenenfalls eine Anzeige durch den Kreis vor.

Das ging Brackmann aber vermutlich nicht schnell genug, da er auf einer öffentlichen Veranstaltung zum Rettungsdienst Stellung beziehen sollte. Mit dem Betreiber im Herzogtum Lauenburg, dem DRK, gab es seit längerem Ärger. 2012 ging es um finanzielle Ungereimtheiten. Im vergangenen Jahr trennte man sich vom gerade erst neu berufenen Geschäftsführer wieder. Aktuell soll der Rettungsdienst im Süden des Nachbarkreises verstärkt werden, weil die Hilfsfristen in Lauenburg, Geesthacht und Schwarzenbek jeweils rund 100 mal überschritten worden waren.

So eine Überlastung lag vermutlich auch an dem Tag vor, als das RTW aus Bad Oldesloe anreiste. „Wenn in Lauenburg alle Fahrzeuge eingebunden sind, kann es schon mal passieren, dass ein Wagen aus Stormarn geschickt wird“, sagt Anja Kühl. Problem in diesem Fall: Möglicherweise hätten First Responder einer Feuerwehr zur Verfügung gestanden. Ob das so war und ob der Disponent das hätte wissen könne, dürften Fragen für das Ermittlungsverfahren sein.

„Mein Ziel ist nicht eine Verurteilung des Disponenten“, sagt Norbert Brackmann, „sondern dass eine unabhängige Behörde den Vorgang überprüft.“ Leider würde es auf der Leitstelle „nicht so rund laufen, wie wir uns das alle wünschen.“ Er sehe die Strafanzeige als „konstruktive Unterstützung“ und sei überzeugt, „dass Klaus Plöger die Defizite erkannt hat.“

„Unterstützung“ möchte es Stormarns Landrat nicht nennen, aber es habe „für alle Seiten Vorteile, wenn eine neutrale Instanz darüber schaut. Ich hoffe, dass es sich schnell klärt und am Mitarbeiter nichts hängen bleibt.“

Das ist wahrscheinlich. Der Frau geht es „zum Glück wieder gut“, so Karsten Steffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in solchen Fällen wegen fahrlässiger Körperverletzung. Und dabei wird zunächst geprüft, ob eine Gesundheitsverschlechterung dadurch entstanden ist, dass der Rettungswagen verspätet war. Und natürlich wird auch ermittelt, ob zu dem Zeitpunkt überhaupt genügend Einsatzkräfte zur Verfügung standen.

„Wir haben der Staatsanwaltschaft die Protokolle und Bänder zur Verfügung gestellt“, sagt Anja Kühl. Anzeigen gegen die Leitstelle seien trotz der vielen Einsätze selten und die Ermittlungen seien in fast allen Fällen eingestellt worden. Auch Ralf-Peter Anders von der Lübecker Staatsanwaltschaft ist eine Verurteilung eines Disponenten „zurzeit nicht erinnerlich.“

Ob die Ermittlungen im Einzelfall Strukturprobleme bei der Integrierten Leitstelle in Bad Oldesloe oder beim Rettungsdienst im Herzogtum Lauenburg erkennen lassen, ist unklar. „Es läuft inzwischen besser als am Anfang“, sagt Landrat Klaus Plöger. Auch das Personal wurde gerade um drei weitere Leute aufgestockt. Bevor die Sollstärke tatsächlich erreicht ist, müssen die aber erstmal eine mehrmonatige Fortbildung absolvieren. „Ich glaube, wir haben seit dem Start fast ein Dutzend Leute ausgebildet“, sagt Plöger. Die Leitungsstelle musste dreimal ausgeschrieben werden und war neun Monate unbesetzt – „und der jetzige will auch schon wieder gehen“, so Plöger.

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