Bargteheide : Investor muss Pläne abspecken

Der Famila-Markt soll durch einen Neubau ersetzt werden.
Der Famila-Markt soll durch einen Neubau ersetzt werden.

Famila-Markt darf nicht so groß werden wie geplant – aus 10.750 wurden 4100 Quadratmeter.

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28. September 2020, 16:09 Uhr

Wie groß darf der Neubau des Famila-Marktes in Bargteheide werden? Nach langer Diskussion einigte sich der Ausschuss für Planung und Verkehr auf eine Nutzfläche von 4100 Quadratmetern, inklusive einer Shop-Mall von 500 Quadratmetern. Hinzu kommen zwei Fachmärkte mit je 1250 m² und eine Tankstelle mit 50 m² Verkaufsfläche. Während der nächsten Sitzung wird voraussichtlich die Auslegung eines entsprechenden Entwurfs für die Aufstellung eines B-Plans beschlossen.

Sorgen um den Einzelhandel

Damit hat der Investor seine Pläne für einen Kompromiss kräftig abgespeckt. Ursprünglich waren 10.750 Quadratmeter vorgesehen. Gründe für den Druck der Kommunalpolitik darauf sind die Befürchtungen über die Zukunft des Einzelhandels in der Innenstadt. Auch die Landesplanung hatte gegen die ursprüngliche Planung Einwände. Die Bargteheider Kaufleute warnen auch jetzt noch davor.

So sieht der Entwurf für einen Famila-Bebauungsplan zurzeit aus. Die graue Fläche im Südteil des Plans (u. r.) soll bis zur Entwurfsfassung noch als Gewerbegebiet ausgewiesen werden.
Jens Peter Meier
So sieht der Entwurf für einen Famila-Bebauungsplan zurzeit aus. Die graue Fläche im Südteil des Plans (u. r.) soll bis zur Entwurfsfassung noch als Gewerbegebiet ausgewiesen werden.
 

„Der Bau der Fachmärkte sollte erst später erfolgen“, sagt Katrin Andresen dazu. Zunächst müsse das geplante Einzelhandelsgutachten für die Stadt erstellt werden. „Der Kompromiss wurde mit der Politik abgestimmt, aber nicht mit uns“, so Kai Jentsch. Im jetzigen Entwurf erscheine eine Schotterwüste am Eingang zur Stadt. Die Planung ziehe erhebliche Kaufkraft aus der Innenstadt ab. „Spätestens in fünf Jahren wird eine bauliche Erweiterung beantragt“, so Jentsch.

CDU schaute sich den Markt in Trittau an

„Wir haben uns den Famila-Markt in Trittau angeschaut und fanden ihn in Ordnung“, sagte Sven Meding (CDU), „das neue Konzept ist für uns deshalb jetzt zustimmungsfähig.“ Mit Abriss und Neubau würden 14 Monate ins Land gehen, so Meding. „Wir wollen dem Investor keine Knüppel zwischen die Beine werfen“, entgegnete Martin Flaig (CDU), „die Erwartungen der Kaufleute finde ich überzogen.“ Bis zu einer gültigen Satzung für ein Einzelhandelsgutachten werde es ein weiteres Jahr dauern, so Jürgen Engfer von der Planungsabteilung der Stadt: „Der Investor hat wegen des Gebäudezustands nicht viel Zeit.“ Auch die übrigen Parteivertreter sahen das Projekt meist positiv. Alle bedauerten unisono, dass es keinen Baumarkt geben wird.

Zerstörung der Innenstadt?

„Sie entscheiden heute über die Zerstörung der Innenstadt“, warnte Thomas Fischer (Grüne) vor dem möglichen Kaufkraftverlust. „Über 7000 Quadratmeter sind uns immer noch deutlich zu viel“, sagte seine Fraktionskollegin Dr. Ruth Kastner. Wie die anderen Vertreter der Grünen stimmte er deshalb gegen den 3. Teil der Vorlage, in der es um die konkrete Abwägungsempfehlung der Verwaltung für diese Vorlage bereits bis zur nächsten Sitzung geht.

„Wir haben unsere Pläne eingedampft.“ Christian Lahrtz, Investor
 

Statt vier seien jetzt nur noch zwei Fachmärkte vorgesehen, einer für Tierfutter und einer für Möbel und Matratzen – konkret: Dänisches Bettenlager und Futterhaus.

Interessenkollision wurde diskutiert

Das Kaufkraftgutachten für den Investor wurde von der Firma CIMA Marktforschung erstellt. Sie soll jetzt auch das Einzelhandelsgutachten für Bargteheide erstellen, das für Mittel aus der Städtebauförderung erforderlich ist. CIMA hatte die Ausschreibung gewonnen und hat nach dem Vergaberecht Anspruch auf diesen Auftrag. „Die gleiche Firma arbeitet gleichzeitig für Famila und für uns?“, fragte der Ausschussvorsitzende Dr. Klaus Witt verwundert. Die mögliche Interessenskollision sei auch im Fachbereich des Rathauses diskutiert worden, so Jürgen Engfer. Es gebe aber kaum Alternativfirmen und bei einem Auftragswechsel auch keine Fördermittel dafür. Zwei Vertreter der Grünen stimmten gegen diese Vergabe.

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