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Bad Oldesloe : Intrigen, Romanzen und die erste Zeitung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jetzt wird es ernst: Der Verein „Bad Oldesloe macht Theater“ startet mit den Vorbereitungen für sein neues Open-Air-Theaterstück „1848 – Freiheit für Oldesloe“.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2014 | 07:00 Uhr

Lebendige Zeitgeschichte, prächtige Kostüme, eine romantische Liebesgeschichte, Intrigen, jede Menge Komik und Musik – all das verspricht das neue Open-Air-Theaterstück des Vereins „Bad Oldesloe macht Theater“ (Badomat), das an Pfingsten des kommenden Jahres Premiere feiern soll. Die rund 50 Aktiven des Vereins haben sich sehr viel vorgenommen, denn das neue Stück soll noch komplexer und aufwändiger werden, als „Marke Bölck“, mit dem der Theaterverein vor drei Jahren ein großes Publikum im Kulturhof des Bürgerhauses begeisterte.

Im Mittelpunkt der neuen Geschichte mit dem Titel „1848 – Freiheit für Oldesloe“, die sich eng an historische Fakten hält, steht Oldesloes erster Zeitungsverleger Julius Schythe (1814 bis 1891), der in seiner Heimatstadt am 1. Januar 1839 eine eigene Druckerei gründete und am 6. April 1839 die allererste Ausgabe des Oldesloer Wochenblattes herausbrachte. 1867 wurde ihm übrigens von Seiten der königlichen Regierung von Holstein die Erlaubnis erteilt, den dänischen Familiennamen „Schythe“ in „Schüthe“ umzuändern.

Das dicke Dialogbuch hat Autor und Regisseur Sven Lenz längst geschrieben. Julius Schythe und seine Frau Jakobine stehen im Mittelpunkt des spannenden Theaterstücks, außerdem spielen der damalige Bürgermeister von Colditz und der adelige Advokat Schmidt von Leda eine gewichtige Rolle. Und natürlich gibt es auch wieder mutige und selbstbewusste Frauen, die sich nach Kräften in den Lauf der geschichtlichen Ereignisse einmischen. Sogar der dänische König Friedrich VII. gibt sich die Ehre und stattet seinen Untertanen in Oldesloe einen kurzen Besuch ab. Hier stößt er allerdings auf offene Ablehnung.

1848 – das war das Jahr der politischen Umwälzungen und Revolutionen – nicht nur in Frankreich, sondern überall in Europa. In den Herzogtümern Holstein und Schleswig mündeten sie schließlich in den ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg gegen das Königreich Dänemark. In diesen gesellschaftlichen Wirren kämpft nicht nur Julius Schythe auf seine Weise für die Unabhängigkeit und gegen die Zensur seiner Zeitung. Auch die Oldesloer Bürger sehnen Freiheit von der Dänenherrschaft herbei.
Oldesloe hatte damals rund 3000 Einwohner, darunter sicherlich auch jede Menge zwielichtige und skurrile Gestalten, die in dem Theaterstück ebenfalls eine Rolle spielen werden. „Wichtige Themen, wie bürgerliche Revolution, Wahlrecht, Pressefreiheit, Emanzipation und Zensur werden aufgegriffen, denn für diese Werte haben damals viele Bürger sogar ihr Leben eingesetzt“, erzählt Sven Lange, der auch schon das Buch für „Marke Bölck“ schrieb. Der Autor erfand in Anlehnung an einen prominenten Zeitgenossen die Figur der Edwine Schneeden, eine mutige Oldesloer Pastorentochter, die einen Fall von eklatanter Bespitzelung aufdeckt. „Diese Szene hat einen hochaktuellen Bezug und ist dicht am Snowden-Fall dran“, sagt Sven Lenz mit einem Augenzwinkern.

Der Regisseur will nämlich nicht nur unterhaltsames und spannendes Volkstheater auf die Bühne bringen, sondern hat auch eine „message“, wie er betont. „Zensur und Bespitzelung drangen damals tief in die Privatsphäre der Bürger ein, insofern hat das Stück einen aktuellen Bezug zur Gegenwart“, so der 49-jährige Hamburger Autor und Dramatiker.

Noch wurden die zwölf großen Sprechrollen nicht besetzt, wenn auch das erste Casting sehr erfolgreich verlief. Es können sich also noch gerne interessierte Mitspieler melden. Außerdem würden noch jede Menge helfende Hände gebraucht, wie Ilona Rehme vom Vorstand betont. Zum Beispiel in der Kostümgruppe, die von Roswitha Sack und Irene Reddig geleitet wird. Die damalige Mode in der Biedermeier-Epoche war aufwändig, voluminös und eigentlich recht unbequem, Reifrock und Korsett wurden zu unentbehrlichen Kleidungsstücken der höheren Schichten. Sehr beliebt waren gemusterte Stoffe . Die typische Kopfbedeckung dieser Zeit war die Schute, ein haubenähnlicher Hut. Einige Kostüme sind schon fertiggestellt und können beim Kurparkfest am 31. August bewundert werden.

Um die aufwändige Technik und Ausstattung kümmert sich ein eigenes Projektentwicklungsteam, das schon jede Menge Ideen hat. „Ich habe eine Super-Truppe, das macht unheimlich viel Spaß“, freut sich Sven Lenz. Dennoch sei es für alle Beteiligten eine große Herausforderung, über einen Zeitraum von acht Monaten durchzuhalten.

 

 

Die erste offizielle Probe von Badomat beginnt mit einer Start-Up-Party am Sonntag, 7. September, um 16 Uhr im Musikraum der Theodor-Storm-Schule. Bis zu den Aufführungen an Pfingsten 2015 (Freitag, 15. bis Sonntag, 17. Mai) sind rund 70 Proben vorgesehen.


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