Bad Oldesloe : Internet verbindet Nachbarn

Gaben gestern den Startschuss: Moritz Feldheim, Andrea Tiedemann, Inga Burmeister, Steffen Mielczarek, Petra Hübner, Tassilo von Bary, Christina Lehmann und Sebastian Penthien.
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Gaben gestern den Startschuss: Moritz Feldheim, Andrea Tiedemann, Inga Burmeister, Steffen Mielczarek, Petra Hübner, Tassilo von Bary, Christina Lehmann und Sebastian Penthien.

Lokalportal.de will mit Informationen aus dem direkten Umfeld punkten – Kommunen machen bei diesem neuen Netzwerk mit.

Andreas Olbertz. von
21. Juli 2015, 06:00 Uhr

„Ich bin ja nicht so für Netzwerke – zumindest nicht für digitale“, haut Bürgermeister Tassilo von Bary mal so eben bei der Vorstellung eines neuen Stadt-Netzwerks launig raus. Gestern wurde für weite Teile Stormarns der Startschuss für Lokalportal.de gegeben. „Ich will es mal ein abgespecktes Mini-Facebook nennen“, beschreibt er das neue Portal: „Soziale Netzwerke werde ja immer wichtiger, da erreicht man Leute mit, die sonst nicht lesen.“

Facebook kennt mittlerweile fast jeder. Dessen Ansatz ist es, Menschen weltweit miteinander zu vernetzen. Wer dabei nach welchen Regeln was zu sehen bekommt, ist ein streng gehütetes Geheimnis von Facebook. Moritz Feldheim und Sebastian Penthien verfolgen mit ihrem Netzwerk einen komplett anderen Ansatz. Der Name Lokalportal.de ist quasi Programm. Jeder Nutzer, der sich dort anmeldet, muss eine Postleitzahl angeben. Menschen, Vereine und Organisationen aber auch Firmen aus einem 20-Kilometer-Umkreis um den jeweiligen Wohnort können so zusammen gebracht werden. Wem das immer noch zu viel ist, der kann den Umkreis, ausgehend von Straße und Hausnummer, verkleinern. Folgerichtig gibt es bei Lokalportal.de keine Fans, Freunde oder Follower, sondern schlicht Nachbarn. Eine Mitfahrgelegenheit von Kiel nach Hamburg zu finden, sei relativ einfach. „Aber versuchen Sie mal, zum Fußballtraining ins Nachbardorf zu kommen“, erklärt Sebastian Penthien seinen Ansatz. Das Lokalportal soll da zukünftig helfen.

Was genau der jeweilige Nutzer angezeigt bekommt, kann er sich individuell zusammenstellen. Wer sich nicht für Fußball interessiere, müsse keine Nachrichten vom Fußballverein lesen, bloß weil der aus der Region komme.

Lokalportal ist mit Fördermitteln des Landes und der EU entstanden. Für die Nutzer ist der Service kostenlos. Der Verkauf von Werbung und zusätzlichen Funktionen an Körperschaften soll zukünftig Geld in die Kassen des kleinen Entwicklerteams spülen.

Bargteheide sowie Bad Oldesloe jeweils Stadt und Landgemeinden, sowie Nordstormarn und Reinbek sind als erste Stormarner Kommunen mit dabei. „Das ist etwas ganz anderes als Facebook“, erklärt Bürgermeister Tassilo von Bary, warum Oldesloe sich beteiligt: „Da stellen wir nur Informationen ein.“ Reinbek war früher bereits bei Facebook aktiv. Wegen datenschutzrechtlicher Bedenken hat sich die Stadt dort allerdings nach einer Weile verabschiedet. „Es ist doch schön, dass wir unsere Informationen hier breiter fächern können“, begründet Inga Burmeister das Engagement.

Die Server von Lokalportal stehen in Deutschland, es gelten die Deutschen Datenschutzbestimmungen – das seien Grundvoraussetzungen gewesen. „Wir versuchen, ein vertrauensvolles Klima zu schaffen“, sagt Sebastian Penthien. Sein Mitstreiter Moritz Feldheim ergänzt: „Wir wollen keine neue Datenkrake werden.“

Die öffentlichen Körperschaften hätten von Anfang an großen Wert darauf gelegt, dass keine Doppelstrukturen entstehen. Von der städtischen Homepage werden Einträge automatisch ins Lokalportal übertragen. Ein Häkchen, mehr Aufwand ist nicht zu betreiben.

Bislang ist die Zahl der Nutzer noch überschaubar – 23 sind es in Stormarn. Erfahrungsgemäß dauere es vier bis sechs Monate, ehe es in einer Region rund laufe.

Am 18. August, 19 Uhr laden die Macher zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung über Lokalportal.de ins Oldesloer Bürgerhaus ein.

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