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Bad Oldesloe : Integration – Sportvereine nehmen Flüchtlinge auf

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Aufnahme ist nicht unproblematisch. Die kostenlosen Mitgliedschaften gehen zu Lasten der Vereinskassen.

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erstellt am 19.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Das ist doch mal gelebte Integration: Der VfL Oldesloe hat die Voraussetzungen geschaffen, dass erwachsene Flüchtlinge im Verein kostenlos Sport treiben können.

Kurz vor Weihnachten hatten sich die Vorstandsmitglieder über eine erhöhte Zahl von Austritten gewundert und waren der Ursache auf den Grund gegangen. Die Recherchen ergaben, dass es sich fast ausschließlich um Flüchtlinge handelte. „Die hatten von uns den Beitragsbescheid bekommen und mussten dann feststellen, dass sie gar kein Geld haben“, erklärt VfL-Vorsitzender Detlef Rädisch: „Wir fanden das bestürzend und völlig daneben.“

Der Vorstand machte sich auf die Suche nach einer Lösung. „Uns war wichtig, dieses Menschen ein Signal zu senden: Ihr müsst nicht austreten, weil ihr nicht zahlen könnt“, So Rädisch. Flüchtlinge sind beim VfL Oldesloe willkommen und werden als eine Bereicherung der Sportlerfamilie gesehen. Allerdings kostet Sport im Verein auch Geld. Detlef Rädisch: „Wir müssen für jedes Mitglied Gelder an die übergeordneten Verbände abführen. Das macht sich richtig in der Kasse bemerkbar.“

Für Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilie bietet das Bildungs- und Teilhabepaket die Möglichkeit der Beitragsübernahme. Das Verfahren sei mittlerweile bekannt und bewährt, knapp 140 Kindern werde auf diese Art der Sport im VfL ermöglicht. Wie viele davon Flüchtlingskinder seien, werde vom Verein nicht hinterfragt.

„Allerdings haben die Macher dieser Gesetzgebung wohl die Erwachsenen vergessen“, kritisiert der Vereinsboss den Gesetzgeber. Für die über 18-Jährigen gibt es nämlich keine Fördermöglichkeit. Aber trotzdem Bedarf. Daher hat der VfL Oldesloe, der bereits seit vielen Jahren das Projekt „Integration durch Sport“ aktiv unterstützt, aus Mitgliedsbeiträgen einen neuen Förderfonds eingerichtet, der die Mitgliedsbeiträge für Flüchtlinge im VfL Oldesloe übernimmt.

Der interne Fördertopf ermöglicht bis zu 20 erwachsenen Flüchtlingen die kostenlose Teilnahme am vielfältigen Sportangebot des VfL Oldesloe. Rädisch: „Das haben wir unbürokratisch und leise eingeführt.“ Bereits jetzt nutzen Sportler aus Flüchtlingsfamilien diese Möglichkeit in den Abteilungen Turnen, Fußball und Badminton. Interessenten können sich an die Geschäftsstelle in der Stormarnhalle wenden. Und wenn Sportkleidung oder Ausrüstung benötigt werden? Vorsitzender Rädisch ist überzeugt: „Das kriegen wir dann schon irgendwie hin.“

Der VfL Oldesloe hofft auf Spenden aus der Bevölkerung, damit dieses Angebot noch weiter ausgebaut werden kann und auch über das laufende Jahr hinaus angeboten werden kann.

Beim TSV Trittau trainieren Flüchtlinge schon länger mit. Ein gutes Dutzend stehen offiziell in der Mitgliederliste. Noch mal so viele seien „auf Schnupperstatus“. Der Amtsvorsteher gab damals den Anstoß und Vereinsvorsitzender Axel Schulz griff das gerne auf. „Das ist im Gesamtvorstand akzeptiert“, so Schulz: „Ich hätte mir nicht vorgestellt, dass ich damit so leichtes Spiel mit habe.“ Er hatte befürchtet, dass von den Spartenleitern Widerstand komme, denn wegen des Beitragssystems würden besonders die Sparten auf Einnahmen verzichten müssen. Die finanzielle Frage ist für den TSV noch ungeklärt. Seinerzeit war eine drei- oder viermonatige Probephase vereinbart worden. Das ist mittlerweile mehr als ein Jahr her, sagt Schulz: „In den nächsten Wochen werde ich mit dem Amtsvorsteher mal das Gespräch suchen.“ Seinerzeit sei dem TSV zumindest ein Grundbetrag für die Aufnahme von Flüchtlingen in Aussicht gestellt worden.

Dabei müsste es gar keine finanziellen Probleme geben, findet der TSV-Vorsitzende. „Es gibt einen Sockelbetrag vom Land“, erklärt Schulz: „Wenn der wirklich bei den Leuten ankäme, wäre schon viel geholfen. Aber das Geld kassiert der Kreis ein und finanziert davon Sozialarbeiter. Ob es das ist, was der gesetzgeber sich vorgestellt hat? Ich könnte mir jedenfalls was sinnvolleres vorstellen.“

Viel wichtiger als die Lösung der finanziellen Fragen ist Axel Schulz ein anderes Problem. Flüchtlinge mittrainieren zu lassen ist nämlich nicht so einfach, wie es klingt. „Es funktioniert einigermaßen, aber es ist nicht unproblematisch. Vor allem Frauen sind ein sehr sensibles Thema“, hat Schulz erfahren. Er würde sich deshalb einen besseren Austausch und Informationen beider Seiten über kulturelle Unterschiede und Gebräuche wünschen.

 

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