Bad Oldesloe : Ingenieur mit Modellcharakter

Günter Ackermann arbeitet schon am nächsten Schiff - ein Modell der Soleil Royal.
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Günter Ackermann arbeitet schon am nächsten Schiff - ein Modell der Soleil Royal.

Günter Ackermann stiftet der Oldesloer Bühne ein selbstgebautes, detailgetreues Schiffsmodell. Der Verkauf soll den Etat des Vereins aufbessern.

Andreas Olbertz. von
19. Januar 2018, 06:00 Uhr

„Ich bin handwerklich begabt“, sagt Günter Ackermann. Aber so wie er es sagt, klingt es, als sei das nichts besonderes. Der 87-jährige Oldesloer baut historische Segelschiffe detailgetreu nach. Drei Modelle von ihm stehen im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremen. Dort hat man ihm bescheinigt, zu den zehn besten Amateurmodellbauern zu gehören. Das erzählt er so einfach nebenbei.

Säge, Klemme und Drehbank stehen bereit, doch bevor die Werkzeuge zum Einsatz kommen, muss recherchiert werden. „In welchem Stil wurde das Schiff gebaut?“, sagt Günter Ackermann: „England, Spanien und Holland waren die großen Nationen damals.“ Die „Sovereign of the Seas“ ist sein jüngstes fertiges Modell. König Karl der I. wollte das größte und prächtigste Schiff haben – und bekam es. 1637 lief sie vom Stapel. Die Gegner nannten sie ehrfürchtig „Goldener Teufel“. Doch sie war sehr schwer, lag tief im Wasser und konnte das unterste Kanonendeck schon bei nur leichter Schräglage nicht mehr benutzen. 1654 wurde sie deshalb umgebaut. 1696 brannte das stolze Schiff ab. 2016 erlebte sie in der Werkstatt von Günter Ackermann ihre Auferstehung – im Maßstab 1:77.

Der Schiffsrumpf wird aus Lindenholz gefertigt, aber die Beplankung entspricht selbstverständlich der des Originals – zumeist Eiche oder Teak. „Die ist nur einen Millimeter dick“, verrät der Bastler: „Die muss sitzen, denn da lässt sich nichts mehr schleifen.“

Mit wie viel Liebe zum Detail der Oldesloer arbeitet, zeigt sich zum Beispiel an den Geschützen. Obwohl sie nicht viel größer als eine Fingerspitze sind, bestehen sie aus 39 Einzelteilen. Die kleine Kanone gibt es fertig als Gussteil zu kaufen. „Die muss dann aber noch entgratet werden“, erklärt der Tüftler.

Aktuell arbeitet der Rentner an der „Soleil Royal“. Kennern wird sofort auffallen, das die Geschützwagen typisch französisch gehalten sind – nach hinten gespreizt.

„Wichtig sind die richtigen Taustärken“, macht Günter Ackermann deutlich. Maßgeblich sei der Großmast, davon wird alles abgeleitet. Zwischen 0,2 und 1,2 Millimeter dicke Fäden kommen zum Einsatz. „Die Taue könnte man auch selber machen. Hier!“, sagt Ackermann und tippt sich dabei mit dem Zeigefinger gegen die Stirn: „Da hört es bei mir auf.“

Bis zu seiner Rente hatte Günter Ackermann zwar Kontakt mit der Seefahrt – allerdings nur weil ihm über diesen Umweg ein Ingenieurs-Studium möglich wurde – aber nicht mit dem Modellbau. Ackermann: „Vorher hatte ich da überhaupt keine Zeit zu.“ Er arbeitete bei Minimax und wurde schließlich Chef bei Total Walther. Mit 65 kam dann der Modellbau. „Ich bin mit Plastik angefangen“, verrät er. Schnell wechselte er zu Holz. Mit jedem neuen Schiff stieg der Schwierigkeitsgrad etwas. Die „Sovereign of the Seas“ wird als fünf Sterne Plus eingestuft. Zweieinviertel Jahre hat er an ihr gearbeitet, 2000 Stunden lang. „Immer so wie ich Lust habe“, erklärt der Bastler lapidar. Er sei halt alleine und das sei sein Hobby. 2000 Euro sind der Materialwert des Modells. „Davon bestimmt 500 Euro allein für Kleber“, konkretisiert der Oldesloer.

Die „Sovereign of the Seas“ hat er jetzt der Oldesloer Bühne geschenkt. Nicht als Deko für eine neue Inszenierung – sie soll verkauft werden. Nach dem plötzlichen Tod von Bühnen-Urgestein Peter Clasen waren alle Aufführungen des Weihnachtsmärchens abgesagt worden. Günter Ackermann weiß, was das bedeutet: „Das sind mindestens 70 Prozent unseres Etats. Vielleicht kann man damit das Loch etwas stopfen.“ Der Modellbauer ist bereits seit 50 Jahren in der Oldesloer Bühne aktiv. Ins Rampenlicht hat es ihn nie gezogen, er ist im Kulissenbau engagiert. Seine inzwischen verstorbene Frau Herma war lange Jahre Vorsitzende, hat Regie geführt und war auch als Darstellerin zu sehen.

„Der Tod von Peter war ein Schock für uns“, blickt Ralf Denert zurück: „Da waren ja auch die ganzen Jugendlichen ...“ Er ist sich allerdings sicher: „Wenn es nach Peter gegangen wäre, hätten wir gespielt. Sein Spruch war immer: ‚Wenn ich tot umfalle, musst du das machen‘.“ Aber das sei für das Ensemble nicht in Frage gekommen. „Wer hätte denn die Rolle übernehmen sollen?“, fragt Vorsitzende Heike Gräpel.

Der finanzielle Verlust für den Verein wiegt schwer. „Das plattdeutsche und das hochdeutsche Stück tragen sich mit Glück gerade so“, erklärt Heike Gräpel. Die Märchenaufführungen sichern den Haushalt. Heike Gräpel: „Wir haben keine Rücklagen, wir leben immer von der Hand in den Mund.“ Deshalb freut sich der Verein auch über die eingegangenen Spenden. Allen voran die vom „Blauen Wölkchen“. „Das war gigantisch! Hut ab“, so Heike Gräpel. Aber auch Geschäftsleute hätten gespendet und viele Zuschauer auf eine Erstattung bereits gekaufter Tickets verzichtet. „Das alles hat uns sehr gefreut und uns gezeigt, dass die Oldesloer Bühne einen Stellenwert in der Gesellschaft hat“, so Gräpel.

Der Verkauf des Schiffsmodells soll Geld in die Theaterkasse spülen. Weil es sich um ein Liebhaberstück handelt, ist der Wert schwer zu beziffern. „Die Stunden darf man nicht rechnen“, sagt Günter Ackermann: „Schön wäre das zwei- bis zweieinhalbfache des Materialwerts.“ Interessenten können sich bei Günter Ackermann unter Ruf (04531) 2817 melden.

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