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Stormarner Tageblatt

19. Oktober 2017 | 13:28 Uhr

IHK kritisiert : Infrastruktur hinkt hinterher

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Trotz aktuell guter Konjunktur ist die IHK über die Verzögerungen bei allen wichtigen Projekten besorgt.

von
erstellt am 07.Jan.2016 | 00:32 Uhr

Auch wenn die regionale Wirtschaft „zuversichtlich und mit großem Schwung“ ins neue Jahr geht, so IHK-Präses Friederike C. Kühn, ist wird die Liste der Themen und Handlungsfelder bei der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck eher länger als kürzer. Größtes Sorgenkind sind die stockenden Planung für alle wichtigen Infrastrukturprojekte.

> Die Eröffnung Fehmarnbeltquerung ist mittlerweile auf 2027 verschoben

> Der Weiterbau der A  20 stockt, nachdem ein verlassener Seeadler-Horst bei Hohenfelde entdeckt wurde

> Der Ausbau der B  404 zur A  21 vom Kreuz Bargteheide bis über die Elbe steht nicht im Entwurf für den Bundesverkehrswegplan

> Die Kosten für die S  4 von Hamburg bis Bad Oldesloe sind so gestiegen, dass zurzeit keine Wirtschaftlichkeit und damit auch keine Fördermöglichkeit gegeben ist.

„Die Verzögerungen sind bedenklich, wenn man weiß, wie wichtig die Verkehrsinfrastruktur für die Unternehmen ist“, sagt Rüdiger Schacht, bei der IHK zuständig für Standortpolitik. Von einer Olympiabewerbung Hamburgs hatte man sich einen Schub für die Verkehrsprojekte versprochen. „Das hätte ein Konjunkturprogramm für die Region sein können“, bedauert IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning Hamburgs Nein.

„Umso wichtiger ist es, die dringend benötigten Projekte zu platzieren“, betonen Schöning und Kühn. Ende Februar, bevor der Bundesverkehrswegplan beschlossen wird, hat die Lübecker IHK Bundestagsabgeordnete zu einem Info-Frühstück in Berlin eingeladen. „Dass Deutschland nicht an der Elbe endet, ist durch die Länderkooperation für die Hamburger Olympia-Bewerbung auch in Berlin angekommen“, hofft Schöning auf mehr Gehör für den Norden in der Hauptstadt.

Das Prinzip Hoffnung gilt auch für die Elbvertiefung, den Elbe-Lübeck-Kanal und dem Flughafen Lübeck. Zum überaus bedeutenden Standortfaktor ist zudem die Digitalisierung geworden. „Wir brauchen Glasfaser auch in ländlichen Bereichen, und es muss schneller ausgebaut gehen“, sagt Schöning, „der Wandel wird immer schneller, und die Firmen müssen sich darauf einstellen.“

Um für die Zukunft gerüstet zu seine, bräuchten die Unternehmen 100 Mbit/s, die nur mit einem direkten Glasfaseranschluss möglich sind. Stormarn und das Herzogtum Lauenburg stehen dank der Media GmbH der Vereinigten Stadtwerke zwar relativ gut da, auch auch hier gibt es noch viele weiße Flecken.

Für 2016 sind die meisten Firmen aber optimistisch. Der Konjunkturklimaindex im IHK-Bezirk fällt mit 131 Punkten noch mal etwas besser aus als im Vorjahr, mehr als zwei Drittel der Unternehmer gaben an, dass sie mehr oder gleich bleibende Auftragseingänge erwarten. „Wir stimmen jetzt keinen großen Jubelschrei an“, sagt Friederike C. Kühn, „sind aber verhalten optimistisch.“

Wie ein Konjunkturprogramm wirke der niedrige Ölpreis, und die gute Lage im Baubereich sowie aktuell niedrige Arbeitslosenquoten hingen auch mit den hohen Flüchtlingszahl zusammen. „Das sind zwar alles Ausgaben, aber Deutschland hat historisch hohe Steuereinnahmen“, sagt Schöning.

Die IHK hat bereits ein Projekt mit der Agentur über drei Jahre beschlossen, um anerkannte Flüchtlinge möglichst zügig an den Arbeitsmarkt heranzuführen. „Mehr als 85 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe sind bereit, Flüchtlinge als Praktikanten, Auszubildende oder Arbeitnehmer zu beschäftigen“, sagt Kühn, „wir setzen als IHK einen klaren Schwerpunkt bei Integration und Qualifizierung.“

Angesichts des drohenden, in manchen Branchen schon längst vorhandenen Fachkräftemangels, setzt man bei der IHK auch auf Migranten, allerdings nicht kurzfristig. Das Beherrschen der deutsche Sprache, Berufsabschlüsse oder eine Qualifizierung seien unabdingbare Voraussetzungen, so Schöning.

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